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Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über Preußen von Schlachta, Astrid von (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2014
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über Preußen

Preußen: expansiv, militaristisch und rücksichtslos - oder sparsam und tugendhaft, bürokratisch und ordnungsliebend? Waren es 'preußische Tugenden', die dem Nationalsozialismus den Weg bereiteten? Hat Preußen Österreich aus dem Alten Reich gedrängt und war Berlin wirklich die verspätete Hauptstadt? Schon der Blick der Zeitgenossen auf Preußen war klischeebehaftet. Die historische Wirklichkeit war häufig weniger mythenhaft, sondern widersprüchlich, vielschichtig und keineswegs geradlinig. Astrid von Schlachta gibt in diesem Buch den Blick frei auf die preußischen Tugenden, die ethnische Vielfalt, die Menschen, die einst in Preußen lebten. Sie zeigt Preußen in seiner Wandelbarkeit, im Aufschwung und im Niedergang, in seiner Vorbildwirkung wie in seiner Antiquiertheit. Es begegnen uns bekannte Personen, die zu Mythen wurden, wie Friedrich II. und Königin Luise, aber auch weniger bekannte preußische Untertanen, die zum Mythos des Staates beitrugen oder ihn widerlegen.

Astrid von Schlachta ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie an der Universität Innsbruck.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806229288
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 1361 kBytes
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Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über Preußen

Einleitung

Preußen polarisiert! Es fällt schwer, zu Preußen eine neutrale Meinung zu haben. Entweder man deklariert sich als "Preuße" und blickt freudig-stolz auf die Erfolgsgeschichte und das Ethos, die Preußen hervorgebracht hat, oder man ist entrüstet über die kaltschnäuzige Politik und die moralische Infiltration der Untertanen und Staatsbürger. Im Guten wie im Negativen hat Preußen zur Mythenbildung beigetragen und manchmal erscheint der ganze Staat als Mythos, so viele Botschaften will man ihm aufdrücken.

Ebenso reichhaltig sind die Bilder, die man mit Preußen verbindet. Die französische Schriftstellerin Madame de Staël verglich Preußen in ihrem 1815 erschienenen Buch Über Deutschland mit einem Januskopf, der ein militärisches und ein philosophisches Gesicht hat. Sie setzt diese Janusköpfigkeit gleich mit Friedrich II., der in ihren Augen für den Charakter Preußens steht - "ein Deutscher von Natur, ein Franzose von Erziehung". Ambivalenz und Gespaltenheit ziehen sich durch die Rezeptionsgeschichte Preußens. Die Familie Johann Wolfgang von Goethes war gespalten über die Einschätzung des Siebenjährigen Krieges und der Rolle Preußens darin. Goethe beschreibt in seinen Memoiren Dichtung und Wahrheit , wie unterschiedlich die Meinungen der einzelnen Familienmitglieder über die preußischen Siege waren. Während sein Großvater bei der Krönung von Franz I. Stephan den Krönungshimmel getragen hatte und deshalb auf österreichischer Seite stand, tendierte sein Vater, den Karl VII. zum kaiserlichen Rat ernannt hatte, auf preußischer Seite. Goethe selbst begeisterte sich für Friedrich II., so dass er schrieb: "Und so war ich denn auch preußisch oder, um richtiger zu reden, fritzisch gesinnt: denn was ging uns Preußen an?" 1

Ein weiteres Bild, das häufig von Preußen gemalt wird, ist jenes des "Militär- und Beamtenstaates". So der Titel eines zentralen Aufsatzes, den der Historiker Otto Hintze 1908 veröffentlichte. Gleich anschließen lässt sich das Bild des "Maschinenstaates", das Preußen seit dem späten 18. Jahrhundert verfolgt. Im romantischen Konservatismus verankerte Staatstheoretiker wie der Berliner Adam von Müller oder der Dichter Ernst Moritz Arndt warfen dem preußischen König eine übersteigerte Rationalität vor, die einen Maschinenstaat habe entstehen lassen, in dem alle gewachsenen, historischen, vor allem aus dem Germanischen hergeleiteten Rechte missachtet worden seien. Die Bildungsnation und der frühe Rechtsstaat ergänzen die Bilder, die Preußen beschreiben.

Dominante Figur der preußischen Geschichte ist Friedrich II., "der Große". Eine Persönlichkeit, die, ganz im Duktus Madame de Staëls, mit seiner Ambivalenz für die gesamte preußische Geschichte steht. Theodor Schieder gab seiner Biographie über Friedrich II. den Untertitel "Königtum der Widersprüche". Allerdings sind viele Ambivalenzen und Widersprüche der preußischen Geschichte nicht einmal unbedingt zeitgenössisch, sondern aus der späteren Beschäftigung mit dem Land entstanden. Die Aufarbeitung preußischer Geschichte geschieht nicht selten unter einem normativen Blickwinkel, was die Widersprüchlichkeit nicht kleiner macht.

Die ganz vielfältige Art und Weise, preußische Geschichte aufzuarbeiten, aber besonders auch das häufig damit verbundene Anliegen, einen Nutzen aus ihr zu ziehen, brachten ein sehr breites Spektrum an normativen Aussagen hervor, denen preußische Vorbilder zugrunde gelegt sind. Keine Figur polarisierte so wie Friedrich II. und nur wenige Königinnen erlebte eine solch kulthafte, geradezu mythische Verehrung wie Königin Luise. Sie war über das gesamte 19. Jahrhundert Identifikationsfigur Nr. 1 der preußischen Geschichte, bis ihr Friedrich II. in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus den Rang ablief.

Preußens Geschichte ist geprägt von einer vergleichsweise recht späten Erweiterung und Konsolidier

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