text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Aufklärung Das Drama der Vernunft vom 18. Jahrhundert bis heute - Ein SPIEGEL-Buch

  • Erscheinungsdatum: 28.08.2017
  • Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
eBook (ePUB)
16,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Aufklärung

Der Siegeszug der Vernunft Die Vordenker der Aufklärung kämpften dafür, dass der Mensch sich von seinen Vorurteilen befreit, dass er sich nicht von Gefühlen oder unhinterfragten Glaubenssätzen bestimmen lässt, sondern in seinen Entscheidungen und Überzeugungen allein auf Wissen und Vernunft vertraut. Das vielgestaltige und vielstimmige, europaweite Projekt der Aufklärung propagierte religiöse Toleranz, Bürger- und Menschenrechte, Emanzipation, Bildung und persönliche Handlungsfreiheit und war Ausgangspunkt radikaler Veränderungen, die bis in unsere Tage zu spüren sind. In Überblicksdarstellungen und Porträts berühmter Aufklärer wie Voltaire, Jean-Jacques Rousseau, Immanuel Kant oder Gotthold Ephraim Lessing beschreiben SPIEGEL-Autoren und Historiker die große Vielfalt der aufklärerischen Ideen und fragen zugleich, welches Erbe diese Epoche hinterlassen hat.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 28.08.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641216412
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt
    Größe: 4685 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Aufklärung

Beginnen lässt Darnton diese geistige Bewegung am Ausgang des 17 . Jahrhunderts. Sein Kollege Martin Mulsow, führender Kenner der sogenannten Radikalaufklärer, stimmt zu: Als die zermürbenden Konfessionskriege erstarben und zugleich eine Fülle naturwissenschaftlicher Entdeckungen viele scheinbare Selbstverständlichkeiten infrage stellte, sei die "kritische Masse" erreicht worden, die den morschen spätbarocken Denkhorizont sprengen konnte.

Gelehrte wie René Descartes, John Locke, Isaac Newton und Gottfried Wilhelm Leibniz, aber auch etliche Laborvirtuosen wie die Briten Robert Boyle oder Robert Hooke erwiesen die Unzulänglichkeit des überkommenen aristotelischen Wissenschaftsgebäudes. Theologische Forscher und Skeptiker wie Richard Simon, Baruch de Spinoza, Nicolas Malebranche und Pierre Bayle rüttelten an den altgewohnten kirchlichen Dogmen. Naturrechtler wie Samuel von Pufendorf und Christian Thomasius gründeten den Staat auf einen Gesellschaftsvertrag ohne religiöse Prämissen.

Warum Gottes Eingreifen voraussetzen, wenn auch natürliche Erklärungen möglich waren? Voller Neugier und Zuversicht machten sich unabhängige Köpfe auf allen Gebieten daran, für Weltverständnis und Lebensform des Menschen eigenständige, vernunftgemäße Grundsätze zu entwickeln, immer geleitet vom "Zauberwort" (Edgar Salin) der Natürlichkeit.

Allein dass Denker zunehmend in ihrer Muttersprache, nicht mehr im Gelehrtenlatein argumentierten, sorgte für frischen Wind. So weist der scharfsinnige Philologe und Philosophiehistoriker Arbogast Schmitt ("Wie aufgeklärt ist die Vernunft der Aufklärung?") darauf hin, dass der Begriff des Bewusstseins erst durch das auf Leibniz fußende aufklärerische Denkgebäude des Hallenser Philosophen Christian Wolff ( 1679 bis 1754 ) unter Fachleuten geläufig wurde.

Aber nicht nur ein paar Spezialisten sollten von der neuen Diskussionsfreude profitieren. Die meisten Aufklärer sahen sich verpflichtet, möglichst vielen Zeitgenossen die Chance der Vernunft zu vermitteln. "Von Sokrates wurde gesagt, er hätte die Philosophie vom Himmel gebracht, um unter den Menschen zu wohnen; und ich möchte wohl wünschen, dass von mir gesagt würde, ich hätte die Philosophie aus den Studierstuben und Büchersälen, Schulen und Collegien gebracht, damit sie in den Gesellschaften und Versammlungen, an den Teetischen und in Caffeehäusern wohnen möchte", verkündete 1711 der Mitgründer des englischen Blatts "The Spectator", Joseph Addison ( 1672 bis 1719 ), ein selbst ernannter Kämpfer gegen die Übel "des Lasters und der Torheit". Nicht anders dachte sein französischer Kollege, der literarisch-intellektuelle Tausendsassa Voltaire ( 1694 bis 1778 ).

In den meisten ihrer Ziele waren Europas Intellektuelle nahezu einig: religiöse Toleranz, Bildung für möglichst viele Menschen, freie öffentliche Diskussion um die besten Argumente und Methoden, bürgerliche Solidarität statt Fürstenwillkür und Untertanengeist, Vernunft und Selbstdisziplin zum Wohl nicht nur eines Landes, sondern globaler Humanität. Doch wie sich dergleichen Ideale verwirklichen ließen und wo der Schwerpunkt liegen sollte, blieb umstritten.

Überdies wechselte mancher die Ansichten fast so schnell wie die Hemden; schwer macht es seinen Bewunderern zum Beispiel der quecksilbrige Diderot. Sogar Voltaire, der jahrzehntelang vehement die Kirche bekämpft hatte, wurde auf die Dauer zögerlicher und verkündete: "Wenn Gott nicht existierte, müsste man ihn erfinden." Ohne Bezug auf einen himmlischen Vater zerfielen gesellschaftliche Bande, so fürchtete der alte Spötter, und die Moral verlöre ihren altgewohnten Ankerpunkt; Gott - es brauche ja nicht der christliche zu sein - bleibe "Zaum des Übeltäters und Hoffnung des Gerechten".

Wenn schon die größten Denker des Zeitalters keine einheitlichen Konzepte verfolgten, wundert es nicht, dass auch Kenner b

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen