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Burgund Geschichte und Kultur von Kamp, Hermann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 25.02.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Burgund

Die heutige Region Burgund (frz. Bourgogne) im mittleren Osten Frankreichs ist vor allem für ihren guten Wein und ihre mittelalterlichen Kirchen und Klöster bekannt. Ihr Name leitet sich von jenen im Nibelungenlied besungenen, sagenumwobenen Burgundern her, die seit dem 5. Jahrhundert auch in dieser Gegend siedelten. Die Blütezeit des historischen Burgund hielten Jan van Eyck und Rogier van der Weyden in ihren Gemälden fest. Die Entwicklung des mittelalterlichen Burgunds zu einem Nationalstaat blieb aus. Diesem Umstand mag es geschuldet sein, daß es bis heute kaum vollständige Darstellungen der Geschichte Burgunds gibt. Hermann Kamp liefert in seinem anregenden und gut geschriebenen Band einen umfassenden Überblick, von den ersten Spuren der Burgunder in der Spätantike über den Aufstieg Clunys und die glanzvolle Zeit der ?großen? Herzöge bis zur Auflösung der gleichnamigen Provinz im Zuge der Französischen Revolution. Hermann Kamp lehrt als Professor Mittelalterliche Geschichte an der Universität Paderborn. Er hat sich durch einschlägige Publikationen zur Geschichte Burgunds ausgewiesen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 130
    Erscheinungsdatum: 25.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406693304
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 3484 kBytes
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Burgund

I. Das Reich der Burgunder an der Rhône

Erst nach der fränkischen Eroberung des Burgunderreiches 534 beginnt die eigentliche Geschichte Burgunds. Bis dahin sprach man allein von den Burgundern, einem Volk, das seit der Mitte des 5. Jahrhunderts im römischen Gallien siedelte. Nun ging man dazu über, das Gebiet, das die Burgunder zuletzt beherrscht hatten, nach ihnen zu benennen. Die Könige der Burgunder hatten dem Land ihren Stempel aufgeprägt und zumindest bei den Eliten ein Gefühl der Zusammengehörigkeit geschaffen, das die Unterwerfung durch die Franken überlebte. Und so fängt die Geschichte Burgunds zwangsläufig mit der Geschichte des Burgunderreichs an der Rhône an.

Aber auch diese Geschichte hat noch ihre Vorgeschichte. Denn die Burgunder brachten bestimmte Gewohnheiten, eine bestimmte Gesellschaftsordnung und ihre eigene germanische Sprache mit nach Gallien. Sie waren indes keine urwüchsigen Germanen, die ihre jahrhundertealten Sitten nun auf römischen Boden verpflanzten. Wie viele andere Völker oder Großgruppen, die im 3. und 4. Jahrhundert nach Christus mit den Römern in Berührung kamen, hatten auch die Burgunder unter diesem Einfluß ihre Lebensformen, ihre Gesellschaft, ja ihre ethnische Identität verändert, was schon ein kurzer Blick auf ihre Frühgeschichte offenbart.
1. Der lange Marsch an die Rhône

Im Unterschied zu den Goten hat sich bei den Burgundern niemand gefunden, der deren frühe Geschichte aufgeschrieben hat. Dementsprechend weiß man über ihren Werdegang nur wenig. Ob sie einst aus Skandinavien, namentlich aus Bornholm kamen, ist mehr als fraglich. Derartige Hinweise tauchen erst seit dem 8. Jahrhundert auf, als die skandinavische Heimat bereits zum festen Inventar der Herkunftssagen anderer germanischer Völker gehörte. Der früheste schriftliche Beleg verortet die Burgunder jedenfalls in das nördliche Germanien. Er stammt von Plinius dem Älteren, der im 1. Jahrhundert nach Christus schrieb. Präziser äußert sich dann rund 80 Jahre später der Geograph Ptolemaios, nach dessen Worten sie zwischen mittlerer Oder und Weichsel ansässig waren. Kombiniert man diese Hinweise mit archäologischen Funden, so dürften die Burgunder um 200 nach Christus auch westlich der Oder in der Lausitz und im nördlichen Brandenburg gesiedelt haben. Über ihre Lebensweise weiß man so gut wie nichts. Wie die anderen Völker in jenen Regionen werden sie Ackerbau und Viehzucht betrieben, nicht selten aber auch Beutekriege geführt haben.

Seit dem 3. Jahrhundert kam es dann zu signifikanten Abwanderungen, auch wenn die Mehrheit der Burgunder noch bis weit ins 4. Jahrhundert zurückblieb. Einige von ihnen scheinen den Goten in Richtung Schwarzes Meer gefolgt zu sein. Eine größere Zahl wanderte indes in enger Verbindung mit vandalischen Gruppen nach Westen ab und ließ sich im Maingebiet in der Nähe des Limes nieder. Die römische Grenzbefestigung, die von Aalen nach Norden bis in die Wetterau und dann in Richtung Rhein verlief, war um 260 nach Christus von den Römern aufgegeben worden. Das gesamte Land zwischen Rhein und Donau hatten daraufhin die Alemannen in Besitz genommen. In deren einstigen Siedelgebieten entlang des Mains, namentlich bei Aschaffenburg und Wertheim, findet man nun die Spuren der Burgunder. Das Verhältnis zu den benachbarten Alemannen war und blieb äußerst gespannt, weshalb die Burgunder seit der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts von den Römern als möglicher Bündnispartner gegen die Alemannen aufgebaut wurden.

Während die Burgunder, die im 3. Jahrhundert nach Osten abwanderten, relativ schnell ihre Identität aufgegeben haben, scheinen jene, die in Richtung Limes gezogen sind, stärker ihre burgundische Herkunft betont zu haben. Sie behielten jedenfalls ihren Namen und wurden bald allein mit ihm identifiziert. Offenkundig hatten die gespannten Beziehungen zu den Alemannen das Bedürfnis, sich zu behaupten und abzugrenzen,

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