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Die Piasten Polen im Mittelalter von Mühle, Eduard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.05.2011
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Die Piasten

Zum Jahr 963 tritt in einer sächsischen Quelle mit Mieszko I. der erste historisch bezeugte polnische Herrscher ins Licht der Geschichte. Bis zum Tod Kasimirs des Großen im Jahr 1370 haben er und seine Nachkommen, die Herrscherdynastie der Piasten, mehr als vier Jahrhunderte lang die Geschicke der polnischen Länder bestimmt. Wie ist es ihnen gelungen, ihre großräumige Herrschaft aufzurichten, diese gegenüber inneren und äußeren Konkurrenten durchzusetzen, zu festigen und zu erweitern? Dieser Band zeigt, wie sie ihrem Reich ?internationale? Anerkennung verschafft und es im Innern so gestaltet und organisiert haben, dass es nicht nur als ein integraler Bestandteil der christlich-europäischen Welt angesehen wurde, sondern überdies das gesamte Mittelalter hindurch als ein politischer, kultureller und wirtschaftlicher Faktor gegolten hat. Eduard Mühle ist Professor für Geschichte Ostmittel- und Osteuropas an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und seit 2008 Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Warschau.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 16.05.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406612299
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2987 kBytes
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Die Piasten

III. Monarchische Herrschaft
im 12. Jahrhundert

1. Herrscher und Herzogtum

In der Forschung ist umstritten, ob die Herrschaft zwischen Zbigniew und Bolesław III. im Sinne eines gleichberechtigten oder eines hierarchisch abgestuften Verhältnisses geteilt wurde, ob beide bis 1107/1108 über zwei völlig unabhängige, gleichrangige regna herrschten oder mit einem der Teilgebiete eine Oberherrschaft über das andere verbunden war. Diese Frage rührt an ein für das Funktionieren mittelalterlicher Herrschaft entscheidendes Problem, mit dem sich nicht nur die Piasten konfrontiert sahen: die Erb- bzw. Thronfolge. Wer hatte innerhalb der Dynastie, deren allgemeiner Herrschaftsanspruch über das regnum Poloniae von niemandem mehr in Frage gestellt wurde, Anrecht auf Herrschaft? Die verfügbaren Quellen geben für die Zeit bis ins 12. Jahrhundert hinein auf diese Frage keine eindeutige Antwort. Das mag nicht nur an ihrer Dürftigkeit liegen. Vielmehr scheint die Frage auch in der Realität noch längere Zeit ungeregelt geblieben zu sein.

Ob die Herrschaft nach dem Tod eines Herzogs bzw. Königs an alle seine Söhne oder nur an alle aus einer rechtmäßigen Ehe stammenden Söhne, ob nur an den ältesten Sohn oder nur an den fähigsten Sohn überging, war seit Mieszkos I. Tod jedes Mal durch die Macht des Faktischen und nicht durch eine bestehende, formal klare und dementsprechend einvernehmlich befolgte Nachfolgeregelung entschieden worden. Dass Bolesław I., Mieszko II. und Bolesław III. jeweils erst nach gewaltsamer Verdrängung ihrer (Stief-)Brüder Alleinherrschaften durchgesetzt haben, Bolesław II. bis zu seiner eigenen Thronenthebung seinem jüngeren Bruder Władysław Herman in Masowien offenbar eine begrenzte Teilherrschaft überlassen hat (während Kasimir I. bruderlos des Problems gänzlich enthoben war), deutet allerdings daraufhin, dass auch das piastische regnum - wie andere Herrschaften im östlichen Europa - als ein patrimonium betrachtet wurde, an dem prinzipiell alle männlichen Mitglieder der Dynastie als domini naturales Anteil hatten. Beim Tod des ältesten, herrschenden Mitglieds der Dynastie ging dieses Vatererbe als quasi privates Eigentum im Prinzip an alle lebenden männlichen Mitglieder der Dynastie über. Ob und inwieweit die Piasten angesichts der in einer solchen gemeinschaftlichen Erbfolge angelegten innerdynastischen Konflikte bereits im 11. Jahrhundert versucht haben, für die Herrschaftsnachfolge gewisse Regeln aufzustellen, ist nicht erkennbar. Allerdings hat sich bei ihnen anders als bei den böhmischen Přemysliden und den Kiever Rjurikiden das Problem tatsächlich erst seit den 1130er Jahren verschärft gestellt. Denn weder Kasimir I. noch Bolesław II. oder Władysław Herman waren mit Thronfolgekonflikten konfrontiert. Erst beim Tod Władysławs trat 1102 nach über einem Dreivierteljahrhundert wieder eine ähnliche Situation wie 1025 beim Tod Bolesławs des Tapferen ein.

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts verständigten sich Bolesław III. und Zbigniew dank Vermittlung des Gnesener Erzbischofs zunächst auf eine Kohabitation, die der Jüngere jedoch schon wenig später (1107/1008) durch die Vertreibung des Älteren gewaltsam beendete. Um 1112/13 gestattete er dem Verbannten zwar die Rückkehr, ließ ihn aber kurz darauf (sei es nach einem vorgefassten Plan, sei es in spontaner Reaktion auf einen vermeintlichen Verrat) blenden. Dieser Konflikt, der mit dem baldigen (in den Augen der Zeitgenossen durch eine Bußfahrt Bolesławs nur unzureichend ges

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