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Im Namen der Wahrheit Folter in Deutschland vom Mittelalter bis heute von Zagolla, Robert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2016
  • Verlag: be.bra verlag
eBook (ePUB)
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Im Namen der Wahrheit

Seit dem 'Fall Daschner' ist die Diskussion über die Folter neu entbrannt. Ein Blick in die Geschichte macht den Prozess ihrer Umwertung deutlich: Von der gesetzlich geregelten Befragungstechnik im ausgehenden Mittelalter über den Versuch der Abschaffung und ihr vielfältiges Weiterleben bis ins 20.Jahrhundert. Was von den Nationalsozialisten wieder massiv eingesetzt und in der SBZ/DDR mit anderen Mitteln weiter praktiziert wurde, gilt heute manchem als Königsweg der vorbeugenden Verbrechensbekämpfung: die Anwendung staatlicher Gewalt zur Erzwingung von Informationen oder Geständnissen.Die Zeugnisse der Opfer und die fragwürdigen Erfolge der Folterer warnen jedoch vor falschen Hoffnungen. Robert Zagolla, geboren 1973, studierte Geschichte und Kunstgeschichte in Berlin und Tübingen. Seit 2004 arbeitet er als Lektor und Autor im Sachbuchbereich. Von ihm erschienen sind bereits mehrere Bücher zu verschiedenen Themen. Robert Zagolla lebt mit seiner Familie in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 01.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839301241
    Verlag: be.bra verlag
    Größe: 7670 kBytes
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Im Namen der Wahrheit

Im "finsteren" Mittelalter

Ars torquendi: Das römische Recht als Wurzel des Bösen

Das Foltern wurde nicht in Deutschland erfunden. Die Idee, Menschen durch Zufügung von Schmerzen zu bestimmten Handlungen zu zwingen, ist vermutlich so alt wie die Menschheit selbst. In Europa waren es die Römer, die die Lehre von der Folter zu einer umfangreichen Rechtsdoktrin ausgebaut und damit die spätere Entwicklung für Jahrhunderte geprägt haben. [1] Ähnlich wie im griechischen Recht war im römischen anfangs nur die Folterung von Sklaven zulässig, und zwar dann, wenn sie selbst eines Verbrechens angeklagt waren. Später wurde diese Regel erweitert: Sklaven durften nun auch dann gefoltert werden, wenn sie nur als Zeuge aussagen sollten, und das nicht allein in Strafprozessen, sondern selbst bei Geldstreitigkeiten. Nach damaliger Auffassung waren Sklaven nicht rechtsfähig, daher musste ihre Aussage durch Schmerzen überprüft und gewissermaßen beglaubigt werden.

Die Folterung freier römischer Bürger blieb dagegen lange verboten. So konnte sich noch im 1. Jahrhundert nach Christus der Apostel Paulus davor schützen, indem er sich gegenüber den römischen Behörden auf sein Bürgerrecht berief. Als er nämlich in Jerusalem predigte, so erzählt es das Neue Testament, versuchten die Stadtbewohner ihn zu lynchen; sie "erhoben [...] ihre Stimme und riefen: Hinweg mit diesem von der Erde! Denn er darf nicht mehr leben. Als sie aber schrien und ihre Kleider abwarfen und Staub in die Luft wirbelten, befahl der Oberst, ihn in die Burg zu führen, und sagte, dass man ihn geißeln und verhören sollte, um zu erfahren, aus welchem Grund sie so gegen ihn schrien. Als man ihn aber zum Geißeln festband, sprach Paulus zu dem Hauptmann, der dabeistand: Ist es erlaubt bei euch, einen Menschen, der römischer Bürger ist, ohne Urteil zu geißeln? Als das der Hauptmann hörte, ging er zu dem Oberst und berichtete ihm und sprach: Was willst du tun? Dieser Mensch ist römischer Bürger. Da kam der Oberst zu ihm und fragte ihn: Sage mir, bist du römischer Bürger? Er aber sprach: Ja. [...] Da ließen sogleich von ihm ab, die ihn verhören sollten." [2]

Erst seit der Mitte des 2. Jahrhunderts wurde die Folterung von freien Römern erlaubt. [3] Anfangs war sie nur bei Verrat zulässig, später bei immer mehr Verbrechen, die jeweils durch kaiserlichen Erlass festgelegt wurden: so gestattete Caracalla im 3. Jahrhundert die Folter von Bürgern in Fällen von Giftmord, Konstantin im 4. Jahrhundert bei Hellseherei, Zauberei und anderen Formen der Magie, Justinian dann bei Ehebruch und "unnatürlichen" Begierden. Der Hintergrund dieser Ausweitung der Foltergesetze ist, dass sich vor allem in der Zeit vom 2. bis zum 4. Jahrhundert die sozialen Gegensätze innerhalb der römischen Gesellschaft verstärkten. [4] Die herrschende Klasse, die ihre Mitglieder als "honestiores", als Edle, bezeichnete, degradierte die einfachen Bürger zu "humiliores", zu Niedrigen, denen man kaum mehr als den sozialen Status von Sklaven zuerkannte; ihnen wurde daher zunehmend auch die gleiche Rechtsunfähigkeit zugeschrieben wie diesen.

Mit welchen Methoden in Rom gefoltert wurde, lässt sich den erhaltenen Quellen nur ansatzweise entnehmen. Wie schon die Episode des Paulus in Jerusalem zeigt, war das Geißeln, also das Auspeitschen, eine verbreitete Verfahrensweise. Tacitus berichtet, dass Kaiser Nero mit der Peitsche und Feuer habe foltern lassen, und andere Dokumente sprechen vom Zerreißen der Haut mit Haken oder Zangen. [5] Dabei wurden die Gefolterten entweder an einen Pfahl gebunden oder auf das so genannte "Pferdchen" (eculeus) gesetzt, eine Art Holzbock, über dessen genaue Gestalt - den fantasievollen Abbildungen aus späterer Zeit zum Trotz - nichts bekannt ist. Vermutlich waren viele Folterarten an die Methoden der damals üblichen Körperstrafen angelehnt. Bei der Inte

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