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Das Reich des Mahdi Aufstieg und Untergang des ersten islamischen Gottesstaates 1885-1897 von Oeser, Erhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2013
  • Verlag: Primus
eBook (ePUB)
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Das Reich des Mahdi

1885 erschütterte die westliche Welt die Nachricht vom Fall der Stadt Khartum und der brutalen Ermordung des britischen Generals Charles Gordon. Die Anhänger des Mahdi Mohammed Ahmed errichteten den ersten islamischen Gottesstaat und schotteten den Sudan über 12 Jahre gänzlich von der Umwelt ab. Erst der Rachefeldzug Lord Kitcheners machte dieser historischen Episode ein Ende, die zu Recht als Geburtsstunde des islamischen Fundamentalismus gesehen werden kann. Erhard Oeser erzählt anschaulich Aufstieg und Fall des Mahdi-Reiches. Er stützt sich dabei auch auf die Berichte zweier Gefangene des Mahdi, die seinerzeit in Europa weite Verbreitung fanden und von Queen Victoria ebenso gelesen wurden wie von Winston Churchill. Die Gefangenen konnten die innere Struktur dieses ersten islamischen Gottesstaates aus leidvoller Erfahrung genauestens schildern. Heute, angesichts der Geburtsstunde neuer Staaten in Nordafrika, gewinnt dieses Vorspiel des politischen Islam eine ganz neue Aktualität. Erhard Oeser, geb. 1938, ist emeritierter Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften an der Universität Wien und Vorstand des Institutes für Wissenschaftstheorie. Er erhielt 2006 den Eugen Wüster Sonderpreis für Terminologie-Forschung. Seine bisherigen Buchveröffentlichungen bei der WBG: Geschichte der Hirnforschung (2. Aufl. 2010), Hund und Mensch (3. Aufl. 2009), Die Suche nach der zweiten Erde (2009), Die Jagd zum Nordpol (2008), Katze und Mensch (3. Aufl. 2008), Pferd und Mensch (2007), Das selbstbewusste Gehirn (2006).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.07.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863128074
    Verlag: Primus
    Größe: 6796 kBytes
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Das Reich des Mahdi

2. Ein unbequemer Held: General Gordon

Lange vor dem Mahdi-Aufstand, war Gordons Name in ganz Europa bekannt. Denn bevor er in den Sudan ging, hatte er bereits als "Chinese Gordon" in England Berühmtheit erlangt. Ihm war zum Großteil die schnelle Niederschlagung des sogenannten Taiping-Aufstandes zu verdanken, wodurch viele Menschen auf beiden Seiten vor einem grausamen Tod gerettet werden konnten. In gewissem Sinn war dieses erfolgreiche Unternehmen Gordons ein Vorspiel zu seinem Kampf mit dem Mahdi des Sudan, nur mit einem anderen, und zwar erfolgreichen Ausgang. Auch in China war es ein charismatischer religiöser Führer, der diese Rebellion entfachte. Die schnelle Niederschlagung dieses Aufstandes, die vor allem Gordon als Anführer einer Söldnerarmee zu verdanken war, bestimmte aber auch seine maßlose Unterschätzung der auf einen tiefen religiösen Glauben gegründeten Macht, die der Mahdi mit seinen Glaubensstreitern im Sudan ausübte und die schließlich zum Fall von Khartum und zu Gordons geradezu selbstmörderischem Heldentod führte.
Heldentum und Todessehnsucht

Dass Gordon von seinem Charakter her gesehen ein höchst unbequemer Held war, hat keiner so genau und so frühzeitig erkannt und beschrieben wie der junge Kavallerie-Leutnant Churchill, der an jenem Feldzug teilnahm, der den grausamen Tod Gordons rächen sollte: "Seine Launen waren schwankend und kapriziös, seine Leidenschaften unbändig, seine Tatkraft sprunghaft und widersprüchlich. Ein tödlicher Feind am Morgen konnte ihm noch vor Einbruch der Dunkelheit ein vertrauenswürdiger Verbündeter sein. Den Freund, den er heute liebte, konnte er morgen schon verabscheuen. In seinem fruchtbaren Geist nahm ein Projekt nach dem anderen Gestalt an und kam dem vorhergehenden in die Quere. Alle wurden sie begeistert vorangetrieben, bis sie dann plötzlich allesamt mit Geringschätzung wieder verworfen wurden. Ein bereits von Natur aus überspanntes Temperament wurde durch die erworbene Angewohnheit des Rauchens angestachelt, und der General trieb es dermaßen zum Extrem, dass er kaum je ohne Zigarette gesehen wurde. Seine Tugenden heben ihn hoch heraus, in einem Krieg können seine Kühnheit und Geistesgegenwart das Blatt wenden, und seine Energie kann ein ganzes Volk beflügeln. Seine Leistungen sind bekannt, doch es gehört auch festgehalten, dass nur wenige so unberechenbare und unlenksame Männer wie Gordon jemals in der Verwaltung und Diplomatie zum Einsatz gekommen sind" (Churchill 1899, I, S. 27f.; dt. Übers. 2008, S. 57). Doch Gordon war auch gegen sich selbst kritisch, auch wenn er sich gegen die Kritik anderer wehrte: "Wie töricht ist es doch eigentlich, dass wir einander beurteilen, als ob jeder einzelne konsequent wäre!" (Gordon 1908, S. 291). Auch war er sich im Klaren darüber, dass sein Kettenrauchen seiner Gesundheit höchst abträglich war, und versuchte es immer wieder einzuschränken, wie sich durch eine seiner Tagebuchaufzeichnungen nachweisen lässt: "Das Rauchen habe ich jetzt beinahe ganz aufgegeben, denn ich merke, dass mein Blutumlauf dadurch merklich gestört wird" (Gordon 1908, S. 354).

Abb. 5 : Charles G. Gordon (aus Gordon 1898)

Während Gordons Zeitgenossen nicht nur in England, sondern auch in Deutschland und Frankreich in ihm nur den kriegerischen Helden und Märtyrer sehen wollten, haben ihm spätere Biografen vorgeworfen, von Ruhmsucht beseelt gewesen zu sein, obwohl er selbst mit bitterer Verachtung das Streben nach weltlichem Ruhm immer wieder verurteilt hat und für sich vielmehr nur in Anspruch genommen hat, bloß seine "armselige Pflicht" zu erfüllen (Nutting 1966, S. 314). Ein weiterer Schriftsteller kehrt sogar die übertriebene Heldenverehrung, die man Gordon nach seinem Tod entgegenbrachte, ins Gegenteil um, wenn er andeutet, dass Gordon ein Säufer und Feigling gewesen sein soll (Strachey 1918, S. 22). Eine derartige Behauptung geht allerdings auf die h

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