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'Kolonialheld' oder 'Lügenbaron'? Die Geschichte des bayerischen Kolonialoffiziers Hermann Detzner von Schulte-Varendorff, Uwe (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2014
  • Verlag: Diplomica Verlag GmbH
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'Kolonialheld' oder 'Lügenbaron'? Die Geschichte des bayerischen Kolonialoffiziers Hermann Detzner

Hermann Detzner ist heute nur noch eine Randfigur der deutschen Kolonialgeschichte. Dabei handelt es sich um eine Persönlichkeit, die es in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts für einen kurzen Zeitraum zu weltweiter Bekanntheit brachte. Dieser Ruhm gründete sich auf seine angeblichen Heldentaten und Forschungen während des Ersten Weltkrieges in der damaligen Kolonie Deutsch-Neuguinea. Detzners soldatische Leistungen sowie seine Forschungsergebnisse wurden jedoch angezweifelt. Schließlich musste er öffentlich einräumen, dass es sich bei seinen Berichten überwiegend um Produkte seiner Phantasie, Hörensagen, Annahmen und Vermutungen handelte. Dementsprechend war sein Fall vom 'Kolonialhelden' zum 'Lügenbaron' tief und er avancierte zu einer zwielichtigen und umstrittenen Person der deutschen Kolonialgeschichte. Die vorliegende Untersuchung geht der Frage nach, was an Detzners Berichten wirklich Fiktion und Realität war und ob es nicht doch Erkenntnisse gab, die für die weitere Forschung von Nutzen waren. Es entsteht das Bild eines Offiziers, das typisch für die damalige Zeit ist, aber auch einige Besonderheiten und skurrile Züge aufweist. Uwe Schulte-Varendorff, M. A., geboren 1966 in Osnabrück, studierte Geschichts- und Literaturwissenschaften an der Universität seiner Heimatstadt. Seit 1994 ist er als freiberuflicher Geschichtswissenschaftler tätig. 1999 arbeitete der Autor an der Ausstellung 'Vernichtungskrieg - Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944' in Osnabrück mit. 2004/2005 organisierte er eine Vortragsreihe über die Geschichte der deutschen Psychiatrie. Sein Forschungsinteresse gilt der deutschen Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts, zu der er unter anderem eine wissenschaftliche Arbeit über die Hungerunruhen in Hamburg im Juni 1919 vorgelegt hat. Der Schwerpunkt seiner Forschungen liegt auf der deutschen Kolonialgeschichte, zu der er bereits zahlreiche Aufsätze, Artikel und Bücher publiziert hat. So hat sich der Autor intensiv mit der Legendenbildung um den ehemaligen Kommandeur der 'Schutztruppe' in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika, Paul von Lettow-Vorbeck, sowie mit dem Ersten Weltkrieg in der damaligen deutschen Kolonie Kamerun auseinandergesetzt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 178
    Erscheinungsdatum: 01.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783842839823
    Verlag: Diplomica Verlag GmbH
    Größe: 16558 kBytes
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'Kolonialheld' oder 'Lügenbaron'? Die Geschichte des bayerischen Kolonialoffiziers Hermann Detzner

