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Auf den Spuren der Indoeuropäer Von den neolithischen Steppennomaden bis zu den frühen Hochkulturen von Haarmann, Harald (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.02.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
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Auf den Spuren der Indoeuropäer

Seit mehr als 3000 Jahren werden von Indien über Persien bis nach Europa indoeuropäische Sprachen gesprochen. Wo liegen die Ursprünge dieser Sprachfamilie? Wie und wann sind die unterschiedlichen Sprachzweige entstanden? Der renommierte Indogermanist Harald Haarmann schildert anschaulich, was wir heute über die Entstehung der indoeuropäischen Sprachen und Kulturen und ihre frühen Verbreitungswege wissen. Dabei gelingt es ihm eindrucksvoll, linguistische Befunde mit archäologischen Erkenntnissen und neuesten humangenetischen und klimageschichtlichen Forschungen in Beziehung zu setzen. Über sprachliche Verwandtschaften hinaus zeigt er, welche Wirtschaftsweisen, Gesellschaftsformen und religiösen Vorstellungen die frühen Sprecher indoeuropäischer Sprachen vom östlichen Mittelmeer bis zum Indus gemeinsam hatten. Besondere Beachtung finden dabei die Verschmelzungsprozesse mit vorindoeuropäischen Sprachen und Zivilisationen. So entsteht ein faszinierendes Panorama der frühen 'indoeuropäischen Globalisierung' vom Ende der letzten Eiszeit bis zu den frühen Hochkulturen in Griechenland, Italien, Kleinasien, Persien und Indien. Harald Haarmann gehört zu den weltweit bekanntesten Sprachwissenschaftlern. Er wurde u.a. mit dem "Prix Logos" der Association européenne des linguistes, Paris, sowie dem "Premio Jean Monnet" ausgezeichnet. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt. Bei C.H.Beck erschienen u.a. "Das Rätsel der Donauzivilisation" (2. Aufl. 2012), "Geschichte der Schrift" (4. Aufl. 2011) sowie "Weltgeschichte der Sprachen" (2. Aufl. 2010).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 19.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406688256
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 11013 kBytes
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Auf den Spuren der Indoeuropäer

Einleitung:
Das Rätsel der Indoeuropäer

Zwei Drittel der Weltbevölkerung sprechen heute indoeuropäische Sprachen, als Primärsprachen, Zweitsprachen, Verkehrssprachen, Bildungssprachen oder Staatssprachen. Das Spektrum der rund 440 Einzelsprachen reicht von Großsprachen wie Hindi mit rund 550 Mio. Sprechern (davon ca. 430 Mio. Primärsprachler) bis zu Kleinsprachen wie Veddah im Bergland von Sri Lanka mit weniger als 300 Sprechern.

Die meisten historischen und rezenten Weltsprachen, d.h. Sprachen mit globalem Kommunikationspotential, gehören genealogisch zur indoeuropäischen Sprachfamilie: Griechisch und Lateinisch in der Antike; Spanisch, Portugiesisch, Französisch und Englisch in der Neuzeit (in chronologischer Abfolge seit dem 16. Jahrhundert). Die heiligen Schriften verschiedener Weltreligionen sind in indoeuropäischen Sprachen aufgezeichnet worden: in Griechisch, Lateinisch, Sanskrit, Pali u.a. Wie kam es zu dieser Erfolgsgeschichte der indoeuropäischen Sprachen? Wo liegen ihre Ursprünge?
Auf der Suche nach Sprachverwandtschaften

Über die Verwandtschaft von Sprachen und die Gründe ihrer Unterschiedlichkeit wird seit den frühen Hochkulturen nachgedacht, ohne dass es schon zu systematischer Forschung gekommen wäre. Im Mittelalter identifizierten Gelehrte erstmals die Gruppen der romanischen und germanischen Sprachen, ohne zu erkennen, dass es auch eine Verwandtschaft zwischen diesen Gruppen gab. Rodrigo Jiménez de Rada unterteilte in seinem Werk De rebus Hispaniae (1243) die Sprachen Europas in drei Hauptgruppen: die romanischen, slawischen und germanischen Sprachen. Es sollte aber bis zum 17. Jahrhundert dauern, bis die ersten ernst zu nehmenden Versuche unternommen wurden, übergreifende Sprachfamilien zu identifizieren.

Der Impuls dazu kam von der intensiveren Beschäftigung der Europäer mit Sprache und Kultur Indiens seit der frühen Neuzeit. 1544 übermittelte der des Griechischen und Lateinischen kundige Jesuit und Missionar Francis Xavier die ersten Sprachproben des Sanskrit, den Text einer religiösen Invokation (Om Srii naraina nama) , brieflich nach Europa. Thomas Stevens (1583) und Filippo Sassetti (1585) stellten erstmals Vergleiche zwischen dem Sanskrit und europäischen Sprachen an. Nun entstanden umfangreichere Sammlungen von Proben aus zahlreichen Sprachen. Zu den frühesten Projekten, die Sprachen der Welt zu katalogisieren und zu klassifizieren, gehören die Werke von Theodor Bibliander (De ratione communi omnium linguarum , 1548) und Conrad Gesner (Mithridates , 1555). Gesner stützt seine Sammlungen von Sprachmaterial auf Übersetzungen des Vaterunsers.

Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716) regte rund 150 Jahre später Zar Peter I. an, die Sprachen seines Reichs zu sammeln, aber seine Anregung wurde erst von der deutschstämmigen Zarin Katharina II. (reg. 1762-1796) umgesetzt. Sie engagierte sich zielstrebig für die Sprachforschung und förderte ein geradezu imperiales Projekt zur Sammlung von Sprachproben aus ihrem Vielvölkerstaat und aus aller Welt. Wegen der Erweiterung ihrer Sammlungen korrespondierte Katharina auch mit George Washington, der daraufhin einen Forscher mit der Inventarisierung der nordamerikanischen Indianersprachen beauftragte. Die Sammlungen wurden von dem deutschen Forscher Peter Simon Pallas in zwei Bänden mit dem Titel Linguarum totius orbis vocabularia comparativa (1786, 1789) zusammengestellt (Adelung 1815, Haarmann 1999). Den Höhepunkt erreichte diese Art des Sprachensammelns in dem vierbändigen Monumentalwerk Mithridates oder allgemeine Sprachenkunde (1806-1817), das von Johann Christoph Adelung begonnen und von Johann Severin Vater fortgesetzt und beendet wurde. Das Hauptanliegen dieser Dokumentationen war es, die Sprachen der Welt nach Sprachkreisen oder Sprachfamilien zu klassifizieren.

Der erste Gelehrte, dem es gelang, die Konturen dessen zu

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