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Jüdische kulturelle und religiöse Einflüsse auf die Stadt Rostock und ihre Universität von Boeck, Gisela (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.12.2016
  • Verlag: Books on Demand
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Jüdische kulturelle und religiöse Einflüsse auf die Stadt Rostock und ihre Universität

Die Texte wurden auf einer Veranstaltung vorgestellt, die dem Andenken an die Opfer der Novemberprogrome des Jahres 1938 gewidmet war. Im Zentrum stand der Wunsch der Erinnerung an jüdische kulturelle und religiöse Spuren in Stadt und Universität. Der Band enthält den Text von Michael Busch über das seinerzeit höchst fortschrittliche jüdische Emanzipationsedikt von 1813 für Mecklenburg und stellt die Frage nach der Rolle des Rostocker Orientalisten Oluf Gerhard Tychsen (1734-1815) bei seiner Vorbereitung. Steffi Katschke diskutiert die Frage von jüdischen Studenten an der Universität Rostock im 18. Jahrhundert. Melanie Lange stellt ein wertvolles Buch aus den Beständen der Universitätsbibliothek vor, die Hebräisch-Grammatik von Elia Levita (1469-1549) und dessen Übersetzung durch den christlichen Kosmographen und Hebraisten Sebastian Münter (1488-1552). Malgorzata Anna Maksymiak unterzieht die Sammlung von jiddischen und hebräischen Privatbriefen des schon erwähnten Gelehrten Tychsen einer kritischen Prüfung und entwickelt die Frage nach der Herkunft von Tychsens Interessen und kommunikativen Verflechtungen, die sie in einem Zusammenhang von Kolonisierung und Kulturkontakt diskutiert. Dr. rer. nat Gisela Boeck geb. Engel. Chemiestudium in Rostock 1973-1977, Aspirantur an den Universitäten Rostock und Leipzig 1977-1980, 1981 Prom. Dr. rer. nat. mit der Arbeit "Quantenchemische Berechnungen zur Thermodynamik chemischer Gleichgewichte", seit 1981 wissenschaftliche Mitarbeiterin bzw. geschäftsführende Assistentin am Institut für Chemie, Lehrbeauftragte für die Grundlagen der Chemie für Studierende der Humanmedizin, der Zahnheilkunde, der Medizinischen Biotechnologie, der Biomedizintechnik und des Maschinenbaus, Lehrbeauftragte für Geschichte der Chemie, Arbeiten zur Geschichte der Chemieunterrichts, zur Popularisierung der Chemie im 19. Jahr-hundert, zur Rezeption des Periodensystems in Deutschland, zu Deutsch-Russischen Wissenschaftsbeziehungen, zu Chemikerinnen sowie zur Universitätsgeschichte, seit 2003 Sprecherin des Arbeitskreises "Rostocker Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte" (gemeinsam mit Prof. Dr. H.-U. Lammel), seit 2011 Sprecherin der Arbeitsgruppe "Geschichte der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät", Mitglied der Fachgruppe "Geschichte der Chemie" und der Arbeitsgruppe "Chemie für Mediziner" der GDCh, Vertreterin der GDCh bei der Working Party on the History of Chemistry der European Association for Chemistry and Molecular Science und Mitglied der Gesellschaft für Wissenschaftsgeschichte

Produktinformationen

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Jüdische kulturelle und religiöse Einflüsse auf die Stadt Rostock und ihre Universität

Steffi Katschke

Jüdische Studenten an der Universität Rostock im 18. Jahrhundert

Ein Beitrag zur jüdischen Bildungs- und Sozialgeschichte

Im Verlauf der Rostocker Geschichte existierten seit der Bestätigung des Stadtrechts 1218 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zwei jüdische Gemeinden. Von der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts lebten nur wenige Juden in der Stadt. Mit dem Ausbruch der Pest wurden sie, als Brunnenvergifter beschuldigt, aus Rostock und anderen mecklenburgischen Städten vertrieben. 75 Erst 1868/69 siedelten sich wieder jüdische Familien aufgrund des " Gesetzes über die Freizügigkeit " des Norddeutschen Bundes in der Hansestadt an. 76

