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Paul Tillich Leben - Werk - Wirkung von Schüßler, Werner (eBook)

  • Verlag: WBG Academic
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Paul Tillich

Paul Tillich (1886 - 1965) gehört zu den bedeutendsten theologischen Denkern der Moderne. Er hat sowohl die theologische als auch die philosophische Debatte über viele Jahrzehnte bis zur unmittelbaren Gegenwart stark beeinflusst. Seine theoretische Brillanz trug dazu ebenso bei wie sein gesellschaftliches Engagement. Nicht nur die Stellungnahmen zu den Problemen der Gegenwart im Rahmen eines "religiösen Sozialismus", sondern auch seine Aufnahme verschiedener Denkmotive des Deutschen Idealismus in die protestantische Theologie prägen sein Werk. Von großem Einfluss sind seine Überlegungen auch in den philosophischen Strömungen des Existentialismus oder der Phänomenologie. In diesem Band, verfasst von zwei ausgewiesenen und international renommierten Tillich-Experten, wird in das bewegte Leben und das facettenreiche Werk eingeführt. Die Gesamtdarstellung berücksichtigt erstmals zahlreiche jüngst veröffentlichte oder bislang noch unveröffentlichte Texte. Prof. Dr. Erdmann Sturm, geb. 1937, lehrte bis 2002 Ev. Theologie und ihre Didaktik, Schwerpunkt Systematische Theologie und Religionspädagogik, an der Ev.-Theol. Fakultät der Universität Münster. Er ist Herausgeber mehrerer 'Ergänzungs- und Nachlassbände zu den Gesammelten Werken von Paul Tillich sowie Mitherausgeber der 'Tillich-Studien', des 'International Yearbook for Tillich Research' sowie der Reihe 'Tillich Research

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 288
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534262946
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 2717 kBytes
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Paul Tillich

2 Die Entdeckung der Spätphilosophie F. W. J. Schellings

Von 1904 bis 1909 studierte er Theologie an den Universitäten Berlin, Tübingen und Halle. In einem von Thomas Mann für seinen Roman "Doktor Faustus" von Tillich erbetenen Bericht erfahren wir Näheres über seine Studienzeit in Halle und seine Stellung zu den damaligen theologischen Schulen und Richtungen (vgl. G XIII, 23-27). Die positiv-konservative Vermittlungstheologie Martin Kählers, ihre Betonung der paulinisch-lutherischen Rechtfertigungslehre, ihre Einsicht in den dämonischen Charakter der menschlichen Existenz haben ihn stärker bestimmt als die liberale Theologie, die sich auf die Bastion der sittlichen Persönlichkeit zurückgezogen, im Übrigen aber die gesamte Wirklichkeit, Natur und Geschichte, dem "Mechanismus der bürgerlichen Weltanschauung" (G XIII, 25) überlassen hatte. An dieser Grundentscheidung gegen die liberale Theologie und für eine Theologie, in deren Zentrum die Paradoxie der Rechtfertigung des Sünders aus Gnaden allein aufgrund des Glaubens steht, hat Tillich zeitlebens festgehalten. Prägend war für ihn insbesondere die Einsicht seines Lehrers Martin Kähler, "daß auch unser Denken gebrochen ist und der Rechtfertigung bedarf, und daß darum Dogmatismus die intellektuelle Form des Pharisäismus ist" (G XIII, 24).

Zeitlebens prägend war für ihn aber auch die Spätphilosophie F. W. J. Schellings, also die 1809 erschienene Schrift "Über das Wesen der menschlichen Freiheit" und die "Vorlesungen zur Philosophie der Mythologie und Offenbarung". Tillich unterscheidet zwei Perioden im Denken Schellings: "Schelling I" meint dessen noch ganz dem Deutschen Idealismus verhaftete sog. negative Philosophie, "Schelling II" die über den Deutschen Idealismus hinausführende, sog. positive Philosophie. Unter der negativen Philosophie ist die Philosophie der reinen Vernunft ohne Rückgriff auf die Erfahrung zu verstehen, ein Apriorismus im Sinne Kants also, der vom Reich der Ideen handelt, aber nichts aussagt über das Gegebene. Von der konkreten Wirklichkeit wird in ihr also abgesehen. Von dieser jedoch handelt die positive Philosophie.

Mit der Spätphilosophie Schellings beschäftigen sich die 1910 in Breslau vorgelegte philosophische Dissertation über "Die religionsgeschichtliche Konstruktion in Schellings positiver Philosophie, ihre Voraussetzungen und Prinzipien" (vgl. E IX, 154-272) und die 1912 in Halle vorgelegte theologische Lizentiaten-Dissertation "Mystik und Schuldbewußtsein in Schellings philosophischer Entwicklung" (vgl. M I, 21-112). Tillich deutet in diesen akademischen Arbeiten den späten Schelling nicht in Antithese zum transzendentalen Idealismus, etwa von Jakob Böhme und der Theosophie her, sondern im Duktus des bisherigen Denkens Schellings selbst, des vom transzendentalen Idealismus thematisierten Problems der Selbstkonstitution des Ich. Demnach ist das Spätwerk Schellings als "Vollendung des Idealismus" (Walter Schulz) zu charakterisieren.

Tillichs Darstellung der Religionsphilosophie Schellings ist als Kritik an Troeltschs "Absolutheit des Christentums" zu verstehen. Das gilt vornehmlich für die philosophische Dissertation von 1910, deren ursprünglicher Titel "Die Absolutheit des Christentums und die Religionsgeschichte in Schellings positiver Philosophie" dies auch zum Ausdruck bringt. Tillich sieht den Unterschied zwischen Troeltsch und Schelling gerade in dem, was man als "Vollendung des Idealismus" bezeichnet hat. Im Blick auf die Differenz zwischen der Absolutheitsthese Troeltschs und der religionsgeschichtlichen Konstruktion Schellings schreibt er: "Wenn zwei so hervorragende Kenner der Religionsgeschichte wie Schelling und Tröltsch ... zu so entgegengesetzten Resultaten kommen, dann liegt das aber an der Verschiedenheit des Gottesgedankens. Tröltsch hat nie aus seiner Übereinstimmung mit einem Euckenschen, d.h. aber modificiert Fichteschen Idealismus ein Hehl gemacht. Er ste

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