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Helmut Palmer Der Remstal-Rebell von Knauer, Jan (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.04.2014
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Helmut Palmer

Kaum jemand hat das politische Leben in Baden-Württemberg in den 70er und 80er Jahren so geprägt wie Helmut Palmer (1930-2004). Der Remstal-Rebell polarisierte wie kein Zweiter. Die Herrschenden haben ihn als verrückt verspottet, die kritischen Geister schlossen sich ihm an, auch wenn er sie immer wieder vor den Kopf stieß. Spektakuläre Aktionen prägten seine über 300 Bewerbungen für öffentliche Ämter. Prozesse, Gefängnisaufenthalte und Polizeieinsätze waren Teil seines Lebens. Geboren als unehelicher Sohn eines jüdischen Metzgermeisters konnte seine Heimat für ihn nicht nur sehr abweisend, sondern unter der aufkommenden nationalsozialistischen Herrschaft, auch lebensgefährlich sein. Dies sollte ihn für sein weiteres Leben prägen. Jan Knauer erzählt nun das spannende und facettenreiche Leben des Helmut Palmer.Der Band wendet sich besonders an all die politischen, aktiven Bürger, die Helmut Palmer noch live erlebt haben. Die ihn gehasst haben oder auch bewundert. Und die Zahl beider ist noch immer sehr hoch. Dr. Jan Knauer hat 2011 seine Dissertation über Palmer an der Uni Tübingen beendet. Er arbeitet an der Uni Münster und ist Mitautor des Buches "Aufbruch, Protest und Provokation - Die bewegten 70er und 80er-Jahre in Baden-Württemberg".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806229301
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 6345 kBytes
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Helmut Palmer

"Die Protestfähigkeit ist dem deutschen Volk
seit 1968 abhanden gekommen."

Palmer in einem Vortrag an der Universität Tübingen 2004
1. Einleitung

Obstbauexperte, Kaufmann und Politiker; Mahner, Aktionist und Bürgerrechtler; von der Presse mal als Volkstribun hochgejubelt, mal als Demagoge niedergeschrieben; von den politischen Eliten selten als wichtiger Teil der Demokratie im Land gelobt, häufiger aber als Psychopath gebrandmarkt; von manchen Bürgern als Heilsbringer direkter Demokratie verehrt, von anderen als Querulant abgestempelt - Helmut Palmer, über den so vieles und so Unterschiedliches gesagt und geschrieben wurde, zählt zu den bemerkenswertesten Persönlichkeiten in der Geschichte des Bundeslandes Baden-Württemberg. Durch sein Wirken als engagierter Bürger und politischer Einzelkämpfer sorgte er über Jahrzehnte hinweg für heftige Reaktionen seiner Mitmenschen, auch über den deutschen Südwesten hinaus.

Dabei hat er sich tief in das kollektive Gedächtnis der Menschen eingegraben: Im Großraum Stuttgart genügt es auch noch 10 Jahre nach seinem Tod, von "dem Palmer" zu reden. Meist weiß das Gegenüber sogleich, von wem die Rede ist, und erinnert sich an die vielfache Berichterstattung über spektakuläre Aktionen des Obstgärtners, unzählige Wahlkämpfe und heiß diskutierte Justizprozesse. Am präsentesten war Palmer den Menschen in Baden-Württemberg in der Zeit seiner größten Aktivität, den 1970er- und 1980er-Jahren. So schrieb ein Bürger am 5. Februar 1976 einen zürnenden Leserbrief in den Stuttgarter Nachrichten , in dem allgemein vor Radikalen und "Palmerianern" gewarnt wurde, wenn die Verwaltung so weitermache wie bisher.

Helmut Palmer wurde 1930 in Stuttgart geboren und war bis zu seinem Tod 2004 im nahen Remstal zu Hause. Er engagierte sich in ganz Baden-Württemberg, der Schwerpunkt seines Wirkens lag in Zentralwürttemberg. Sein öffentliches Tun begann in den 1950er-Jahren, als er im noch stark ländlich geprägten und kleinteiligen württembergischen Raum als Obstbaufachmann gegen die herrschende Lehre des Obstbaumschnitts vorging. Ab den 1970er-Jahren kam jedoch der Wahlkämpfer und Politiker Palmer zum Vorschein, welcher ohne Parteizugehörigkeit als Einzelperson an fast 300 Wahlkämpfen teilnahm und zum Teil beachtliche Wahlergebnisse - fast 20 % bei Bundestagswahlen und bis zu 42 % bei Bürgermeisterwahlen in mittelgroßen Städten - erzielen konnte, ohne jedoch jemals ein Amt zu erreichen. Helmut Palmer war mit Abstand der erfolgreichste Einzelkandidat (der nicht zuvor von einer Partei unterstützt worden war) bei baden-württembergischen Landtagswahlen und bei Bundestagswahlen in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Durch zahllose Wahlauftritte und meist spektakuläre Aktionen, die die Politik und Verwaltung auf Missstände aufmerksam machen sollten, wurde Helmut Palmer im Land als der "Remstal-Rebell" bekannt und prägte die politische Landschaft Baden-Württembergs über Jahrzehnte mit. Er führte zahlreiche Gerichtsprozesse, und aufgrund seiner zum Teil heftigen Attacken gegen seine politischen Gegner, Verwaltung und Justiz verbüßte er monatelange Haftstrafen in unterschiedlichen Justizvollzugsanstalten des Landes.

Das Beispiel Helmut Palmer zeigt, inwieweit ein einzelner Bürger politisch auf seine Zeitgenossen einwirken konnte. Die Person Palmer und ihr Engagement standen im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen, in denen zunehmend Autorität und Machtausübung etablierter Eliten infrage gestellt, neue Bürgerbeteiligungsformen gefordert und auch erprobt wurden. Wir fragen nach dem gesellschaftlichen, politischen, verwaltungstechnischen und juristischen Umgang unseres demokratischen Gemeinwesens und Rechtsstaates mit einem aufrührerischen, nicht in gängige Schema

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