Textprobe: Kapitel, Detzners Krieg - 'Vier Jahre unter Kannibalen': Die bestehende Grenze zwischen Deutsch- und Britisch-Neuguinea (heute ein Teil Papua-Neuguineas) war 1908/1909 durch eine deutsch-britische Grenzexpedition bestimmt worden. Britisch-Neuguinea war zwar am 1. September 1906 formell von Großbritannien zur Verwaltung an Australien unter der Bezeichnung 'The Territory of Papua' übergeben worden, blieb aber de jure eine britische Kolonie. Der besseren Verständlichkeit halber wird hier der geläufigere Begriff verwendet. Die besagte Grenzexpedition stand zu Beginn unter der Leitung des deutschen Grenzkommissars Hauptmann Oskar Förster. Nach dessen krankheitsbedingtem Ausfall wurde die sie von den britischen Grenzkommissaren fortgesetzt und zum Abschluss gebracht. Im Mai 1911 erfolgte zunächst eine provisorische Anerkennung sowohl durch die deutsche als auch durch die britische Regierung. Um die Interessensgebiete der beiden Kolonialmächte deutlich voneinander abzugrenzen, waren von den jeweiligen Verwaltungsbehörden bestimmte Dorfälteste in den Grenzdörfern eingesetzt worden, von denen man annehmen konnte, dass sie sich den Anordnungen ihrer Kolonialherren widerstandslos fügen und damit zur Sicherung der Herrschaft beitragen würden. Nun aber sollte die streckenweise Unübersichtlichkeit und der exakte Verlauf der Grenze durch eine Regulierung unter der Berücksichtigung der natürlichen Grenzen behoben und eine eindeutig definierte Grenzlinie geschaffen werden. Dazu war, in Absprache mit den britischen Behörden, auch der Austausch von kleineren Gebietsteilen vorgesehen, ähnlich der Vorgehensweise in Kamerun. Dabei sollte auf Anweisung des Reichskolonialamtes darauf geachtet werden, dass von deutscher Seite nur Landstriche abgegeben werden, die für die Kolonie von keinem Wert waren, da es sich nur um undurchdringliche Sümpfe handelte, die völlig unbewohnt waren. Ausgeschlossen waren Gebiete, in denen Bodenschätze vermutet wurden beziehungsweise die durch ihre Bewohner ein Arbeitskräftereservoir darstellten. Die Aufgaben der Expedition lagen in einem ersten Abschnitt in der Überprüfung und gegebenenfalls Korrektur sowie der Vermarkung der Grenze. In einem zweiten Teil sollte das bisher nahezu unerschlossene Hinterland des Grenzraumes durch Erkundungsvorstöße erforscht werden. Für die Gesamtaufgabe hatte das Reichskolonialamt einen Zeitraum von sechs Monaten vorgesehen und dafür 20.000 Mark als Etat bewilligt. Oberleutnant Hermann Detzner, vom Reichskolonialamt zum Führer der Grenzexpedition ernannt, war, wie bereits erwähnt, am 18. Januar 1914 in Rabaul angekommen. Unverzüglich meldete er sich beim Gouverneur Albert Hahl und machte sich dann daran, die letzten Vorbereitungen zu treffen, um einen zügigen Beginn der anstehenden Expedition zu gewährleisten. Da Morobe als Ausgangspunkt festgelegt worden war, reiste Detzner umgehend mit dem Schiff weiter. Die endgültige Zusammenstellung der Grenzexpedition erfolgte auf dieser Station in der Zeit vom 28. Januar bis zum 8. Februar 1914. Dazu gehörten unter anderem die Übernahme der Polizeieskorte und der Träger, der Ankauf und die Bereitstellung von Nahrungsmitteln sowie das Verpacken des Expeditionsgepäcks in Trägerlasten. Am Abmarschtag, dem 9. Februar, setzte sich das Kommando aus seinem Führer, Oberleutnant Hermann Detzner, dem Heilgehilfen (Sanitäter) Konrad Wolfrum als Expeditionsmeister, 16 Polizeisoldaten, von Detzner als 'Polizeijungen' bezeichnet, darunter ein 'farbiger' Unteroffizier sowie 32 Träger, zu denen zwei 'Vorleute' gehörten, zusammen. Detzner hatte sich auf das Ersuchen des Kaiserlichen Stationsleiters von Morobe, Hans Klink, mit einer geringeren Trägerzahl begnügt, obwohl dies zu seinem Leidwesen die Bewegungsfähigkeit der Expedition stark beeinträchtigte. Mehr Träger konnte Klink aber offensichtlich nicht abstellen, da sich nicht genügend von ihnen rekrutieren ließen. Diese waren nicht nur für den Transport

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