In Dokumenten des Stadtarchivs finden sich jedoch immer wieder vor 1868 Ausnahmen, die den Aufenthalt von Juden in Rostock betreffen. Sie hielten sich vor allem aus wirtschaftlichen Gründen in der Hansestadt auf. Einen besonderen Anlass bot der Rostocker Pfingstmarkt. 77 Die Universität war ein weiterer Anziehungspunkt. Die Kenntnis von jüdischen Studenten ist nicht neu:

"Wenngleich bislang nicht zu klären war, ab wann ihnen die Alma Mater Rostockiensis 'offiziell' ihre Pforten öffnete, deuten einzelne Belege darauf hin, dass in den [...] aufgeklärt-liberalen Jahren des ausgehenden 18. und frühen 19. Säkulums zumindest Ausnahmeregelungen möglich waren",

erkennt Wilhelm Kreutz. 78 Die wichtigste Ausnahme war der Sitz der Universität. Mit der Neugründung der " Fridericiana " 1760 in Bützow konnten sich auch Juden immatrikulieren. Die Besonderheit eines Niederlassungsverbotes, das das Vorrecht der Hansestädte Rostock und Wismar war 79 , traf auf Bützow nicht zu. 80

Zum Aufenthalt von Juden in Rostock in Dokumenten des 18. Jahrhunderts

Die vier zusammenhängenden Schriftstücke, die sich in den Akten zum " Aufenthalt von Juden zum Pfingstmarkt und außerhalb der Pfingstmarktzeit " 81 im Rostocker Stadtarchiv befinden, dienen als Ausgangspunkt für die Aufgabenstellung. Eine Verbindung zu jüdischen Studenten an der Universität besteht nur indirekt.

Anfang Mai des Jahres 1790 berichtet der Akzis-Rat Johann Danckwarth aus Rostock von einer Jüdin, die sich gerüchteweise mit einem " sogenannten Schächter " verheiraten und sich " wohnbar niederlassen " will. 82

Die Hauptsorge Danckwarths besteht darin, dass der herzoglichen Akzise Einnahmen entgehen. So könnten andere Juden ihrem Beispiel folgen und sich " in allerhand der Accise nachtheiligen Verkehr einlaßen ". Er führt aus:

"S[o] z[um] B[eispiel] könnten die zum Einkauf kommenden Juden heimlich allerley Sachen und pretiosa, wenn hier einige ihrer Leute wohnten, bey diesen ablegen, und so heimlich verkaufen laßen, ohne daß herzogliche Accise etwas daran merckte, und ohne daß sie hierfür einige Erlegnis bezahlten."

Dankwarth zieht die Convention von 1748 heran, in der es heißt, dass Waren der Juden konfisziert werden sollen, wenn sie diese außerhalb der Pfingstmarktzeit in der Stadt verkauften. Ihnen ist es mit Genehmigung des worthabenden Bürgermeisters in dieser Zeit - außerhalb des Jahrmarktes - nur erlaubt, Waren zu kaufen.

Das lässt den Rückschluss zu, dass sich Juden durchaus außerhalb des etwa zwei Wochen dauernden Pfingstmarktes, entgegen einer grundlegenden Verordnung von 1682, 83 in Rostock aufhielten. Es gibt Belege aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die diese Aussage stützen. Zum Beispiel sind 1757 die beiden Hofjuden Michel Ruben Hinrichsen und Nathan Aaron aus Schwerin die ersten, die eine Erlaubnis zum Aufenthalt beantragen und erhalten sie mit der Einschränkung, nur Waren zu kaufen. 84 Ihr besonderer Status als wohlhabende Hoffaktoren mit großer Nähe zum Landesherrn könnte die Ausnahme möglich gemacht haben. Die A

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