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Wilhelm II. von Röhl, John C. G. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.08.2013
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Wilhelm II.

Der Erste Weltkrieg gilt als die Urkatastrophe der deutschen Geschichte im 20. Jahrhundert. Bis heute ist sich die Wissenschaft uneins über den Grad der Verantwortung, die dem letzten deutschen Kaiser, Wilhelm II., dafür anzulasten ist. Hatte der Monarch - bei aller Selbstherrlichkeit, bei allem Säbelrasseln, bei allem Versagen auf diplomatischem Parkett - tatsächlich solchen Einfluß auf die deutsche Politik, daß maßgeblich er den Weg in den Untergang bahnte? John C. G. Röhl, einer der besten Kenner der Geschichte des Kaiserreichs im allgemeinen und seines Protagonisten im besonderen, hat in seinem dreibändigen opus magnum auf mehr als 4000 Seiten die Entwicklung des Herrschers von seiner Geburt bis zum Tod im Exil in den Niederlanden nachgezeichnet und dabei dessen innen- und außenpolitisches Wirken minutiös dokumentiert. Für diese biographische Meisterleistung wurde er 2013 mit dem Einhard-Preis ausgezeichnet. Nun legt er eine biographische Miniatur zu Wilhelm II. vor, die sich - wie schon das Hauptwerk - durch die einzigartige Verbindung von präziser Information, klarer Argumentation und höchster Darstellungskunst auszeichnet. John C. G. Röhl lehrte bis zu seiner Emeritierung als Professor für Neuere europäische Geschichte an der Universität Sussex. Im Verlag C.H.Beck sind von demselben Autor lieferbar: Kaiser, Hof und Staat. Wilhelm II. und die deutsche Politik (2. Aufl. in der bsr, 2007); Wilhelm II. Die Jugend des Kaisers. 1859-1888 (2009); Wilhelm II. Der Aufbau der Persönlichen Monarchie. 1888-1900 (2012); Wilhelm II. Der Weg in den Abgrund. 1900-1941 (2009).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 23.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406654831
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2934 kBytes
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Wilhelm II.

I. Der gepeinigte Preußenprinz (1859 - 1888)

Seelenmord an einem Thronerben

Die Hochzeit seiner Eltern in London 1858 galt als Talisman einer engen Beziehung zwischen Großbritannien mit seinem ozeanischen Riesenreich und dem aufstrebenden Königreich Preußen auf dem Kontinent: Die siebzehnjährige Prinzessin Victoria, Vicky genannt, war das älteste Kind Queen Victorias und des Prinzgemahls Albert aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha, der Bräutigam Prinz Friedrich Wilhelm (Fritz) der einzige Sohn des 61jährigen Prinzen Wilhelm von Preußen, der seit kurzem für seinen geisteskranken und kinderlosen Bruder Friedrich Wilhelm IV. die Regentschaft führte. Mit der Geburt eines Sohnes am 27. Januar 1859 schienen die Hohenzollerndynastie und der Friede in Europa auf Jahrzehnte gesichert. Sinnträchtig erhielt der neugeborene Prinz von Preußen die Namen auch seiner englischen Großeltern: Friedrich Wilhelm Viktor Albert.

Die Entbindung fand im obersten Stock des Kronprinzenpalais zu Berlin Unter den Linden statt. Die Umstände bei der Geburt galten lange Zeit als ungeklärt, liegen jetzt aber dank der Dokumente im Familienarchiv offen zutage: Die Wehen der Mutter begannen am Nachmittag des 26. Januar. Der Vater, der während der Niederkunft seiner Frau nicht von ihrer Seite wich, schickte am frühen Abend mit der gewöhnlichen Post (!) einen Brief an den Frauenarzt Professor Dr. Eduard Arnold Martin, ohne ahnen zu können, daß sich das Kind in Steißlage befand - den Kopf nach oben, die Beine und Arme hochgestreckt. Erst als diese Stellung, die Lebensgefahr für Mutter und Kind bedeutete, am folgenden Morgen erkannt wurde, schickte der Prinz einen Boten zu Martin, der den Brief des Vortags noch nicht erhalten hatte. Der Frauenarzt fand also eine Notlage vor, als er in den Kreißsaal eilte. Er ließ die leidende Mutter durch den schottischen Arzt, den Queen Victoria nach Berlin geschickt hatte, mit Chloroform betäuben, ordnete - da die Wehen nicht genügend Stoßkraft besaßen - die Verabreichung von Mutterkorn (eigentlich ein Abtreibungsmittel) an und suchte nun das Kind, das vom Ersticken bedroht war (da es die Nabelschnur mit dem Kopf abdrückte), aus dem Geburtskanal zu lösen. Bei dem Versuch, den über den Kopf emporgestreckten linken Arm des Babys herunterzuziehen und "mittels desselben" dessen Körper zu rotieren, wurde dessen Nervengeflecht am Hals zerrissen: Der künftige König der Militärmonarchie Preußen und nachmaliger Kaiser des mächtigen Deutschen Reiches kam nicht nur "in hohem Grade scheintodt", sondern auch mit einer sogenannten Armplexuslähmung zur Welt.

Die nächsten Tage und Wochen brachten die Gewißheit, daß der kleine Prinz eine schwere Geburtsverletzung erlitten hatte. Zwischen dem linken Oberarm und der Schulterpartie entwickelte sich eine deutliche Falte. Das linke Schultergerüst und der Arm hingen schlaff herunter, das Ellbogengelenk war dagegen steif. Im Vergleich zum rechten Arm war der linke kalt und zu kurz; mit der Zeit wurde der Unterschied sichtlich größer. Auch die linke Hand blieb kleiner als die rechte, ihre auffallend spitzen Finger waren klauenartig eingeschlagen. Die Ursache für die besorgniserregende Mißbildung war jedoch rätselhaft. Man ging von einer Quetschung der Muskeln aus, die mit der Zeit heilen würde, empfahl kalte Waschungen, Einreibungen mit Alkohol, passive Bewegungen des lahmen Gliedes. Allein schon die Anordnung des Leibarztes, den rechten Arm festzubinden, um das Kleinkind zum Gebrauch des linken Armes anzuregen, beweist, wie unvollkommen das Wissen der damaligen Medizin über das Nervensystem war. Erst allmählich setzte sich

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