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Schreckmomente der Menschheit Wie der Zufall Geschichte schreibt von Link, Jörg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2015
  • Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
eBook (PDF)
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Schreckmomente der Menschheit

Blinde Zufälle bestimmen die Geschichte weit mehr, als wir Menschen meinen. Packend und eindringlich schildert Jörg Link Momente, in denen die Welt in den Abgrund geschaut hat. Die vielen vergeblichen Attentate auf Hitler, deren Gelingen die Geschichte verändert hätte, die schweren Krisen und Missverständnisse des Kalten Krieges, die zwei Mal fast in einem Atomkrieg endeten. Und er erzählt von Asteroiden, Gammablitzen und anderen Bedrohungen aus der Natur, die jederzeit aus heiterem Himmel zuschlagen können. Überleben oder Untergang der Menschheit werden auch durch Glück und Pech bestimmt - eine Erkenntnis, die aufrüttelt. Sie kann uns schützen vor der stärker werdenden Kraft von Verschwörungstheorien und vor denjenigen, die in der Geschichte einen Gottesplan sehen. Dr. Jörg Link beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Er war als Professor für Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Frankfurt am Main und Kassel tätig und ist Verfasser und Herausgeber von 16 Fachbüchern in namhaften Verlagen. Seine Kompetenzen in den Bereichen Führungssysteme, Früherkennung, Risikomanagement und strategische Planung bringt Link als Autor nun auch bei seinen Vignetten zur Geschichte ein. Sein theoretisches Wissen von Werte- und Anreizsystemen in Politik und Gesellschaft und seine praktischen Erfahrungen aus intensiver internationaler Beratungstätigkeit bereichern seine verblüffenden Sichtweisen auf die Zufälle der Geschichte.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 216
    Erscheinungsdatum: 17.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783828862104
    Verlag: Tectum Wissenschaftsverlag
    Größe: 3717 kBytes
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Schreckmomente der Menschheit

2.

27. Oktober 1962
"Vielleicht hat der Krieg oben schon begonnen"

Kuba-Krise 1962: Seit knapp zwei Wochen haben sich die Spannungen zwischen den beiden Atommächten USA und Sowjetunion täglich verschärft, weil auf der Insel Kuba erstmals sowjetische Atomraketen entdeckt worden sind. Sie können das amerikanische Festland in Minuten erreichen. Die USA haben eine Seeblockade um Kuba errichtet; kein Schiff mit Kriegsgerät darf passieren. Da wird am 27. Oktober in den Gewässern um Kuba das sowjetische U-Boot B-59 unter dem Kommando Valentin Sawizkis von einem amerikanischen Zerstörer mit Wasserbomben angegriffen. 18 Die Besatzung wird von den Detonationen so sehr durchgeschüttelt und psychisch unter Druck gesetzt, dass die Offiziere den Einsatz der äußersten Mittel erwägen. Neben 21 konventionellen Torpedos verfügt B-59 über einen Nukleartorpedo, der fast die Sprengkraft der Hiroshimabombe hat. Der Kommandant lässt diesen Torpedo zum Abschuss vorbereiten: 19

"Vielleicht hat der Krieg oben schon begonnen. Wir werden sterben, aber wir werden alle mitnehmen."

Es folgt eine Beratung mit den übrigen Offizieren. Am Ende fällt die Entscheidung gegen den Einsatz des Nukleartorpedos.

Was bei einem atomaren Angriff des sowjetischen U-Bootes auf die vier US-Kriegsschiffe (drei Zerstörer und der Flugzeugträger "Randolph") als Folge zu erwarten gewesen wäre, liegt auf der Hand. Ein atomarer Schlagabtausch wäre so gut wie unvermeidbar gewesen, zumal am gleichen Tag noch andere Zuspitzungen der Kuba-Krise erfolgten: 20

- Zur Klärung der Frage, wie weit die Stationierung sowjetischer Raketen auf Kuba schon fortgeschritten war, hatte Präsident Kennedy am Vormittag einen weiteren U2-Aufklärungsflug über Kuba genehmigt. Dieses Flugzeug wurde von einer SAM-Raketenbatterie abgeschossen, wobei der Pilot ums Leben kam.

- Ebenfalls am Morgen schon war das Strategic Air Command in erhöhte Einsatzbereitschaft versetzt worden. Dies bedeutete u. a., dass sich 60 B52-Bomber mit jeweils vier Atombomben in der Luft für einen sofortigen Angriff auf die Sowjetunion bereithielten.

- Ohne Kenntnis des US-Militärs positionierten die Sowjets drei Cruise-Missiles mit Atomsprengköpfen gegen die amerikanische Basis Guantanamo.

- Was die Amerikaner ebenfalls nicht wussten: Zahlreiche sowjetische Mittelstreckenraketen auf Kuba mit gewaltigen atomaren Sprengköpfen waren an diesem Tag bereits einsatzbereit.

- Und schließlich bedrängte Fidel Castro die Sowjets an diesem Tag, einen Atomschlag gegen die USA durchzuführen.

Auf diese Gesamtsituation kann die nachfolgende, oft zitierte Aussage des damaligen amerikanischen Verteidigungsministers McNamara am ehesten bezogen werden: "Am Ende hatten wir einfach Glück. Nur durch Glück wurde ein Atomkrieg verhindert. Wir standen so kurz (McNamara hält Daumen und Zeigefinger einen Millimeter auseinander) davor." 21 Und Steininger formuliert: "Der [...] 27. Oktober 1962 hätte zum schwärzesten Tag in der Geschichte der Menschheit werden können." 22

Wenn man hier aus berufenem Mund erfährt, dass der Untergang der Menschheit - oder zumindest sehr großer Teile davon - eine Frage des bloßen Zufalls war, muss man zunächst einmal innehalten. Eine solche Erkenntnis ist schwer zu verarbeiten. Die spontane Reaktion der meisten Menschen wird man so ausdrücken können: Es kann doch nicht sein, dass sich das Leben auf der Erde in Jahrmilliarden, das menschliche Leben in Jahrmillionen und die menschliche Zivilisation in Jahrtausenden entwickelt hat, um dann in Sekunden aufgrund zufälliger Abläufe vernichtet zu werden. Der Planet Erde wird ganz oder in Teilen unbewohnbar, weil einige amerikanische und sowjetische Schiffsoffiziere die Konsequenzen ihres Hand

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