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Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über die Germanen von Brock, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.06.2014
  • Verlag: WBG Theiss
eBook (ePUB)
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Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über die Germanen

Rein und unvermischt, Urväter deutscher Nation und von überlegener Rasse - die Nationalsozialisten wollten mit den Germanen eine Jahrtausende alte, rassische Überlegenheit der 'Deutschen' konstruieren. Auch wir, die es heute besser wissen, stellen uns die Germanen oft recht einseitig vor. Raubeinige Horden, unbarmherzige Krieger und gefürchtete Gegner der Römer - oder doch ein Volk mit reicher Kultur und wechselvoller Geschichte? Thomas Brock zeigt in diesem Buch, wer die Germanen wirklich waren und stellt 20 der populärsten Germanen-Klischees auf den Prüfstand. War Germanien wirklich ein einziger Urwald? Tranken die Germanen nichts anderes als Met und Bier? Und blieben nach der Völkerwanderung wirklich ganze Landstriche menschenleer und öde zurück?

Thomas Brock hat Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie und Journalistik an der Universität Hamburg studiert. Er ist als Archäologe, Autor und Museumspädagoge tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 208
    Erscheinungsdatum: 01.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783806229264
    Verlag: WBG Theiss
    Größe: 1323 kBytes
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Alles Mythos! 20 populäre Irrtümer über die Germanen

IRRTUM 1:

Die Germanen gab es nicht

Wer sie waren, woher sie kamen, wohin sie wollten - alles das war in der "zivilisierten" Welt im südlichen Europa, bei Römern und Griechen, damals unbekannt. Wenigstens 19 Jahre hatten die Kimbern und Teutonen Europa durchwandert. Waren 120 v. Chr. auf der jütischen Halbinsel aufgebrochen, von dort bis Serbien marschiert, hatten nach 113 Frankreich, Spanien und Belgien verwüstet und schließlich 101 die Alpen überquert, um Rom, der ewigen Stadt, den Garaus zu machen. Manch einer von ihnen wurde in einer Wagenburg geboren, wuchs auf zwischen Planen, Feuerstellen und Ochsen und starb noch als junger Mann in einer der Schlachten dieser Jahre. Von Zweien von ihnen kennt man noch die Namen: Boiorix und Teutobod, ihre Anführer, sind in den wenigen schriftlichen Aufzeichnungen jener Jahre verewigt.

In den Städten, Dörfern und Villen im Mittelmeergebiet interessierte sich anfangs kaum jemand für die Wanderer und das Land, aus dem sie stammten. Erst als sie in Sichtweite der Grenze gelangten, nachdem sie über zehn Jahre Europa durchkreuzt hatten, verbreitete sich allmählich ihr Mythos. Man hielt sie für Räuber und Menschenfresser und als "furor teutonicus", als teutonische Raserei, sollte die Angst vor dem Einfall der Barbaren aus dem Norden über einhundert Jahre später sprichwörtlich werden.

Es waren die ersten Germanen. Zwar nannte man sie noch Jahrzehnte nach ihrer Wanderung "Kimbern und Teutonen" und man hielt sie für Kelten, Gallier oder für "Keltoskythen". Doch als der Feldherr und Politiker Gaius Julius Caesar in den 50er Jahren vor Chr. erstmals den Begriff Germanen für alle Stämme östlich des Rheins prägte, zählte er auch die Kimbern dazu, genauso wie das auf ihn folgende Schriftsteller wie Strabon, Plinius der Ältere und Tacitus taten. Bis dahin aber sollte es noch etwas mehr als fünfzig Jahre dauern.

Als Kimbern und Teutonen durch Europa schweiften, wusste man von Germanen nichts. Und von "Kimbern" hatte man bis dahin auch nicht gehört. Die ersten Geschichtsschreiber am Mittelmeer und in Vorderasien interessierte das Land jenseits der Alpen nicht. Für sie gab es wichtigere Länder zu entdecken.

Am Rande ihrer bewohnbaren Welt lag der "Okeanus". Dort gab es phantastische Inseln, Länder und Völker. Hakataois verfasste am Ende des 6. Jahrhunderts eine "Rundreise" durch Europa und Asien. Der griechische Geschichtsschreiber und Geograph Herodot beispielsweise berichtete von Lydern, Persern, Babyloniern, Ägyptern, Skythen, Libyern und natürlich auch Griechen, doch nicht von Germanen. "Über die in Europa am weitesten westlich gelegenen Länder", schreibt Herodot in den Historien "vermag ich nichts Genaues zu berichten. Auch habe ich trotz aller Bemühungen von niemandem, der dort gewesen wäre, etwas von der Beschaffenheit des Meeres jenseits von Europa erfahren können. Aus diesen entlegensten Gegenden kommt aber das Zinn und der Bernstein zu uns."

Die Pioniere der Geschichtsschreibung und ihre Nachfolger hatten den hohen Norden ausgespart - mit einer Ausnahme: Pytheas von Massalia hatte sich das Land jenseits von Kelten und Skythen um 325 v. Chr. etwas genauer angesehen. Als Alexander der Große das Makedonische Reich bis nach Indien ausdehnte, führte Pytheas eine Flottenexpedition in den hohen Norden.

Seine Reise begann in Großbritannien, dass den Römern wegen seiner Zinnlagerstätten in Cornwall vertraut war. Sechs Tage segelte er von dort bis Thule, wo das Eismeer und das Polarlicht nur noch einen Tag entfernt lagen. Er habe "ein merkwürdiges Gemisch, einer Meerlunge ähnlich, gesehen", notiert der Geograf, "in dem Land und Meer und alle Dinge schweben" und Gegenden, "in denen nur einmal im Jahre Tag und einmal Nacht ist".

Zurück fuhr er wahrscheinlich entlang der Nordseeküste, wo er in einem "Mündungsgebiet" auf den Stamm der Guiones traf. Dort lag auch die Insel Abalon, an deren Strand Berns

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