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Flâneuse Frauen erobern die Stadt - in Paris, New York, Tokyo, Venedig und London von Elkin, Lauren (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2018
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Flâneuse

Die Flâneuse - Virginia Woolf in London ist eine von ihnen, Jean Rhys in Paris, Holly Golightly und Patti Smith in New York. Sie alle erobern sich selbstbewusst Städte, Menschen und Gedanken. Sie sind neugierig, klug und unabhängig, reisen, wohin sie wollen und genießen die Freiheit der Großstadt. Die Autorin und Essayistin Lauren Elkin folgt den Spuren außergewöhnlicher flanierender Frauen, indem sie selbst durch das heutige Paris, New York, London, Venedig und Tokyo spaziert. Sie lässt sich treiben durch Städte, Literatur, Kunst und Geschichte und zeigt in ihrer Geschichte des weiblichen Flânierens wie berauschend es sein kann, sich eine Stadt zu erobern, was lange nur Männern vorbehalten war.

Lauren Elkin, geboren in New York, ist Autorin, Essayistin und Übersetzerin. Sie schreibt unter anderem für die New York Times Book Review, den Guardian und die Times Literary Supplement. Nachdem sie die USA verlassen und die Straßen von London, Venedig, Tokyo und Hong Kong, wie Hemingway immer ausgestattet mit Stift und Papier, erobert hat, lebt sie heute in Paris, wo sie vor allem durch die Straßen des Künstlerviertels Belleville flaniert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 400
    Erscheinungsdatum: 12.11.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641214180
    Verlag: btb
    Originaltitel: Flaneuse - Women Walk the City in Paris, New York, Tokyo, Venice and London
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Flâneuse

FLÂNEUS-IEREN

Wann ist es mir zum ersten Mal begegnet, dieses elegante französische Wort flâneur mit seinem überdachten â und dem rollenden eur ? Es muss in den 1990ern gewesen sein, als ich in Paris studierte, aber ich glaube nicht, dass ich in einem Buch darauf gestoßen bin. Viel Pflichtlektüre habe ich in jenem Semester nicht gelesen. Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen, und das bedeutet wohl, dass ich bereits zum Flâneur wurde, bevor ich wusste, was das ist; ich durchstreifte die Straßen in der Nähe meiner Universität - links der Seine, wie es sich für eine amerikanische Uni gehört.

Das Wort Flâneur für jemanden, "der ziellos umherstreift", abgeleitet vom französischen Verb flâner , entstand in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts in den mit Glas und Stahl überdachten Pariser passages. Als Haussmann anfing, seine lichten Boulevards in die dunkle unebene Kruste aus Häusern zu schneiden wie mit einem Messer durch Chèvre im Aschemantel, spazierte auch der Flâneur hindurch, um das urbane Spektakel zu betrachten. Als männliche Figur mit Privilegien und Muße, mit Zeit und Geld und ohne unmittelbare Verpflichtungen, die seine Aufmerksamkeit erfordert hätten, versteht der Flâneur die Stadt wie nur wenige ihrer Bewohner, denn er hat sie sich mit den Füßen eingeprägt. Jede Ecke, jede Gasse, jeder Treppenaufgang hat das Potenzial, ihn in rêverie zu versetzen. Was ist hier geschehen? Wer ist hier vorbeigekommen? Welche Bedeutung hat dieser Ort? Der Flâneur , eingestimmt auf die Saitenschwingungen seiner Stadt, weiß es intuitiv.

In meiner Ignoranz muss ich geglaubt haben, ich hätte die flânerie erfunden. Für jemanden aus einem amerikanischen Vorort, wo die Menschen überall mit dem Auto hinfahren, war es ein wenig exzentrisch, ohne besonderen Grund zu Fuß zu gehen. In Paris konnte ich stundenlang laufen, ohne je irgendwo "anzukommen". Ich beobachtete die Zusammensetzung der Stadt und erhaschte hier und da einen Blick auf ein inoffizielles Stück Geschichte: ein Einschussloch in der Fassade eines hôtel particulier , vergessene Schriftzüge hoch oben an der Seitenfassade eines Hauses, der Name einer Mehlfabrik oder einer Zeitung, die es nicht mehr gibt (was ein kreativer Graffiti-Künstler als Aufforderung nahm, etwas Eigenes daraus zu machen), oder ein paar Reihen bei Straßenarbeiten freigelegter Pflastersteine: verschiedene Schichten unter der Oberfläche der heutigen Stadt, die sich langsam immer weiter nach oben schiebt. Ich hielt Ausschau nach Rückständen, nach Strukturen, nach Zufällen, Begegnungen und unerwarteten Entdeckungen. Die wichtigste Erfahrung mit dieser Stadt machte ich nicht mittels Büchern, Restaurants oder Museen und auch nicht durch die seelischen Narben jener Affäre, die sich in einer Dachkammer nahe der Börse abspielte, sondern durch das viele Zufußgehen. Irgendwo im sechsten Arrondissement wurde mir klar, dass ich für den Rest meines Lebens in der Stadt wohnen wollte, und zwar genau hier, in Paris. Es hatte etwas mit der absoluten, vollkommenen Freiheit zu tun, die sich entfaltet, wenn man einen Fuß vor den anderen setzt.

Zwischen meiner Wohnung in der Avenue de Saxe und der Uni in der Rue de Chevreuse lief ich eine Furche in den Boulevard Montparnasse. Von den Namen der Restaurants, an denen ich vorbeikam, lernte ich ein Französisch, das nicht in den Schulbüchern steht: Les Zazous (benannt nach einem Jazzer-Typ aus den 1940er-Jahren mit kariertem Blazer und Stirnlocke), das Restaurant Sud-Ouest & Cie, von dem ich die französische Entsprechung zu "& Co" erfuhr, und von einer Bäckerei namens Pomme de pain lernte ich das Wort für Kiefernzapfen, pomme de pin , wobei ich nie recht verstanden habe, warum dieses Wortspiel der Mühe wert sein sollte. In einem Brezel-Shop namens Duchesse Ann

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