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Victoria & Abdul Die Queen und ihr treuester Diener - Eine wahre Geschichte von Basu, Shrabani (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.09.2017
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
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Victoria & Abdul

Ein Paar, das ungleicher kaum sein könnte: Judi Dench in der Rolle der Queen Victoria
Der stattliche, gut aussehende Abdul Karim war gerade vierundzwanzig Jahre alt, als er seine große Reise von Indien nach England antrat. Als Gesandter der indischen Kolonien kam er an den Königlichen Hof in London, um Ihrer Majestät Queen Victoria (Judi Dench), der Kaiserin von Indien, anlässlich ihres 50. Thronjubiläums (1887) im Haushalt zu dienen. Eine Begegnung mit dem jungen Muslim aus Agra, der Stadt des Taj Mahal, entflammte Victorias Neugier. Die auf die siebzig zugehende Monarchin erhob Abdul in den Stand des königlichen Lehrers und Sekretärs, es entwickelte sich eine intensive Freundschaft. Im Königshaus sorgte das für Spannungen, doch gegen alle Widerstände und Intrigen bestand die Queen darauf, sich auch auf Reisen stets von ihrem indischen Vertrauten begleiten zu lassen. Abdul sollte bis zu Victorias Tod nicht mehr von ihrer Seite weichen. Ein Skandal und zugleich eine zarte Liebesgeschichte.

Shrabani Basu, geboren in Kalkutta, studierte in Dehli Geschichte und arbeitete ab 1983 für The Times in Bombay. 1987 wechselte sie nach London als Auslandskorrespondentin u.a. für The Telegraph, Kalkutta. Die Journalistin und Historikerin ist Autorin mehrerer Bücher über die britisch-indische Geschichte. Shrabani Basu lebt mit ihren Töchtern in London.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 18.09.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641212360
    Verlag: Goldmann
    Originaltitel: Victoria & Abdul
    Größe: 4158kBytes
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Victoria & Abdul

EINLEITUNG

Januarnebel lag um Osborne House, als die kurze Reihe der Trauergäste schweigend durch das Anwesen zu den Privatgemächern Königin Victorias schritt. Im Gang davor stand einsam ein hochgewachsener Inder. Es war Abdul Karim, der indische Munshi (Sprachlehrer) der Königin. Er wartete dort schon seit dem Morgen; gelegentlich schaute er auf den Garten hinaus, wo er so viele Stunden gemeinsam mit der Verstorbenen verbracht hatte. In der Ferne schaukelten die Schiffe lautlos auf dem Solent, die Flaggen auf Halbmast.

Die 81-jährige Victoria war drei Tage zuvor friedlich im Schlaf im Kreis ihrer Familie verstorben. Inzwischen war sie gemäß ihrem Letzten Willen für ihre letzte Reise nach Windsor Castle eingekleidet, und Die königliche Familie war zusammengekommen, um Abschied zu nehmen. Die Königin lag im Sarg aufgebahrt, das Gesicht mit dem weißen Brautschleier verhüllt. Sie glich, wie es ein Augenzeuge beschrieb, "einer schönen Marmorstatue, ohne ein Zeichen der Krankheit oder des Alters", im Tode ebenso königlich wie im Leben. Ihre Hand hielt einen Strauß weißer Lilien. Die Prozession zog vorüber - zuerst ihr ältester Sohn und Thronerbe Edward VII . mit seiner Frau, Königin Alexandra, dann die anderen Kinder und die Enkel der Verstorbenen, schließlich eine Reihe der vertrautesten Bediensteten und Angehörigen des Hofes. Jeder hielt einige Augenblicke vor dem Sarg inne und betrachtete die Verstorbene, die mit 18 den Thron bestiegen und einem ganzen Zeitalter ihren Namen gegeben hatte. Zum Schluss durfte mit Erlaubnis des Königs auch Abdul Karim an den Sarg treten. Er war damit der Letzte, der mit der Königin allein war.

Der Munshi trat gesenkten Kopfes ein, gekleidet in eine dunkle indische Jacke und einen Turban. Seine Präsenz füllte die Totenkammer. Der König respektierte den Wunsch seiner Mutter und gestattete Abdul Karim einige Augenblicke allein mit der Verstorbenen. Tiefe Bewegtheit prägte das Gesicht des Inders, als er das im Kerzenlicht weich schimmernde Antlitz betrachtete. Sie hatte ihm - einem einfachen Diener - über zehn Jahre lang selbstverständliche Liebe und Respekt entgegengebracht. Die Jahre in ihrer Gesellschaft zogen blitzartig vor seinem inneren Auge vorbei: die erste Begegnung im Sommer 1887, als er sich niedergebeugt und ihre Füße geküsst hatte; die müßigen Tage, in denen er sie seine Muttersprache gelehrt und ihr von seinem Land erzählt hatte; Klatsch und Vertraulichkeiten, die sie miteinander geteilt hatten; die Großzügigkeit, die sie ihm erwiesen hatte; ihre Einsamkeit, die er verstanden hatte. Und schließlich und vor allem ihr stures und unverwandtes Eintreten für ihn gegen alle Anfeindungen. Er legte die Hand auf sein Herz und stand schweigend da, während er mit den Tränen kämpfte. Lautlos murmelte er ein Gebet an Allah, ihrer Seele Frieden zu schenken. Nach einem letzten Blick und einer letzten Verbeugung schritt er langsam aus dem Raum. Zwei Arbeiter verschraubten und versiegelten hinter ihm den Sarg.

Bei der Begräbnisprozession in Windsor durfte Abdul Karim in der Gruppe der Hauptleidtragenden gehen. Die alte Königin hatte es ausdrücklich so verfügt, gegen - wie sie wusste - den Widerstand der Familie und des Hofes. Sie hatte ihrem geliebten Munshi einen Platz in den Geschichtsbüchern sichern wollen.

Aber nur wenige Tage nach ihrem Tod wurde der Munshi durch lautes Hämmern an seine Haustür aus dem Schlaf gerissen. Draußen standen Prinzessin Beatrice und Königin Alexandra mit mehreren Wachleuten. Der König hatte diese Razzia in Frogmore Cottage angeordnet und forderte die Herausgabe aller Briefe, die Victoria jemals an ihn geschrieben hatte. Der Munshi musste mit seiner Frau und seinem Neffen entsetzt mit ansehen, wie die Briefe in der unverwechselbaren Handschrift der verstorbenen Königin aus seinem Schreibtisch gezerrt und draußen im Garten auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurden.

Schweigend stand der Munsh

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