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Die Macht der Rituale Symbolik und Herrschaft im Mittelalter von Althoff, Gerd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2013
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Die Macht der Rituale

Im Mittelalter prägten rituelle Kommunikationsformen den öffentlichen Umgang der Mächtigen miteinander. Lange hat man solche Art von Kommunikation als ?starres Zeremoniell? oder ?leeres Ritual? beiseite geschoben. Gerd Althoff schreibt anhand konkreter Fälle (z.B. Rituale beim Sturz des Bayernherzogs Tassilo oder die Selbstdemütigung Heinrichs IV.) die Geschichte dieser Kommunikation und setzt sie in Beziehung zur Geschichte mittelalterlicher Herrschaft. Mit seiner Sicht von der bewussten Konstruktion der Rituale und ihrer beabsichtigten Wirkung bietet er eine überzeugende Erklärung für ihre Funktion. Durch öffentliche Rituale erhielt eine rangbewusste Gesellschaft alle Informationen, die für eine geregelte Herrschaftsausübung nötig waren. Rituale informierten über Rechte und Pflichten, signalisierten den Zustand von Beziehungen und spiegelten die bestehende Ordnung wider. Ein innovativer Zugriff, der für das moderne Mittelalterverständnis unverzichtbar ist.

Gerd Althoff, geb. 1943, ist Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Münster. Bei der WBG erschienen von ihm zahlreiche Bücher; u.a. 'Die Macht der Rituale. Symbolik und Herrschaft im Mittelalter' (2. Aufl. 2014), die Biographie 'Heinrich IV.' (2. Aufl. 2008) sowie ''Selig sind, die Verfolgung ausüben'. Päpste und Gewalt im Hochmittelalter' (2013).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 01.05.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534728961
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 2714 kBytes
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Die Macht der Rituale

II. Die Ritualisierung der Herrschaftsausübung im Frühmittelalter

II.1 Bescheidene Anfänge in der Merowingerzeit

Keine Herrschaft ist je gänzlich ohne die Nutzung ritueller Kommunikationsformen praktiziert worden. Dennoch liegt es vielleicht nicht allein an der Quellenlage, wenn wir aus dem frühesten Mittelalter, der Merowingerzeit, relativ wenig über die rituelle Ausgestaltung der Kommunikation zwischen den Königen und ihrem Herrschaftsverband hören. Es scheint, als hätten die frühen fränkischen Könige Zeremoniell und Ritual nur eingeschränkt als Mittel und Medien ihrer Machtausübung eingesetzt. Zumindest lässt sich das noch wenig belegen, was in späteren Jahrhunderten als die spezifische Leistung rituellen Verhaltens in Erscheinung tritt: die auf die Zukunft zielenden verbindlichen Aussagen, mit denen der gefundene Konsens öffentlich zum Ausdruck gebracht wird.

Dieser Eindruck steht aber auf den ersten Blick in Kontrast zu der Tatsache, dass in einigen Bereichen herrschaftlicher Interaktion in der Merowingerzeit durchaus rituelle Formen der Kommunikation benutzt wurden. So sind etwa die friedensstiftenden Mähler ebenso praktiziert worden wie der Gabentausch; 1 die merowingischen Könige praktizierten den symbolischen Gebrauch von Insignien ebenso wie sie mit symbolischen Handlungen ihre Herrschaft zur Geltung oder zur Anschauung brachten. 2 Es lohnt sich also, nach Spezifika ritueller Formen der Machtausübung in der Merowingerzeit zu fragen und diese als Folie für die Erforschung der weiteren Entwicklung zu nutzen.

Wenn aus dieser Zeit von Ritualen im Zusammenhang mit der Königsmacht berichtet wird - und das ist nicht eben häufig der Fall -, ist interessanterweise hauptsächlich von Handlungen der Könige selbst die Rede. Die Angehörigen des Herrschaftsverbandes spielten in diesen Ritualen hingegen allem Anschein nach eine relativ untergeordnete Rolle. Dies könnte ganz ursächlich mit Bedingungen der Machtausübung zusammenhängen, die sich bereits in der Karolingerzeit, wenn auch langsam, so veränderten, dass die 'Getreuen' einen aktiveren Part in den Ritualen zu übernehmen begannen. Einiges spricht dafür, dass dies durch ihre gewachsene Bedeutung im politischen Kräftefeld bedingt war. In jedem Fall ist die Beobachtung solcher Unterschiede zwischen Merowinger- und Karolingerzeit wichtig genug, um sie zum Ausgangspunkt der Untersuchung zu machen.

Am berühmten Adventus Chlodwigs in Tours aus dem Jahre 508 lässt sich das Problem gut demonstrieren. Nicht zufällig wurde kontrovers diskutiert, inwieweit mit diesem Ereignis der Beginn des merowingischen Königszeremoniells anzusetzen sei. Doch steht dieses Ereignis sehr isoliert und scheint daher keine Tradition begründet zu haben. 3 Gregor von Tours ist wie fast immer in dieser frühen Zeit der Gewährsmann für die Szene:

"Damals erhielt er (d.h. Chlodwig) vom Kaiser Anastasius ein Patent als Konsul und legte in der Kirche des heiligen Martinus den Purpurrock und Mantel an und schmückte sein Haupt mit einem Diadem. Dann bestieg er ein Pferd und streute mit eigener Hand unter das anwesende Volk Gold und Silber auf dem ganzen Wege von der Pforte der Vorhalle bis zur Bischofskirche der Stadt mit der größten Freigebigkeit aus. Von diesem Tag an wurde er wie ein Konsul oder der Kaiser gerufen." 4

Im letzten Satz ist das Verb vocitare im Sinne der Akklamation verstanden und übersetzt worden. Beim Adventus - denn diesem antiken Vorbild ist der Vorgang in Tours verpflichtet - wurde nach der Aussage Gregors von diesem Tage an dem König vom 'Volk' akklamiert, wie es in der Antike beim Adventus eines Konsuls oder Imperators üblich gewesen war. Dies ist aber auch schon der einzige aktive Part, den Mitglieder des Herrschaftsverbandes nach dieser Darstellung übernahmen. Alles andere tat Chlodwig allein: Sowohl seine rituelle Einkleidung einschl

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