text.skipToContent text.skipToNavigation

Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über die Ritter von Schneider-Ferber, Karin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2015
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über die Ritter

Die Ritter des Mittelalters - heldenhaft, kühn, edel und gerecht - begegnen uns auf Schritt und Tritt in Literatur, Film, Computerspielen und ganz leibhaftig auf zahlreichen Mittelaltermärkten. Doch was ist dran am edlen Heldenbild, das uns schon die hochmittelalterliche Epik vermittelt? Entspricht es der Realität mittelalterlicher Lebenswelten? Wie war es um die sprichwörtliche Ritterlichkeit der schweren Panzerreiter bestellt? Zogen sie nur für Ruhm und Ehre ins Feld oder nahmen sie für ihre Dienste auch schnödes Geld? Gab es den berüchtigten ?schwarzen Prinzen? wirklich und wie kam der Ritter zu seinem Lieblingsgegner, dem Drachen? Dieses Buch greift 20 populäre Irrtümer über die Ritterschaft auf und rückt so das über Jahrhunderte hinweg tradierte Idealbild zurecht. Auch Ritter waren nur Menschen mit höchst irdischen Schwächen ...

Karin Schneider-Ferber hat Mittelalterliche Geschichte, Bayerische Landesgeschichte und Kunstgeschichte an der Universität Augsburg studiert. Sie arbeitet als freie Journalistin und Sachbuchautorin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.05.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806231052
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 1258 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über die Ritter

IRRTUM 1:

Ritter kämpften mit ritterlichen Methoden

"Schwer tobte der Kampf und es erhob sich das Tosen des Krieges; mit ihren Waffen brachen sie in die dicht gedrängten Schlachtreihen der Sachsen ein, freudig schleuderten sie überall die Leiber beiseite, als wenn die Sichel das reife Korn schnitte. Mit dem Schwert mähten sie die Häupter, wie bei der Ernte - ein schrecklicher Anblick! - und mit dem Schwert bahnten sie sich überall einen Weg mitten durch die Feinde." Mit diesen martialischen Worten beschreibt der Autor des Liedes vom Sachsenkrieg die blutige Schlacht, die zwischen König Heinrich IV. und seinen aufständischen Untertanen, den Sachsen, im Jahr 1075 an der Unstrut tobte. Er scheut keine Mühe, das Gemetzel in drastischen Bildern zu schildern: "Der eine stürzte auf den Feind und trat dabei auf seine eigenen Eingeweide, der andere zog den kalten Stahl aus dem eigenen Körper, und sterbend erschlug er den Feind, der ihn tötete." Ein grausames Blutbad erwartete die Unterlegenen. "Gegen das gemeine Fußvolk (der Sachsen, Anm. K. S.-F.) wütete die feindliche Unmenschlichkeit so über alles Maß und alle Schranken hinaus, dass sie, alle christliche Ehrfurcht vergessend, Menschen abschlachteten wie Vieh", berichtet der zweite Gewährsmann, Lampert von Hersfeld, über die Vorgänge an der Unstrut.

Hätte man einen Ritter im Mittelalter nach seinem Selbstbild gefragt, wäre mit Sicherheit eine ganz andere Einschätzung herausgekommen. Nicht die Rolle des Schlächters, sondern die des unermüdlichen Kämpfers für das Gute und Gerechte wäre in den Vordergrund getreten. "Der Ritterstand ist erhabener und edler, als sich die Vorstellungskraft ausmalen kann, und kein Ritter sollte zulassen, dass er sich durch Feigheit oder eine gemeine oder falsche Tat entehrt, sondern wenn sein Helm auf seinem Kopf sitzt, sollte er kühn und grimmig sein wie ein Löwe, sobald er die Beute sieht", erinnerte König Johann von Portugal am Vorabend der Schlacht von Aljubarrota 1385 die Seinen an das hehre Ideal. Doch die Realität des Kriegsalltags sah anders aus. Anstelle von Heldentaten erwartete die Kämpfenden im Schlachtgetümmel ein blutiges Gemetzel, statt ritterlicher Zweikämpfe Mann gegen Mann ein wüstes Hauen und Stechen jeder gegen jeden mit oft tödlichem Ausgang. Denn wie in jedem anderen Krieg ging es auch bei mittelalterlichen Waffengängen um nichts anderes als um Sieg oder Niederlage, um Töten oder Getötetwerden. Die Konsequenzen waren absehbar: brutale Kampfhandlungen mit hohem Verletzungs- und Todesrisiko, Übergriffe auf unbeteiligte Zivilisten, Verwüstungen und Plünderungen des Umlands, Gefangennahmen und Erpressung von Schutz- und Lösegeldern.

Dass sich in der Nachwelt trotzdem das Bild des ritterlichen, tugendhaften, zum Schutz von Armen, Schwachen und Waisen ausziehenden Reiterkriegers festgesetzt hat, liegt an der äußerst cleveren "Selbstvermarktung" des Ritterstandes. In der höfischen Dichtung, in Epen und Heldenliedern erscheint der Ritter als selbstloser Kämpfer für Recht und Ordnung, der seinem unterlegenen Feind Gnade gewährt, Frauen und Kleriker schützt, sich im Kampf keine Tricksereien und Täuschungsmanöver erlaubt und für eine gerechte Sache streitet. Die Heldenlieder feiern die Einzeltaten des wackeren Recken, der sich fair benimmt und dennoch seine Feinde unterwirft. Doch dieser schöne Schein ließ sich in der Praxis kaum aufrechterhalten.

Krieg bedeutete im Mittelalter wie zu jeder anderen Epoche auch eine gewaltvolle, brutale Auseinandersetzung. Die Berichte über den blutigen Verlauf von Schlachten sind Legion. Auch wenn die Chronisten oft gehörig übertrieben, um den Gegner zu diffamieren oder den eigenen Sieg propagandistisch zu überhöhen, geben sie dennoch einen recht realistischen Einblick in den "normalen" Kriegsalltag. "Der Schall der Trompeten eröffnete auf beiden Seiten die Schlacht", berichtet Wilhelm von Poitiers über die Schlacht von Hastings 1066. "D

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen