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Konvergente Konstruktionen Eine Globalgeschichte des Staudammbaus von Brendel, Benjamin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.03.2019
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Konvergente Konstruktionen

Im 20. Jahrhundert wurden weltweit etwa 50 000 Staudämme gebaut. Sie veränderten Landschaften grundlegend und irreversibel, sie regulierten das Leben von Millionen von Menschen. Benjamin Brendel arbeitet in seiner Globalgeschichte dieser riesigen Infrastrukturprojekte heraus, dass deren Erfolg und Sicherheit - heute gelten sie als Kraftwerke zur Gewinnung 'grüner' oder 'blauer' Energie - zusammen mit den Bauwerken selbst konstruiert wurden. Seine Fallbeispiele - der Grand-Coulee-Damm in den USA (1933 - 1941), der Damm von Mequinenza in Spanien (1955 - 1961) und der Assuan-Damm in Ägypten (1960 - 1971) - belegen darüber hinaus, dass Dämme unabhängig von politischen Systemen als Herrschaftsinstrumente fungierten. Benjamin Brendel ist wiss. Mitarbeiter am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) und am Historischen Institut der Universität Gießen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 519
    Erscheinungsdatum: 13.03.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593440347
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 7728 kBytes
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Konvergente Konstruktionen

Aufbau 1. Projektentwurf Staudämme gelten ihren Befürwortern als paradigmatische Projekte technischen Erfolges; zugleich werden die Konstruktionen von ihren Gegnern verteufelt und als gewaltsamer Eingriff in die Umwelt und in die Gesellschaft wahrgenommen. Diesem Konflikt zum Trotz werden gegenwärtig Staudämme in verstärktem Maß gebaut, in einer Dimension, die bisherige Projekte weit in den Schatten stellt. 'Tadschikistan. Präsident baut Riesen-Staudamm', berichtete der Spiegel Ende Oktober 2016. Mit 'Tajikistan's Rogun: Building the world's tallest dam' steigerte BBC online die Projektbeschreibungen weiter. Zentralasien stehe möglicherweise vor einem regionalen und dammbedingten Wasserkonflikt, dagegen hofften die Initiatoren des Dammes darauf, über Ländergrenzen hinweg zum regionalen Stromversorger aufzusteigen. Zeitgleich war zu lesen, dass auch Afrika mit dem Renaissance-Damm in Äthiopien ein neues Energieprojekt erhalte, dieses Kraftwerk weit über das Land auf den Kontinent ausstrahlen würde und gar der 'Konflikt um Nilwasser' die Anrainer zur Zusammenarbeit ?verdamme? . Historisch sind solche Meldungen keineswegs neu und vorbildlos, sie durchziehen genauso wie die hydrotechnischen Konstruktionen, von denen sie berichten, das 20. Jahrhundert als ein prägendes Element gesellschaftlichen Wandels, denn auch jenseits des politischen Rahmens, auf lokaler Ebene, sind Staudämme konfliktgeladene Bauwerke. Für viele Menschen in unmittelbarer Umgebung zu den Bauwerken und noch weit von ihnen entfernt veränderten Staudämme alltägliche Gegebenheiten, sie formten Lebensweisen grundlegend neu. Als Projekte, die große Investitionen nötig machten, wurden und werden Staudämme in aller Regel staatlich finanziert und vor allem von den staatstragenden Eliten befürwortet und vorangetrieben. Die Attraktivität für staatliche Akteure lag darin begründet, dass die Bauwerke als Erfolgsprojekte galten. Sie sollten Elektrizität generieren, um die Gesellschaft zu ?modernisieren? oder durch Bewässerung das Land und das Leben der darauf siedelnden Menschen umzugestalten. Tiefgreifende Veränderungen waren in den Augen der staatstragenden Elite insbesondere dann wichtig, wenn Krisen sie unter Handlungsdruck setzten. Staudämme boten diesbezüglich ein vielversprechendes Mittel der Agitation. Dabei hatten Staudämme ein ständiges Legitimationsproblem, das sich in drei Ebenen einteilen lässt. Mit den neuen Dimensionen der Projekte, welche die Nutzungsmöglichkeit von Stahlbeton zum Ende der 1920er-Jahre boten, wurde mit jedem Größenrekord wie der höchsten oder längsten Staumauer Unbekanntes erschaffen, von dessen Funktionsfähigkeit die technischen Experten die staatlichen Führungseliten überzeugen mussten. War ein solches Projekt auf die politische Agenda gesetzt, galt es, über den Weg einer medialen Inszenierung der Bauwerke die Unterstützung der Öffentlichkeit zu gewinnen. Schließlich entbrannten lokale Konflikte an dem Ort der Konstruktion. Auch dort musste das Projekt durchgesetzt werden, notfalls durch Gewalt. Das Legitimationsproblem des Dammes traf in Krisenzeiten das der Regierung. Dabei bedingten sich die Rhetorik zur Sinnstiftung des Dammes und der politischen Herrschaft gegenseitig. Die eingangs zitierten Zeitungsmeldungen, die sich auf Informationen staatlicher Pressemitteilungen stützen, sind Teil dieser Strategie der Befürworter der Staudämme, die Konstruktionen und die politische Herrschaft ihrer Erbauer zu legitimieren. Da staudammgetragene Veränderungspläne der gewohnten Lebensweise der örtlichen Bevölkerung zuwiderliefen und sie somit letztlich gegen den Willen vieler Menschen durchgesetzt werden mussten, entspannen sich Diskurse um die Projekte. Staatliche wie nichtstaatliche Protagonisten, die die Bauwerke befürworteten, bedienten sich dabei einer machtvollen Metaphorik, um auch von anderen Gesellschaftsgruppen Unterstützung für die Projekte zu erhalten. Die Idee der Experten, Staudäm

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