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Sein Leben war das traurigste der Welt Friedrich II und der Kampf mit seinem Vater von Oster, Uwe A. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.10.2011
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Sein Leben war das traurigste der Welt

"Sein Leben war das traurigste der Welt", schrieb Wilhelmine von Bayreuth über die Jugend ihres Bruders Friedrich II. (1712 - 1786). Tatsächlich erlebte der junge Friedrich eine harte Kindheit, die geprägt war von der Auseinandersetzung mit seinem Vater Friedrich Wilhelm I. Der Stoff des Dramas ist bekannt: hier der polternde, jähzornige "Soldatenkönig", dort der zart besaitete Kronprinz. Und jeder kennt die schreckliche Szene, in der der Vater befiehlt, dass der Sohn der Hinrichtung seines Freundes Katte zusehen muss. Doch war Friedrich Wilhelm I. felsenfest davon überzeugt, das Beste für seinen Sohn und den preußischen Staat zu tun. Waren die Rollen also tatsächlich so klar verteilt: der Vater der unbarmherzige Richter, der Sohn das unschuldige Opfer? Uwe A. Oster, geboren 1964, ist stellvertretender Chefredakteur des Geschichtsmagazins "Damals" und hat zahlreiche Bücher geschrieben. Sein besonderes Interesse gilt der preußischen Geschichte; u. a. veröffentlichte er die Bücher "Wilhelmine von Bayreuth. Das Leben der Schwester Friedrichs des Großen", "Der preußische Apoll. Prinz Louis Ferdinand von Preußen" und "Preußen. Geschichte eines Königreichs".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 05.10.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492953825
    Verlag: Piper
    Größe: 7354 kBytes
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Sein Leben war das traurigste der Welt

Einleitung Latein zu lernen - das war aus der Sicht des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. (1688-1740) vergeudete Zeit. Eine tote Sprache, mit der man nichts anfangen konnte. In der Instruktion für die Erziehung des Kronprinzen hielt er daher knapp und bündig fest: "Was die lateinische Sprache anbelangt, so soll mein Sohn solche nicht lernen."1 Dass Latein immer noch zum klassischen Bildungskanon gehörte, kümmerte den "Soldatenkönig" wenig. Das sah der Lehrer des Kronprinzen, der Hugenotte Jacques Égide Duhan de Jandun (1685-1746), anders und ließ diesem heimlich Lateinunterricht erteilen. Und dann kam, was kommen musste, wie sich Friedrich der Große noch als König inmitten des Siebenjährigen Krieges mit Schaudern erinnerte: "Ich deklinierte mit meinem Lehrer: mensa, ae, dominus, i, ardor, ris, als plötzlich mein Vater ins Zimmer trat. ?Was machst du da?? - ?Papa, ich dekliniere mensa, ae?, sagte ich in kindlichem Tone, der ihn hätte rühren müssen. ?O du Schurke, Latein für meinen Sohn! Geh mir aus den Augen!? Und er verabreichte meinem Lehrer eine Tracht Prügel und Fußtritte und beförderte ihn auf diese grausame Weise ins Nebenzimmer. Erschreckt durch diese Schläge und durch das wütende Aussehen meines Vaters, verbarg ich mich, starr vor Furcht, unter dem Tische, wo ich in Sicherheit zu sein glaubte. Ich sehe meinen Vater nach vollbrachter Hinausbeförderung auf mich zukommen - ich zittere noch mehr; er packt mich bei den Haaren, zieht mich unter dem Tische hervor, schleppt mich so bis in die Mitte des Zimmers und versetzt mir endlich einige Ohrfeigen: ?Komm mir wieder mit deiner mensa, und du wirst sehen, wie ich dir den Kopf zurechtsetze.?"2 Was Friedrich Wilhelm I. so sehr in Rage gebracht hatte, war die - wie er es sah - Nutzlosigkeit der Beschäftigung seines Sohnes. "Was habe ich davon?", war die erste Frage, die der König bei allem zu stellen pflegte. Daran war alles zu bemessen. Und im Falle des Lateinischen war die Antwort aus seiner Sicht klar: Nichts! Für den "Soldatenkönig" gab es nichts Schlimmeres als Müßiggang: "Parol in dieser Welt ist nichts als Müh' und Arbeit, und wo man nicht ... die Nase in allen Dreck selber steckt, so gehen die Sachen nicht, wie sie gehen sollen, denn auf die meisten Bediensteten kann man sich nicht verlassen, wenn man nicht selbst danach sieht."3 So wie er selbst sollten auch alle seine Untertanen ihre Pflicht erfüllen, ohne zu "räsonniren" (zu klagen). Schon als Kind war er sparsam bis zum Geiz; jede noch so geringfügige Rechnung hielt er in einem penibel geführten Ausgabenbuch fest. Am glücklichsten war Friedrich Wilhelm, wenn er mit seinen Soldaten exerzieren konnte. Nichts erfreute ihn mehr als der Anblick eines hochgewachsenen Grenadiers. Die Lustgärten in Potsdam und Berlin verwandelte er in Exerzierplätze. Hölzerne Stühle zog er dick gepolsterten Sesseln vor, und in einer Zeit, in der die Angst vor dem als Krankheitsüberträger gefürchteten Wasser verbreitet war, wusch er sich täglich mehrmals mit kaltem Brunnenwasser. Auf Reisen machte es ihm nichts aus, in Scheunen zu übernachten. Vergnügungen der barocken Art, wie sie seine Eltern, König Friedrich I. (1657-1713) und Königin Sophie Charlotte (1668-1705), geliebt hatten, waren ihm ein Gräuel. In einer Instruktion mahnte er seinen Nachfolger 1722: "Mein lieber Successor muss auch nicht zugeben, dass in seinen Ländern und Provinzen Komödien, Operas, Ballettes, Maskeraden, Redouten [Maskenbälle mit Tanz] gehalten werden, und ein Gräuel davor haben, weil es gottlos und teuflisch ist, da dadurch Satanas sein Tempel und Reich vermehret werden. "4 Seine Ablenkungen waren einfach gestrickt: Er liebte die Jagd und sein abendliches Tabakskollegium, eine bierselige, rauchgeschwängerte Männerrunde, in der sich der König im Kreis echter und vermeintlicher Freunde ein wenig Entspannung von der ihn förmlich auffressenden täglichen Pflichterfüllung gönnte. In dieser Gesellschaft woll

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