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Ludwig XIV. von Wrede, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2015
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Ludwig XIV.

Ludwig XIV., der Sonnenkönig, prägte seine Epoche. Er ist der Inbegriff des absolutistischen, frühneuzeitlichen Königs. Unter seiner Herrschaft - zwischen 1643 und 1715 - wurde Frankreich zur kulturellen Vormacht Europas. Jeder europäische Fürst versuchte, dem Glanz und der Prachtentfaltung Ludwigs nachzueifern; der europäische Adel sprach Französisch. Die politische Vormacht aber entglitt ihm. In mehreren Kriegen dehnte er die Grenzen Frankreichs aus, schuf damit aber zugleich eine europäische Allianz, die auch ihm seine Grenzen aufzeigte. Ludwigs Größe stand für seine Zeitgenossen außer Zweifel. Doch seine eigentliche Regierungsleistung ist schwer zu bestimmen. Weder war er Feldherr noch Gesetzgeber. Doch er verkörperte die Macht und Autorität des Staates. Ohne ihn wäre die europäische Geschichte anders verlaufen. - Martin Wrede versucht eine Bilanz seiner Regierung und seines Einflusses auf die Gestalt Frankreichs. Martin Wrede, geb. 1969, ist Professor für die Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Grenoble.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.08.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806231625
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 5390 kBytes
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Ludwig XIV.

Einleitung

I n Gérard Corbiaus Film "Der König tanzt", der den jungen Ludwig XIV., sein Verhältnis zur Macht, zur Musik und zum Hofkomponisten Lully ins Bild setzt, gibt es u.a. diese phänomenale Szene: Der König, in prachtvollem schwarzem Harnisch, aber ohne Helm - stattdessen mit nicht minder prächtigen Locken - reitet einen Hügel hinauf. Ihm voran marschieren Fußsoldaten mit Musketen, es folgen eine Zahl Trommler und mehrere Reiter. Auf dem Hügel erwarten den König dann einige Leinwände, Staffeleien sowie die dazugehörigen Maler. Ross und Reiter kommen unmittelbar vor ihnen zum Stehen. Ludwigs Gesicht nimmt einen entschlossenen Ausdruck an, er hebt mit heroischer Geste den Kommandostab und richtet ihn auf einen unsichtbaren und hier tatsächlich auch gar nicht vorhandenen Gegner - also ins Leere. Die Hofmusiker, die inzwischen Trommeln gegen Violinen getauscht haben, setzen mit nicht minder heroischen Klängen ein, und die Hofmaler machen sich eifrig ans Werk. - Betrachtet mit den Augen des 21. Jahrhunderts grenzt die Szene ans Absurde: Erweckt wird der Eindruck des Theaterkönigtums bzw. der royalen Militärschauspielerei. Bruchstücke von Schlachtszenen und Schlachtenlärm machen dann allerdings deutlich, dass es hier zumindest mittelbar auch um den Auftakt zu tatsächlichem Kriegsgeschehen gehen soll: den Devolutionskrieg von 1667/68. 1

Zugrunde liegt möglicherweise in erster Linie ein kluger Einfall des Produzenten, der Kosten begrenzen wollte - Schlachtszenen sind aufwendig und teuer. Dahinter aber steht eine elementare wissenschaftliche Frage: Wie muss man die Realität von Ludwigs Herrschaft einschätzen? Ludwig war weder Feldherr noch Gesetzgeber. Inwieweit war er an den Großtaten seiner Regierungszeit tatsächlich beteiligt, was eigentlich hat er selbst an all dem getan, das von 1661 bis 1715 Frankreich und Europa bewegte? Worin bestanden "seine" kriegerischen und politischen Erfolge, sein Heldentum, sein Ruhm und seine Größe? Was machte ihn zu jenem Modellherrscher, der nicht nur dem französischen Königtum seinen Stempel aufdrückte? - Das sind die Fragen, denen dieses Buch nachgehen will.

Sie sind eingebettet in den Lebenslauf. Denn es geht darum, keinen "gewöhnlichen Sterblichen" zu verstehen, sondern einen Fürsten, dessen Entschlüsse eigenen Logiken und Notwendigkeiten gehorchten. Um die zu erkennen, ist der Blick auf Kindheit und Jugend, Dynastie und Familie unerlässlich. Und es sind natürlich die Rahmenbedingungen zu erkunden, in denen sich dieser Herrscher bewegte: von der Fronde und der Regentschaft Annas von Österreich bis zur großen Prüfung des Spanischen Erbfolgekrieges.

Vor diesem Hintergrund gilt es das Bild und das Handeln zunächst des jungen, dann des alten Königs zu entwickeln, festzustellen, inwieweit beide Ebenen zusammenfielen oder auseinandertraten. 2 Fokussiert wird dies auf die Figur des Kriegsherren, desjenigen, der die politische Autorität besaß, der den siegreichen Herrscher darstellte und in dessen Namen sich alles vollzog - der allerdings keineswegs selbst die Befehle gab oder die Schlachten lenkte. 3 Betrachtet werden allerdings auch die übrigen Felder von Ludwigs Handeln bzw. - um es präziser zu sagen - seiner Regierungstätigkeit, also die Arbeit im Rat und im Kabinett sowie deren Resultate. Denn Ludwig XIV. lässt sich eben nicht auf den "Krieger" reduzieren.

Besonders deutlich macht dies der Blick auf den Hof. Hier vollzog sich Regierungshandeln wie Bildproduktion. Hier zeigte sich Ludwig als König schlechthin: Herr über die Waffen, gewiss, aber auch über die Künste, die Wissenschaften, ja selbst die Natur, also über Geschmack und Geist seiner Epoche. Sein Hof und dessen Ausstrahlung wurden sicher sein größter Erfolg. Es ist dabei seit Langem klar, dass dieser Hof zu Versailles keineswegs jener "goldene Käfig" war, den Norbert Elias hatte sehen wollen und in dem der absolute

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