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Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über das Mittelalter 20 populäre Irrtümer über das Mittelalter von Schneider-Ferber, Karin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2012
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über das Mittelalter

Dem Mittelalter auf der Spur War das Mittelalter wirklich finster? Ritter immer ritterlich? Waren Burgen uneinnehmbar und die Menschen damals einfältig-dumm? Um kaum eine historische Epoche ranken sich derart viele und widersprüchliche Mythen wie um das Mittelalter. Es gilt als Inbegriff einer finsteren Zeit voll abergläubischer Intoleranz und grausamer Gewalt: Verschwenderische Fürsten unterdrückten rücksichtslos das darbende Volk, an jeder Ecke standen Galgen, brannten Scheiterhaufen und schon ein fauler Zahn konnte den Tod bedeuten. Gleichzeitig wird das Reich der Ritter oft auch als ein harmonisches Zeitalter verklärt, in dem wohlgeordnete soziale Verhältnisse herrschten und der Mensch im Einklang mit Gott und der Natur ein sinnerfülltes, einfaches Leben führte. Doch wo liegt die historische Wahrheit? Dieses Buch greift die häufigsten Irrtümer über das Mittelalter auf und zeigt unterhaltsam und kurzweilig anhand aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse, dass damals vieles ganz anders war, als man es sich heute gemeinhin vorstellt.

Karin Schneider-Ferber hat Mittelalterliche Geschichte, Bayerische Landesgeschichte und Kunstgeschichte an der Universität Augsburg studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin und Sachbuchautorin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.01.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806223637
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 1419 kBytes
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Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über das Mittelalter

IRRTUM 1:
Das Mittelalter war finster, und die Menschen waren dumm und ungebildet

Auf dem Kapitol zu Rom wurde wieder einmal Geschichte geschrieben: Unter dem lauten Beifall des Volkes, unter Trompetenklang und Jubelgeschrei brach sich an Ostern 1341 in einer feierlichen Zeremonie zum ersten Mal die Vorstellung von einem Mittelalter Bahn. An jenem denkwürdigen 8. April stieg der gefeierte italienische Dichter und Geschichtsschreiber Francesco Petrarca selbstbewusst und nicht ohne Eitelkeit die Stufen zum Senatspalast empor, um in einem Festakt nach dem Vorbild der antiken Dichterkrönungen für seine Verdienste um die Poesie als Auszeichnung die Lorbeerkrone zu erhalten. An dem Ort, an dem 1200 Jahre zuvor letztmals ein römischer Dichter mit dem Lorbeer gekrönt worden war, empfing der Wegbereiter der Renaissance aus den Händen des römischen Senators Orso dell Anguillara den symbolträchtigen Kranz und hauchte damit einer antiken Tradition wieder Leben ein. Der frisch mit dem "Delphischen Gewinde" Bekrönte vergaß deshalb auch nicht, in seiner Festrede den "heiligen Namen Vergils" zu beschwören, sah er sich doch selbst in der Nachfolge seines viel bewunderten römischen Vorbilds.

Die Krönung zum "poeta laureatus" war für Petrarca mehr als nur Folklore, er verband mit ihr ein kulturelles Programm, das den Menschen in unmittelbarem Rückgriff auf die Antike zu höheren sittlichen Weihen führen wollte. Die Erneuerung der römischen Kultur in Sprache, Kunst und Moralphilosophie sollte das Individuum zu einem verantwortungsbewussten, umfassend gebildeten und politisch handelnden Wesen machen und dadurch auf eine höhere Stufe des Daseins hieven. Damit war jedoch gleichzeitig eine Abwertung verbunden, nämlich eine Geringschätzung genau jener Zeit, die Petrarca unmittelbar vor Augen lag und die sich nicht ganz so stark an der Antike orientiert hatte wie von den Jüngern des Cicero gewünscht, nämlich des Mittelalters. Hoch auf seinem Dichterdenkmal entrückt, empfand Petrarca für die jüngste Vergangenheit nur Verachtung. Er sah sie als eine störende Unterbrechung zwischen der ruhmreichen Antike und der sie wiederentdeckenden Renaissance, eine Zwischenzeit also, in der grobe und ungebildete Barbaren herrschten, die mit ihrem windigen Küchenlatein alle Liebhaber der lateinischen Sprache verschreckten und mit ihrem himmelsstrebenden Baustil der Gotik alle Regeln der idealen Proportion sprengten. Petrarca nahm als erster das hässliche Wort vom "finsteren Mittelalter" in den Mund, und seitdem hat die Epoche ihr negatives Image weg.

Bis heute hat sich in den Köpfen die Vorstellung vom "dunklen" Mittelalter gehalten, einer Epoche, in der religiöser Wahn, rückständiges Denken und menschenverachtende Grausamkeit herrschten. Gerne bemüht man den Begriff "mittelalterlich", um Zustände zu kennzeichnen, die unseren modernen Ansprüchen zuwiderlaufen. Machen wir irgendwo Anzeichen von Folter, Anarchie und Willkür aus, sprechen wir von einem Rückfall ins Mittelalter, erscheint uns eine Sache als altmodisch oder überholt, diffamieren wir sie als mittelalterlich. Die Epochenbezeichnung mutierte dadurch zu einem negativ besetzten Schlagwort, geeignet, alles Abscheuliche oder Dunkel-Geheimnisvolle zu disqualifizieren. Dabei ist das Mittelalter streng genommen nichts anderes als die Kopfgeburt einiger humanistisch gebildeter Intellektueller. Gemessen an den Maßstäben der Antike erschienen ihnen die aus den Wirren der Völkerwanderungszeit hervorgegangenen mittelalterlichen Reiche als grob und ungehobelt. Welten schienen zwischen den formvollendeten Marmorfiguren der Griechen und Römer und den ersten, ungelenken Buchmalereien der irischen Mönche zu liegen, Meilen trennten die imposanten Reste römischer Architektur von den simplen Fachwerkbauten der mittelalterlichen Städte, ein tiefer Graben klaffte zwischen dem belesenen und sprachgewandten Gelehrten der Renaissance und dem in seinem geschloss

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