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Helgoland Deutschland, England und ein Felsen in der Nordsee von Rüger, Jan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.10.2017
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Helgoland

Die große Geschichte einer kleinen Insel Helgoland, ein rauer Felsen in der Nordseebrandung und zugleich seit knapp 200 Jahren Symbol und Kampfplatz deutscher wie englischer Historie. Hierhin zog sich Heinrich Heine zurück und hier schrieb Hoffmann von Fallersleben die deutsche Nationalhymne. In seinem Buch zeigt der Historiker Jan Rüger Helgoland als Spiegelbild und Mikrokosmos einer großen europäischen Geschichte. Rüger erzählt das Große im Kleinen: Deutschland und Großbritannien, zwei Großmächte im Gerangel um die Vorherrschaft, im Taumel des Nationalismus und zugleich im fruchtbaren geistigen Austausch. Schon 1807 hatten die Briten Helgoland eingenommen, um von hier den Kampf gegen Napoleon zu organisieren. Durch den sogenannten Helgoland-Sansibar-Vertrag ging die Insel an Preußen und verwandelte sich zur Seefestung. Im 20. Jahrhundert wurde Helgoland umkämpfter Schauplatz in beiden Weltkriegen und erlebte 1947 durch die Briten die größte nicht atomare Sprengung der Geschichte. Das Buch zeigt Helgoland jenseits der Nationen, jenseits der Völker als einen Ort der historischen Vielfalt und als Mahnmal für einen dauerhaften europäischen Frieden. Jan Rüger, Jahrgang 1972, ist Professor für Geschichte am Birkbeck College der University of London. Er studierte in München und London und promovierte in Cambridge. Sein Arbeitsschwerpunkt liegt auf den deutsch-englischen Beziehungen des 19. und 20. Jahrhunderts. Rüger veröffentlichte im Englischen neben zahlreichen Aufsätzen bereits das Buch "The Great Naval Game. Britain and Germany in the Age of Empire" (2007).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 372
    Erscheinungsdatum: 13.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843716697
    Verlag: Ullstein
    Größe: 10777kBytes
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Helgoland

PROLOG

Zwischen den Welten

DRAUSSEN IN DER NORDSEE , fünf Stunden nordwestlich von Hamburg und 300 Meilen vor der Küste Englands, liegt Helgoland. Bei gutem Wetter sieht man aus mehr als zwölf Meilen Entfernung seine imposanten Klippen, die als steile Wand 25 Meter aus der Brandung aufragen: Helgoland ist eine sich aus dem Meer erhebende Felsenfestung. Einen knappen Kilometer östlich liegt eine flache Sandinsel, die "Düne". Sie wirkt an dieser Stelle wie ein geologischer Zufall, der von der Nordsee jeden Moment weggeschwemmt werden könnte. Zwischen diesen Zwillingsinseln erstreckt sich ein bei Ebbe und Flut relativ ruhiger Streifen Wasser, eine Reede, durch die Klippen Helgolands von den nordwestlichen Winden abgeschirmt. Seeleute haben sich diesem Naturhafen anvertraut, seit Menschen begonnen haben, das Meer zwischen Kontinentaleuropa und den britischen Inseln zu befahren.

Über Generationen hinweg sind sich Großbritannien und Deutschland in diesem Archipel von der halben Größe Gibraltars begegnet, oft gewaltsam. Die Geschichte der beiden Länder hat die rostfarbenen, zerfurchten Sandsteinklippen Helgolands geprägt. Auf Schritt und Tritt offenbart die vernarbte Landschaft der Insel Spuren des Krieges: Krater und versprengte Felsformationen, Bruchstücke aus Eisen und Beton, Überreste des stark befestigten Flottenstützpunkts, mit derselben Entschlossenheit erbaut wie zerstört, die überwucherten Ruinen deutscher Seemachtträume, Hinterlassenschaft wiederholter Bombardierungen. Britische Truppen zündeten hier 1947 die größte nicht-atomare Explosion aller Zeiten und sprengten, was von Hitlers Inselfestung noch übrig war. In ihrem Trümmerschutt sollte die Geschichte des gewaltsamen Konflikts zwischen England und Deutschland ihren endgültigen Abschluss finden. Als die Regierung Attlee im Parlament hartnäckig gefragt wurde, weshalb sie nicht bereit sei, Helgoland "zurückzugeben", erklärte sie, die Insel stehe für alles, was mit den Deutschen falsch gelaufen sei in der jüngsten Geschichte: "Wenn es eine Tradition gibt, die es verdient hätte, abgeschnitten, und eine Einstellung, die es verdient hätte, ins Gegenteil verkehrt zu werden, dann wäre das die deutsche Helgolandschwärmerei." 1 Vor allem stand der Inselvorposten für eine lange Tradition des Militarismus, die London für immer begraben sehen wollte.

Lange bevor Helgoland ein deutsches Bollwerk in der Nordsee und ein Streitobjekt in zwei Weltkriegen wurde, war es Großbritanniens kleinste Kolonie gewesen, bewohnt von notorisch unzufriedenen Grenzgängern. Ihre Lage an den Rändern Europas, wo das britische Empire endete und die deutschsprachige Welt begann, faszinierte Geographen und Kolonialbeamte. Sir Charles Prestwood Lucas, Leiter des Referats für die Dominions im britischen Kolonialministerium, beschrieb Helgoland 1888 als

den Punkt, an dem Großbritannien und Deutschland am engsten miteinander in Kontakt kommen, und [...] den einzigen Ort auf der Welt, wo die britische Regierung eine voll und ganz teutonische, nicht Englisch sprechende Bevölkerung regiert. 2

"Kontakt" war dabei eine Untertreibung. Ein Dickicht aus Gesetzen und Gewohnheitsrechten machte es unmöglich, auf der Insel eine klare Grenze zu ziehen zwischen dem britischen Empire und den verschiedenen Inkarnationen Deutschlands, die das lange 19. Jahrhundert hervorbrachte. Für die Deutschen, die die Kolonie zunehmend besuchten, seit dort 1826 der Kurbetrieb eröffnet worden war, lag Helgoland ein kleines Stück jenseits des "Vaterlands", war und blieb aber stets ein Teil davon.

Von früh an war Helgoland nicht nur ein tatsächlicher Ort, sondern auch eine Insel der Vorstellung. 3 Dichter und Maler, von Heinrich Heine in den 1830er bis zu Anselm Kiefer in den 1980er Jahren, porträtierten den Außenposten als ein Wahrzeichen deutscher Identität. So unterschiedliche Gestalt diese Symbolisier

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