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Der Morgen der Welt Geschichte der Renaissance von Roeck, Bernd (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.09.2017
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Der Morgen der Welt

Die Renaissance war eine Revolution, die erst Europa und dann die ganze Welt für immer veränderte. In seinem grandios erzählten Buch entfaltet Bernd Roeck ein beeindruckendes Panorama dieser dramatischen Epoche. Zugleich erklärt er im Horizont der Globalgeschichte, wieso es in Europa zu dieser einzigartigen Verdichtung von weltbewegenden Ideen, spektakulären Entdeckungen und historischen Umwälzungen kommen konnte. Um die Wurzeln der Renaissance freizulegen, blickt Bernd Roeck weit ins Mittelalter und die Antike zurück – und weitüber die Grenzen Europas hinaus. Mit analytischer Schärfe und darstellerischem Glanz lässt er die Epoche vor den Augen des Lesers auferstehen: die große Kunst, die unter Italiens Himmel entstand, und die Ideen der Humanisten ebenso wie die Religionskriege und die Anfänge der Unterwerfung fremder Erdteile. Er erzählt von Kaufleuten und Dichtern, Kaisern und Päpsten, klugen Frauen und monströsen Männern, von den Großen der Zeit und den Kleinen, die fern der Paläste mit Krankheit und Hunger kämpften. Schließlich zeigt dieses Opus magnum , dass die Renaissance mit ihren Innovationen nicht nur Sehnsuchtsorte der Schönheit und des Geistes schuf, sondern auch die Fundamente für unsere moderne Welt.

Bernd Roeck ist seit 1999 Professor für Neuere Geschichte an der Universität Zürich und einer der besten Kenner der europäischen Renaissance.

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Der Morgen der Welt

1. Europas großes Gespräch

Abb. 1 : Stefano della Bella, Aristoteles, Ptolemäus und Kopernikus, aus: Galileo Galilei, "Dialogo sopra i due massimi sistemi del mondo", Florenz 1632, Titelblatt, Florenz, Biblioteca Nazionale
Das Gemälde der Welt

Venedig, im Sommer 1630 . Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu. Von der Lagune her streift Abendwind über die noch warmen Dachziegel. Der Lufthauch kühlt drei Männern, die sich in einem der Paläste der Stadt zusammengefunden haben, die Stirnen. Den Tag hatten sie mit Gesprächen über ein großes Thema verbracht. Die beiden "bedeutendsten Weltsysteme" waren diskutiert worden: das seit der Antike geglaubte Modell des Claudius Ptolemäus, das die Erde im Zentrum des Universums sah, und die damals noch kein Jahrhundert alte Lehre des polnischen Astronomen Nikolaus Kopernikus, von der die Erde zu einem die Sonne umkreisenden Planeten degradiert worden war. Herr Sagredo, der Gastgeber der Runde, beschließt die Diskussion mit einer Ruhmesrede auf die Schärfe des menschlichen Geistes, auf die Künste und Wissenschaften der vergangenen Epoche. Er rühmt die Fertigkeit, von einem Stück Marmor die überflüssigen Teile zu entfernen, um die schöne Figur zu entdecken, die darin verborgen ist, und die Fähigkeit, Farben zu mischen, sie über eine Leinwand zu verteilen und so alle sichtbaren Dinge darstellen zu können, wie es ein Michelangelo, ein Raffael, ein Tizian verstanden hätten. Nicht aufhören könne er zu staunen, meint Sagredo - über die musikalischen Kompositionen, über Dichtung, Architektur, über die Kunst der Seefahrt. Eine aber überrage alle anderen bewunderungswürdigen Erfindungen: der Buchdruck. "Welche Größe des Geistes hatte jener, der eine Methode erfand, seine verborgensten Gedanken einer beliebigen anderen Person mitzuteilen, selbst wenn er durch einen gewaltigen Abstand von Zeit und Raum von ihr getrennt ist? Mit jenen zu sprechen, die in Indien sind, ja mit noch nicht Geborenen und denen, die noch nach tausend und zehntausend Jahren nicht geboren sein werden? Und mit welcher Leichtigkeit - mit den unterschiedlichen Anordnungen von zwanzig kleinen Buchstaben auf einem Papier ..."[ 1 ]

Hinter der fiktiven venezianischen Szenerie verbirgt sich ein großer Autor, nämlich Galileo Galilei. Sie findet sich in dem 1632 in Florenz publizierten "Gespräch über die zwei vornehmlichsten Weltsysteme". Als seinen Statthalter läßt Galilei darin den Gelehrten Salviati auftreten, auch er ein Verteidiger des kopernikanischen Weltbildes. Der Gastgeber hat die Rolle des Moderators. Er ist aber wie Salviati Anhänger des Kopernikus und damit selbst ein wenig Galileo. Als Fürsprecher des alten ptolemäischen Systems und der aristotelischen Wissenschaft begegnet der pedantische Simplicio, das heißt "Einfaltspinsel". Er wird mit Ironie abgefertigt. Galileis Traktat sprüht vor Witz, trieft von Sarkasmus. Der Autor will ein gebildetes Publikum überzeugen und bietet daher Rhetorik, nicht Mathematik. Die Argumente, die sein "Sprecher" Salviati ins Feld führt, sind nicht neu, und sie treffen keineswegs immer ins Schwarze (zum Beispiel meint er, den Gezeitenwechsel als Beweis dafür, daß sich die Erde bewege, anführen zu können). Die Eleganz des Arguments ist wichtiger als der empirische Befund.

Darauf aber kommt es uns nicht an. Galileis "Dialogo" steht für einen Stil gelehrter Diskussion, wie ihn in dieser Form zuerst und für lange Zeit ausschließlich Europa mit seiner Wissenskultur pflegte: Geprägt von den Tugenden neugierigen Fragens und gelassenen Bezweifelns, scheut er Streit, ja donnernde Polemik nicht. Dank der Druckerpresse konnte ein halber Kontinent am großen Gespräch teilnehmen. Galileis Text spiegelt diesen welthistorisch einzigartigen Vorgang. Sein Verfasser hatte nicht einfach Neues entdeckt. Er argumentierte auf eine

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