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Die Pest in Wien von Schmölzer, Hilde (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.07.2015
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
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Die Pest in Wien

DIE PEST: EINE SPANNENDE KULTURGESCHICHTE Mit 'Die Pest in Wien' liefert Hilde Schmölzer eine spannende Kulturgeschichte zum Staunen und Kopfschütteln: Fundiert und fesselnd erzählt sie von den großen Pestzeiten in Wien vom Mittelalter bis zur Neuzeit und erinnert an die katastrophalen Auswirkungen, die die Seuche auf Österreich und ganz Europa hatte. Zeugnis bieten die schriftlichen Aufzeichnungen von Mönchen, Schriftstellern und Gelehrten, die eindrucksvoll den Schrecken und die Angst der Menschen vor der unheilbringenden Krankheit dokumentieren: Der 'Schwarze Tod' war in ihrer Vorstellung ein böser Mann auf wildem Pferd, auf schauerlichem Schiff oder auf gespenstischer Barke. ABERGLAUBE UND RELIGIÖSER FANATISMUS HATTEN HOCHKONJUNKTUR Dieser Aberglaube kam nicht von ungefähr, standen doch auch die Ärzte der Seuche mehr oder weniger hilflos gegenüber und konnten der Pest keinen Einhalt gebieten. So wurden der Zorn Gottes und die Konstellation der Gestirne für die Pest verantwortlich gemacht und als sicherstes Gegenmittel die Flucht empfohlen. Den einzigen Trost bot lediglich der Glaube, und ein religiöser Fanatismus führte zu Geißlerzügen. Die Judenverfolgungen, die im Gefolge der Pest, aber auch unabhängig davon auftraten, gehören zu den düstersten Kapiteln nicht nur des Mittelalters. FATALISMUS UND LEICHTSINN ALS TÖDLICHE LEBENSEINSTELLUNG Die Zustände blieben bis ins neuzeitliche Wien mittelalterlich: Unter Leopold I. wurden zwar rauschende Feste gefeiert, aber unter Seide und Taft nisteten die für die Übertragung der Krankheit hauptsächlich verantwortlichen Flöhe. Und während Hofprediger Abraham a Sancta Clara noch immer frommen Lebenswandel als beste Vorbeugung empfahl, war ausreichende Hygiene selbst bei den Reichen und erst recht bei den Armen unbekannt. Auch Fatalismus und Leichtsinn, wie sie dem Wiener seit den Tagen des lieben Augustin zugeschrieben werden, haben wenig zur Entschärfung der Zustände beigetragen. Hilde Schmölzer, geboren 1937 in Linz, lebt als freie Autorin in Wien. Studium der Publizistik und Kunstgeschichte. 25 Jahre freiberufliche Journalistin und Fotografin in Wien und München. Arbeit für den ORF. Zahlreiche Veröffentlichungen als Sachbuchautorin, u.a. 'Die verlorene Geschichte der Frau', 'Phänomen Hexe' und zuletzt 'A schöne Leich. Der Wiener und sein Tod' (HAYMONtb 2015).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 232
    Erscheinungsdatum: 03.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709936511
    Verlag: Haymon Verlag
    Größe: 9382 kBytes
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Die Pest in Wien

Die "stat ze Wienne"

