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Hund und Mensch Die Geschichte einer Beziehung von Oeser, Erhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Hund und Mensch

Als erster ständiger Begleiter des Menschen ist der Hund mit der Geschichte der Menschheit untrennbar verbunden. Bereits in den frühen Hochkulturen Ägyptens, Babylons und Assyriens und bei den alten Griechen und Römern war er Jagdgenosse, Wächter und Mitstreiter in Kriegen. Die Leistungen der Hunde bei der Eroberung der Erde durch den Menschen beschränkten sich nicht auf Antike, Mittelalter und beginnender Neuzeit. Im vergangenen Jahrhundert war die Entdeckung sowohl des Nord- als auch des Südpols ohne den Einsatz der Schlittenhunde nicht möglich, und das erste Lebewesen im Weltraum war weder ein Mensch noch ein Affe, sondern ein sibirischer Hund. Die viele Jahrtausende dauernde Geschichte der Überlebensgemeinschaft von Hund und Mensch ist jedoch nicht nur von beiderseitiger Freundschaft und Liebe, sondern auch von Grausamkeit und Unbarmherzigkeit von Seiten des Menschen und Leiden und Tod auf Seiten des Hundes gekennzeichnet. Sie ist im Gutem wie im Bösen ein Abbild menschlicher Kulturentwicklung. Die Geschichte der Beziehung von Hund und Mensch bietet außerdem einen nicht zu vernachlässigenden Beitrag zur Lösung der Frage nach dem Bewusstsein der Tiere. Das Außergewöhnliche dieses Buches liegt darin, dass der Autor die Geschichte der Menschheit ?sozusagen mit den Augen des Hundes? sieht. Den historisch interessierten Hundeliebhaber erwartet viel Ungewöhnliches, Nahegehendes und Bedenkenswertes über die Hund-Mensch-Beziehung, die sich über die Jahrtausende hin entwickelt hat. Fazit: die Beziehung Mensch - Hund war schon immer etwas Besonderes! Erhard Oeser, geb. 1938, ist emeritierter Professor für Philosophie und Wissenschaftstheorie der Naturwissenschaften an der Universität Wien und Vorstand des Institutes für Wissenschaftstheorie. Er erhielt 2006 den Eugen Wüster Sonderpreis für Terminologie-Forschung. Seine bisherigen Buchveröffentlichungen bei der WBG: Geschichte der Hirnforschung (2. Aufl. 2010), Hund und Mensch (3. Aufl. 2009), Die Suche nach der zweiten Erde (2009), Die Jagd zum Nordpol (2008), Katze und Mensch (3. Aufl. 2008), Pferd und Mensch (2007), Das selbstbewusste Gehirn (2006).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 192
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534704781
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 5760 kBytes
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Hund und Mensch

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1. Die Frage nach dem Bewusstsein der Tiere

Nur ein Lebewesen, das Bewusstsein hat, hat auch seine Geschichte. Die grundlegende Frage lautet daher: Haben Hunde ein Bewusstsein? Diese Frage wurde seit jeher immer wieder in Bezug auf die gesamte Tierwelt gestellt. Eine frühe Antwort stammt von David Hume (1739), der kategorisch feststellt: "Keine Wahrheit erscheint mir offensichtlicher als die, dass Tiere ebenso mit Gedanken und Vernunft ausgestattet sind wie der Mensch" (vgl. Griffin 1990, S. 15). Doch dieser intuitiven Einsicht, die jedem, der mit Hunden zu tun hat, völlig klar ist, fehlte jede theoretische Begründung. Daher setzte sich zunächst jene berühmt-berüchtigte Maschinentheorie der Tiere von Descartes durch, die bis auf unsere Tage im sog. Behaviorismus weiterlebt.
Die Maschinentheorie der Tiere

Descartes Ansicht von der Seelen- oder Geistlosigkeit der Tiere beruht auf der Kombination verschiedener ganz unterschiedlicher Argumentationen. Das eine und für ihn wichtigere und grundlegendere Argument ist ein theologisches Argument, das für ihn gleich nach dem Argument gegen die Leugnung der Existenz Gottes kommt. So sagt er am Ende des 5. Kapitels seiner Abhandlung über die Methode: "Denn nach dem Irrtum der Gottesleugnung, den ich oben hinlänglich widerlegt zu haben meine, gibt es keinen der schwache Gemüter mehr vom rechten Wege der Tugend entfernt, als wenn sie sich einbilden, die Seele der Tiere sei mit der unsrigen wesensgleich und wir hätten daher nach diesem eben nichts zu fürchten noch zu hoffen, nicht mehr als die Fliegen und die Ameisen" (Descartes 1948, S. 139). Die Einzigartigkeit der Menschenseele, die er mit dem unausgedehnten Geist oder der denkenden Substanz (res cogitans) gleichsetzt, besteht aber nach Descartes gerade in ihrer Unabhängigkeit von der Materie oder ausgedehnten Substanz, die für ihn eine Garantie für ihre Unsterblichkeit ist.

Das andere und bis heute wirksame Argument stammt aus seiner mechanistischen Physiologie, die er auch konsequent auf den Menschen angewendet hat. Sie beruht auf den damaligen großen Erfolgen der klassischen Grundlagendisziplin der neuzeitlichen Physik, der Mechanik, die sich bereits in eine Vielzahl von Maschinen umsetzen ließ. Eine beliebte Beschäftigung in dieser Zeit war das Herstellen von menschen- und tierähnlichen Automaten, die oft zu einer täuschenden Ähnlichkeit mit lebendigen Körpern führten. Daher glaubte Descartes zeigen zu können, "dass, wenn es solche Maschinen gäbe, welche die Organe und die äußere Gestalt eines Affen oder irgendeines anderen vernunftlosen Tieres (animal sans raison) hätten, wir nicht im Stande sein würden, sie in irgendetwas von jenen Tieren zu unterscheiden" (Descartes 1948, S. 131). Dagegen haben wir, wenn es dem Menschen ähnliche Maschinen gäbe, die unsere Handlungen nachahmen könnten, stets ein ganz sicheres Mittel, um zu erkennen, dass diese Automaten nicht wirkliche Menschen sind. Denn selbst dann, wenn die Maschine so eingerichtet ist, dass sie Wörter hervorbringt oder schreit, dass man ihr wehtue, wenn man sie anfasst, so wird sie doch nie imstande sein, "dass sie auf verschiedene Art die Worte ordnet", um eine sinnvolle, der jeweiligen Situation entsprechende Aussage zu formulieren. Das Gleiche gilt für jene Handlungen, die nicht auf besonderen Dispositionen der Organe beruhen. Während eine Maschine für jede besondere Handlung eine besondere Disposition eines bestimmten Organs benötigt, kann der Mensch mit seinem "Universalinstrument" der Vernunft in allen Fällen und Lebenslagen die entsprechenden Handlungen durchführen.

Das eigentliche Unterscheidungskriterium zwischen Mensch und Tier ist und bleibt für Descartes daher die Sprache: "Denn es ist sehr bemerkenswert", sagt er, "dass es keine so stumpfsinnigen und dummen Menschen gibt, sogar die unsinnigen nicht ausgenommen, die nicht fähig wären, verschiedene

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