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Geschichte Ägyptens Von der Spätantike bis zur Gegenwart von Pink, Johanna (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Geschichte Ägyptens

Ägypten ist seit dem Mittelalter ein kulturelles Zentrum des islamischen Orients. Johanna Pink erzählt anschaulich die Geschichte des Landes von der Spätantike und der islamischen Eroberung über die glanzvolle Zeit der Fatimiden sowie die osmanische und britische Herrschaft bis zur Selbstständigkeit unter Nasser im 20. Jahrhundert und zum Arabischen Frühling. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei der Arabisierung und Islamisierung, der Macht des Militärs und der hart umkämpften gesellschaftlichen Modernisierung. Johanna Pink ist Professorin für Islamwissenschaft an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 15.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406667145
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 6323 kBytes
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Geschichte Ägyptens

Zweiter Teil

Die Sultane Ägyptens

1. Die Ayyubiden (1171 - 1250)

Saladin - mit vollem Namen Salāh ad-Din Yūsuf ibn Ayyūb - begründete die Dynastie der Ayyubiden, die Ägypten achtzig Jahre lang regierte. Ihre Herrschaft veränderte das Land in mancher Hinsicht tiefgreifend. Sie beschleunigten und intensivierten Entwicklungen, vor allem im Bereich des Militärs, die Ägypten und den Vorderen Orient für Jahrhunderte prägen sollten, und verhalfen vergleichsweise neuen Institutionen des sunnitischen Islams zu einem rapiden Aufschwung.

Saladin gehörte einer mobilen, ortsunabhängigen Söldnerschicht an. Geboren vermutlich im mesopotamischen Tikrīt als Sohn eines kurdischen Offiziers, aufgewachsen in Baalbek und Damaskus, half er seinem Onkel Schirkūh bei der Einnahme Ägyptens, wurde erst Wesir und dann Herrscher des Landes. Er verbrachte jedoch den größten Teil seiner Regierungszeit in Palästina und Syrien im Krieg gegen Zengiden und Kreuzfahrer. Ägypten hatte mit Saladin also einen Sultan, der nur eine geringe Bindung an das Land hatte. Dennoch war das Land die Basis seiner Macht und damit Gegenstand seiner Politik. Als er ägyptischer Wesir wurde, war es für den Dreißigjährigen, der aus relativ unbedeutender Position kometenartig aufgestiegen war, von zentraler Bedeutung, seine Herrschaft zu konsolidieren, indem er sich der Unterstützung seiner Truppen und lokaler Eliten versicherte. Dies erreichte er durch die Vergabe von großen Militärlehen und Gouverneursposten an Familienmitglieder und durch die Übertragung von prestigereichen, gut dotierten Ämtern an einheimische Notabeln. In den ersten Jahren seiner Herrschaft musste er eine Invasion aus Nubien sowie einige Revolten aus den Reihen fatimidischer Unterstützer und entmachteter Regimenter niederschlagen. Die verbliebenen Mitglieder der fatimidischen Familie ließ er am Leben und gewährleistete ihren Unterhalt, solange sie sich ruhig verhielten und keine Nachkommen hervorbrachten - wofür er durch die Verhängung von Hausarrest bei strikter Geschlechtertrennung sorgte.

Von Anfang an ließ Saladin gewisse Bestrebungen erkennen, sich als Verfechter des sunnitischen Islams zu positionieren. So machte er sich beliebt, indem er "unislamische" Steuern und Zölle ( mukūs ) aufheben ließ. Das stellte ihn allerdings vor finanzielle Probleme, weil es mit dem ererbten Reichtum der Fatimiden nicht so weit her war, wie er wohl gehofft hatte. Um dies auszugleichen, ließ er systematisch die Almosensteuer ( zakāt ) eintreiben, deren Zahlung eine individuelle Verpflichtung jedes Muslims war und meist auch so behandelt wurde. In der Theorie durfte sie nur für religiöse und wohltätige Zwecke verwendet werden. Indem Saladin allerdings unter anderem den Dschihad als einen solchen religiösen Zweck definierte, konnte er mit ihr auch seine militärischen Unternehmungen, selbst den Import von Holz für den Schiffsbau, finanzieren.

Der Schiffsbau war deswegen nötig, weil Saladin nicht die Absicht hatte, sich mit Ägypten zufriedenzugeben, sondern auf Expansion setzte. Er baute in kürzester Zeit eine Mittelmeerflotte auf, brachte einen erheblichen Teil der nordafrikanischen Küste unter seine Kontrolle und schickte Truppen in den Hedschas und Jemen, an deren Spitze er Familienmitglieder, insbesondere seinen Bruder Tūrānschāh, setzte. Nūr ad-Dīn in Aleppo betrachtete sich allerdings nach wie vor als sein Oberherr. Saladin erkannte das zwar formal an, zum Beispiel, indem er im Namen Nūr ad-Dīns und des abbasidischen Kalifen Münzen prägen ließ, nahm ansonsten aber keine Weisungen entgegen. Mi

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