Schmal war das Gassengewirr vor über 600 Jahren, eng und dunkel war die Stadt. Nichts von den prächtigen Palästen der Barockzeit, nicht einmal jene stattlichen Häuser aus Stein mit Glasfenstern, Malereien und eisernen Türen, die Aeneas Silvius de Piccolomini, Kanzleisekretär Kaiser Friedrichs III. und späterer Papst Pius II., rund ein Jahrhundert danach so lobend erwähnt, werden damals allzu häufig gewesen sein. Die Häuser waren vielfach noch ebenerdig, klein, zumeist aus Holz, mit Stroh oder Schindeln gedeckt. Bei einstöckigen Häusern sprang das obere Stockwerk oft vor, um die Wohnfläche zu vergrößern, was dazu beitrug, die dumpfen, lichtlosen Gassen noch mehr zu verengen. Die Einrichtung war selbst bei Wohlhabenden gegen Mitte des 14. Jahrhunderts eher spärlich, Gerät und Ausstattung dürftig, die Räume schmucklos - erst etliche Jahrzehnte später wurden sie mit Kalkfarben ausgemalt. Der Kamin begann erst gegen Ende des Jahrhunderts eine Attraktion zu werden, die Einraumhäuser wurden meist immer noch mittels offener Feuerstelle in der "Stube" beheizt, wobei der Rauch nicht nur durch Dach- und Fensterluken, sondern auch durch die Ritzen in den Wänden entweichen musste, was insofern gut möglich war, als die Bauweise genügend Gelegenheit dazu bot. Glasfenster hat es höchstens in den Kirchen gegeben, Bürger und auch Adelige halfen sich mit Leinen und Papier zur Bespannung, die man in einem umständlichen Verfahren zu präparieren wusste. Eine weitere Möglichkeit bestand darin, die Fensteröffnungen mit einer dünn gegerbten Haut, dem "sliem", zu verschließen.

Auch von einer Straßenpflasterung war damals noch nicht viel zu bemerken. Die Wagen fuhren in so tiefen Gleisen, dass kaum einer dem anderen ausweichen konnte. Der Spaziergänger jedoch, sofern er das abenteuerliche Erlebnis eines Stadtbummels auf sich nehmen wollte, versank knöcheltief in Schlamm und Kot - die erste Pflasterrechnung geht auf das Jahr 1368 zurück. Um seine modischen Schnabelschuhe zu schützen, zog er daher zum Einkaufen auf dem Markt hölzerne Überschuhe, sogenannte "Trippen", an. Viel lieber allerdings blieb er in seinem Haus, das vor allem in frühen Zeiten die Funktion einer Festung zu erfüllen hatte und mitsamt den Schuppen der Arbeitsleute, Stallungen und Scheunen mit einer Mauer oder Umplankung versehen war - wobei jeder Hausfriedensbruch streng geahndet wurde. Ausflüge im Stadtbereich waren jedoch nicht nur unbequem, sie waren häufig auch mit allerhand Gefahren verbunden. Raufhändel waren an der Tagesordnung, festliche Zusammenkünfte von Totschlag und Mord begleitet. Über die Gefährdungen im Mittelalter geben die Testamentbücher Auskunft, in denen die Rüstungen verzeichnet sind, die zum Inventar eines jeden ordentlichen Wiener Bürgers gehörten. Es war ein wildes Leben in jener Zeit, das ständige Tragen von Waffen nicht nur erlaubt, sondern sogar notwendig. Grausam waren auch die Gerichtsverfahren, geradezu bestialisch die Foltermethoden.

Und zu diesen tatsächlichen Gefahren kamen noch die irrealen. Zahlreiche Hexen und Zauberer trieben ein gefürchtetes Unwesen, vor dem man sich nur mittels genau einzuhaltender magischer Beschwörungsformeln schützen konnte. Teufel und Tod waren allgegenwärtig, Beelzebub nirgends auszutreiben - auch nicht durch fleischabtötende Askese, die nur wieder dazu angetan war, umso heftigere Sinnenlust hervorzurufen. Es ist jene eigentümliche Gegensätzlichkeit, die den mittelalterlichen Menschen prägt: die Allgegenwart des Bösen, die Teufelsfratze auch im sakralen, im kirchlichen Bereich und gleichzeitig jene tiefe Sehnsucht nach Reinheit und verinnerlichter Mystik, wie sie aus den süßen Gesichtern der Madonnen spricht, die auf zierlichen Konsolen die Kirchen bevölkern. Diese Sehnsucht nach göttlicher Transzendenz, nach emporstrebender Vereinigung mit dem Himmlischen, erfüllt die hoch gewölbten Kirchen der Gotik, die zierlichen Bögen und S

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