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Der Schatz im Himmel Der Aufstieg des Christentums und der Untergang des römischen Weltreichs von Brown, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.05.2017
  • Verlag: Klett-Cotta
eBook (ePUB)
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Der Schatz im Himmel

Die Welt der Christen und Heiden - souverän schildert Peter Brown den fundamentalen Wandel antiker Wertvorstellungen und das Aufkommen neuer Gesellschaftsideale. Ein großes Buch über das Ende des Römischen Reiches und den Beginn einer neuen Epoche der Weltgeschichte. Mit eindrucksvoller Darstellungskunst dringt Peter Brown tief in die konfliktreiche Zeit der ebenso heidnisch wie christlich geprägten Welt des Römischen Reiches ein. Neue christliche Ideale prallten auf eine spätantike Lebenswirklichkeit. Hautnah nehmen wir an den Debatten der Zeitgenossen über ein neues Verständnis von Reichtum und Geld in einer Gesellschaft teil, deren wohlhabender Teil durch einen tiefen Graben von der großen Mehrheit der Armen getrennt war. Der Autor bringt uns die Lebensformen der einfachen Menschen wie der Oberschichten nahe, und der Leser wird Zeuge von deren Nöten und materiellen Alltäglichkeiten. Vor diesem Hintergrund schildert er den welthistorisch bedeutsamen Prozess, der das Ende des Römischen Reiches einleitete und durch den eine ursprünglich der Armut verpflichtete Kirche zu einer wohlhabenden Institution wurde. Ein nuancenreiches und grandioses Panorama einer faszinierenden Epoche, die unsere Wertvorstellungen bis heute prägt.

Peter Brown, geboren 1935, Professor emeritus an der Universität Princeton, ist einer der international renommiertesten Historiker auf dem Gebiet der Spätantike. Er lehrte zuvor an den Universitäten von Oxford, London und Berkeley.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 928
    Erscheinungsdatum: 06.05.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783608109979
    Verlag: Klett-Cotta
    Originaltitel: Through the Eye of a Needle
    Größe: 12744 kBytes
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Der Schatz im Himmel

Kapitel 1

AUREA AETAS
Reichtum in einem Goldenen Zeitalter

Vom RUSTICULUS (Bäuerlein) zum CENSOR (städtischen Amtsträger)

Reichtum, Privilegien und Macht

In diesem Kapitel werden wir mit allgemeinen Überlegungen beginnen. Wir werden uns zuerst mit der charakteristischen Art und Weise befassen, in der Reichtum und sozialer Status in der römischen Gesellschaft einander bedingten. Dann werden wir betrachten, wie der Reichtum aus dem Land erwuchs. Danach werden wir uns auf ein einzelnes Jahrhundert konzentrieren. Wir werden versuchen, in notgedrungen kurzen Strichen die Struktur der Oberschichtgesellschaft des lateinischen Westens im 4. Jahrhundert n. Chr. nachzuzeichnen. Wir werden eine in vielerlei Hinsicht neue Gesellschaft betrachten, in der als Folge einer tiefgreifenden Neuordnung des Römischen Reiches ab 300 n. Chr. neue Statusformen und neue Wege, seinen Reichtum zu zeigen, entstanden.

Unsere erste Frage lautet: Was war eigentlich "Reichtum" in der spätrömischen Gesellschaft? Diejenigen, die die Reichen in jener Zeit betrachteten, gaben darauf gewöhnlich eine einfache Antwort. In der überwiegenden Zahl der Fälle war Reichtum Land, das durch Arbeit in Nahrungsmittel umgewandelt wurde, die sich im Fall der Reichen zu Geld verwandelten, welches diesen Privilegien und Macht verschaffte.

Wir können diesen Prozess auf vielen gesellschaftlichen Ebenen verfolgen. Er lässt sich zum Beispiel anhand einer Erfolgsgeschichte illustrieren, die sich im 4. Jahrhundert im Hinterland der Provinz Africa ereignete. Eine lange Inschrift aus Mactaris (heute Maktar), einer Stadt am Rand der tunesischen Hochebene, erzählt uns, wie ein "Mann aus armem Hause" zu Macht und Ehren gelangte. Sein Name fehlt auf dem Grabstein, den er sich errichten ließ, aber in der Altertumswissenschaft ist er als der "Schnitter von Mactaris" bekannt. Er war zwar nie vollkommen landlos, konnte jedoch mit der Bestellung seines eigenen Bodens zunächst kaum seinen Lebensunterhalt verdienen. Über die Jahre stieg er als Vormann eines großen "Schnittertrupps" (der aus landlosen Männern bestand, die weit ärmer waren als er) immer weiter auf. Der Trupp zog durch das Hochplateau des östlichen Numidien (zwischen dem heutigen Tunesien und Algerien), um sich dort als Erntehelfer zu verdingen. Nachdem der Schnitter zwölf lange Jahre "unter der sengenden Sonne gemäht" hatte, gelang es ihm schließlich, "Eigentümer eines Hauses" und Besitzer eines Gutshofes zu werden. Dessen Erträge waren so hoch, dass er in den Stadtrat von Mactaris aufgenommen wurde.

Im Tempel des Rates [der "heiligen" Ratshalle von Mactaris] habe ich gesessen und bin sogar vom Bäuerlein [ rusticulus ] zum censor [hohes städtisches Amt] aufgestiegen.

Für seine lebenslange harte Arbeit wurde er "durch Ehrenstellen belohnt". 1 Indem er in den Stadtrat aufgenommen wurde, überschritt unser "Schnitter" die wichtigste soziale Schwelle der römischen Welt. Es war die entscheidende römische Schwelle zwischen Gesichtslosigkeit und "Ehren". Die Mitgliedschaft im Regierungsgremium einer römischen Stadt wie Mactaris verschaffte dem "Schnitter" Privilegien und Macht. Er war nicht länger ein einfacher rusticulus, ein "Bäuerlein". Als Stadtrat ( curialis - Mitglied der curia, der Ratsversammlung - oder decurio, was dieselbe Bedeutung hatte) wurde er ein honestior, ein "Ehrenwerter". So durfte er zum Beispiel nicht mehr ausgepeitscht oder gefoltert werden. Dies war ein keinesfalls unwichtiges Privileg, da es ihn vom gewöhnlichen Untertanen eines berüchtigt grausamen Reiches unterschied. Sein Sitz im Stadtrat und die "Ehren", die mit seinen Ämtern in der Stadtverwaltung verbunden war

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