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Bier für Rostock Die Geschichte der Hanseatischen Brauerei von Sens, Ingo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.04.2016
  • Verlag: Hinstorff Verlag
eBook (ePUB)
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Bier für Rostock

Die Quelle guten Geschmacks sprudelt in Rostock Schon 1878, als zwei Unternehmer die "Mahn & Ohlerich Bierbrauerei oHG" in Rostock gründeten, wurde nach dem Reinheitsgebot gebraut. Die norddeutsche Hansestadt konnte damals bereits auf eine Brautradition blicken, die bis ins 13. Jahrhundert zurückreichte. Die Geschichte der Hanseatischen Brauerei Rostock vom renommierten Historiker Ingo Sens widmet sich den Anfängen des Unternehmens, die eng mit der Stadt- und Landesgeschichte verknüpft sind. Der Aufstieg zur wichtigsten Brauerei Mecklenburgs wird dargestellt, die Probleme zu Kriegszeiten sind Thema, Besatzung, Enteignung durch die Sowjets, die Mangelwirtschaft in der DDR, ein Großbrand und die 25 Jahre nach dem Mauerfall all dies wird mit teils unveröffentlichtem Material gezeigt. Und schließlich kehrten sogar Mahn & Ohlerich wieder: auf dem Etikett der Flaschen M&O aus der Rostocker Brauerei. Ingo Sens, geboren 1959 in Güstrow, studierte Philosophie und Geschichtswissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er arbeitet als Autor, Publizist und Herausgeber sowie als Lehrbeauftragter der Universität Rostock und veröffentlichte bereits zahlreiche Werke zu Industrie- und Technikgeschichte, Stalinismus und deutscher Geistesgeschichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 22.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783356020694
    Verlag: Hinstorff Verlag
    Größe: 16117 kBytes
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Bier für Rostock

Maischmaschine von Schwalbe & Sohn, um 1870
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Julius Meyer oder "Mahn & Ohlerich"?
Die Gründung der Rostocker Brauerei (1850/1869-1878)

Bier

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts erreichte die "Industrielle Revolution" Deutschland. Ihre Zentren lagen vor allem in Sachsen und in verschiedenen Provinzen oder Landstrichen des preußischen Staates (Berlin, Schlesien, Ruhrgebiet etc.). Die "Fabrique" mit ihren qualmenden Schloten prägte immer mehr Städte und Gemeinden. Industriestädte und -dörfer sowie eine moderne Infrastruktur entstanden: Begradigte - "regulierte" - Flüsse wie der Rhein (ab 1817) oder die Elbe (ab 1821), Chausseen (ab ca. 1805) - Fernstraßen - und die ersten Eisenbahnlinien (ab 1835) verbanden die einzelnen Regionen Deutschlands.

Vormaischapparat von Harris

Die Politik begleitete dies mit der Gründung des "Deutschen Zollvereins" (1833/34), ohne dass die staatliche Zersplitterung überwunden wurde. Aber Zollschranken fielen. Der Handel wurde leichter und schneller, nahm einen ungeahnten Aufschwung. Die ersten Schritte zur deutschen Einheit, wie auf dem Wartburgfest (1817) oder dem Hambacher Fest (1832) gefordert, waren getan.

Mit der Industrialisierung ging auch die Urbanisierung unaufhaltsam voran. Die Bevölkerung wuchs und mit ihr die meisten Städte. Aus einem Agrar- wurde mit den Jahren ein Industrieland. Mit dem Wandel der Produktion von Handwerk und Manufaktur zum Fabriksystem entstand die moderne Industriearbeiterschaft, die im Laufe der Jahre zur zahlenmäßig stärksten Bevölkerungsgruppe in Deutschland werden sollte.

Nach einem überlangen, kräftezehrenden Arbeitstag versuchte der Lohn-Arbeiter bei Bier und Schnaps von seinem harten Leben, zu dem beengte Wohnverhältnisse zählten, abzuschalten. Der Ort des Trinkens war unter diesen Umständen nicht mehr das "eigene Heim", sondern die aus der traditionellen Schenke oder dem Wirtshaus entstandene Kneipe an der Ecke. Sie wurde zum "Wohnzimmer" des Arbeiters. Typisch für die unzähligen Eckkneipen war der hauptsächliche Konsum von Bier, das als Fassbier an einem Tresen ausgeschenkt wurde. Der Wirt (oder die Wirtin) unterschied sich von seinen "Gästen" eigentlich nur dadurch, dass er auf "eigene Rechnung" arbeitete. In der Regel war er in (fast) jeder Hinsicht einer von ihnen.

Doch nicht nur in der "Freizeit" wurde der Gerstensaft getrunken. Auch am Arbeitsplatz konsumierte der Arbeiter vor allem Bier. Andere Getränke, wie beispielsweise Fruchtsäfte oder Mineralwasser, waren nicht verfügbar. Brunnenoder in den Anfangsjahren auch das Leitungswasser stellten nicht abgekocht ein Gesundheitsrisiko dar. Das Raumklima in den meisten Fabrikhallen war ungesund und extrem stickig. Dampfmaschinen, Gaslaternen und andere Wärmequellen erhitzten die Atemluft übermäßig. Sie war staubig und trocken. Durst war für den Fabrikarbeiter ein dauerhafter Zustand. Langsam trat allerdings eine Veränderung der Trinkgewohnheiten ein. Trunkenheit am Arbeitsplatz wurde zur realen Gefahr für Leib und Leben. "Alkoholische Getränke hören auf, Nahrungsmittel zu sein oder Mittel, den Durst zu löschen. In der Fabrik geht das Trinken wesentlich zurück, alkoholfreie Getränke werden verfügbar. Die 'Wirtschaft' freilich, die Kneipe, bleibt gänzlich von alkoholischen Getränken geprägt. [...] Alkohol wird zum Genußmittel. [...] Wirtschaft und Kneipe bleiben für Landvolk und Arbeiter und viele kleine Leute ein Lebensmittelpunkt, ein Ort der 'freien Zeit', dazu gehört das Trinken - die Zahl der 'Kneipen' steigt noch überproportional." 1

Der "Vierte Stand" wurde innerhalb weniger Jahre zur wichtigsten Konsumentengruppe der Brauereien. Nach fast 200 Jahren Stagnation stieg der Bierkonsum erneut sprunghaft an. Darauf mussten die Brauereien reagieren. So fällt in diese Zeit der Übergang vom handwerklichen zum industriellen (fabrikmäßigen) Brauen, der selbst Teil der

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