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Passkontrolle! Eine kritische Geschichte des sich Ausweisens und Erkanntwerdens von Claes, Thomas (eBook)

  • Verlag: Vergangenheitsverlag
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Passkontrolle!

Wieso müssen sich Menschen ausweisen? Und wieso versuchen die Staaten ihre und fremde Bürgerinnen und Bürger zu identifizieren? Die Geschichte des sich Ausweisens und Erkanntwerdens ist die Geschichte wachsender Gouvernementalität und Disziplinierung der Bevölkerung in der Moderne. Früher wies man sich aus, indem man schriftliche Empfehlungen angesehener Bürger, Geistlicher oder des Landesherrn mit sich trug. Fürsprache oder Leumund waren die Pässe der Vormoderne, was sich seit dem 19. Jahrhundert gründlich änderte. Fragen der Biometrie, Chiptechnologie und der Kryptografie werfen heute ganz neue Diskussionen auf, die das Buch in einem weiten Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart beantwortet.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 113
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783940621634
    Verlag: Vergangenheitsverlag
    Größe: 1711 kBytes
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Passkontrolle!

Die Passvergabe als rassepolitische Aussonderungsmaßnahme – der Nationalsozialismus 1933-1945 (S. 65-66)

Die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland war auch eine Zäsur in der Entwicklung der deutschen Staatsangehörigkeit. Die Abstufungen in der Wertigkeit der Staatsbürgerschaft und die Diskriminierung durch das System der Staatsbürgerschaft erreichten bis dahin unbekannte Dimensionen. Dennoch können gewisse Kontinuitäten festgestellt werden. Im Deutschen Reich war die Staatsangehörigkeit an die Abstammung der Eltern geknüpft (ius sanguinus). Im angelsächsischen Raum galt und gilt überwiegend das ius soli, also das Prinzip des Geburtsortes: Staatsbürger wurde jeder, der im Staat geboren wurde.

Das deutsche ius sanguinus kann daher auch als Vorläufer der Blut- und Rasse-Ideologie der Nationalsozialisten angesehen werden. Auch in der Weimarer Republik war die Staatsangehörigkeit zunehmend politisiert worden. Besonders die Zuwanderung der sogenannten "Ostjuden" war zum Politikum geworden. Schon das Parteiprogramm der NSDAP hatte in den 1920er Jahren dieses Thema aufgegriffen und forderte u. a., Juden von der deutschen Staatsbürgerschaft auszuschließen und sie in einen verminderten Rechtsstatus zu versetzen. Dem Programm entsprechend wies der Reichsinnenminister Wilhelm Frick am 15. März 1933 alle Landesregierungen des Deutschen Reiches an, keine "Ostjuden" mehr aufzunehmen und einzubürgern.

Eine neue Dimension stellte indes das "Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit" von Juli 1933 dar. Die Einbürgerung von "Ostjuden" seit dem 9. November 1918 konnte damit rückgängig gemacht werden. Die so ausgebürgerten Juden wurden meist staatenlos und da sie von keinem anderen Staat aufgenommen wurden, wurden sie meist in ein Konzentrationslager gebracht.

Ebenfalls regelte das Gesetz die Strafexpatriierung, also die Zwangsausbürgerung. Anfangs wurde dieses Instrument gegen Kritiker des NS-Regimes, die Deutschland verlassen hatten, wie beispielsweise Thomas Mann, angewandt. Ab etwa 1937 wurden zunehmend Ausbürgerungen als rassische "Säuberungsmaßnahmen" genutzt, insbesondere Juden sollten die deutsche Staatsbürgerschaft verlieren. Die Folgen der Ausbürgerung für die Betroffenen waren dramatisch: Sie verloren jegliche staatsbürgerlichen Rechte und ihre Vermögen fielen in den meisten Fällen an das Reich.

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