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Das Rätsel der Donauzivilisation Die Entdeckung der ältesten Hochkultur Europas von Haarmann, Harald (eBook)

  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Das Rätsel der Donauzivilisation

In den letzten Jahren haben Archäologen immer mehr Belege dafür gefunden, dass es zwischen dem 6. und dem 3. Jahrtausend v. Chr. auf dem Balkan eine Hochkultur gab, die bereits vor den Mesopotamiern die Schrift kannte. Harald Haarmann führt in seinem Buch erstmals umfassend in diese bisher unbekannte, in vielem noch rätselhafte alteuropäische Kultur ein. Er beschreibt Handelswege und Siedlungen, Kunst und Handwerk, Mythologie und Schrift der Donauzivilisation, geht ihren Ursprüngen am Schwarzen Meer nach und zeigt, welchen Einfluss sie auf die Kultur der griechischen Antike und des Vorderen Orients hatte. Harald Haarmann gehört zu den weltweit bekanntesten Sprachwissenschaftlern. Er wurde u.a. mit dem Prix Logos der Association européenne des linguistes, Paris, sowie dem Premio Jean Monnet ausgezeichnet. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 286
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406711534
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 12247 kBytes
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Das Rätsel der Donauzivilisation

Das Puzzle einer 7000 Jahre alten Zivilisation

Die Vorstellung, dass die griechische Zivilisation als erste europäische Hochkultur Licht ins Dunkel der Vorgeschichte gebracht hätte, ist bis heute weit verbreitet. Demnach verdanken wir den Griechen die Grundlagen unserer modernen Welt. Selten wird hinterfragt, ob denn die griechische Zivilisation tatsächlich so originell war, wie wir dies in unserem Schulwissen tradieren. Das vorliegende Buch will dem Leser eine europäische Zivilisation erschließen, die viel älter als die griechische ist und die durch die Forschung in den letzten zwanzig Jahren immer klarere Konturen angenommen hat: Die Donauzivilisation, deren Anfänge im Neolithikum liegen und die ihre Blüte in der Kupferzeit erlebte, hat mit ihren Errungenschaften die Voraussetzungen für den rasanten Aufstieg der griechischen Kultur im ersten Jahrtausend v. Chr. geschaffen.

"Im 5. und frühen 4. Jahrtausend v. Chr. (...) hatten die Alteuropäer Städte mit einer beachtlichen Konzentration an Einwohnern, Tempel, die mehrere Stockwerke hoch waren, eine Sakralschrift, geräumige Häuser mit vier oder fünf Räumen, professionelle Töpfer, Weber, Kupfer- und Goldschmiede und andere Kunsthandwerker, die eine breite Palette hochentwickelter Güter produzierten" (Gimbutas 1991: viii).

Vor zwanzig Jahren war der Begriff "Alteuropa" (Old Europe) in der Regel nur Experten vertraut und die fortschrittliche Kultur der vorgriechischen Bevölkerung war nur schemenhaft bekannt. Vieles von dem, was die amerikanisch-litauische Archäologin Marija Gimbutas (1921-1994) für ihr Mosaik von Alteuropa rekonstruiert hatte, war hypothetisch. Seither hat sich viel getan. Die politischen Umbrüche in Ost- und Südosteuropa nach 1989 haben einen Aufschwung der Forschung und des Kulturschaffens in den neuen unabhängigen Staaten bewirkt und als Folge davon auch eine Intensivierung der Grabungstätigkeit, und zwar sowohl in Südosteuropa als auch in der Ukraine, wo wichtige Fundstätten Alteuropas liegen. Seit Ende des 20. Jahrhunderts hat sich die Materialbasis erheblich erweitert, und die neueren Erkenntnisse lassen keinen Zweifel an der Qualität der vorgriechischen Kulturstufe als der einer Hochkultur. "Zu seiner Blütezeit, um 5000-3500 v. Chr., entfaltete Alteuropa viele der politischen, technologischen und weltanschaulichen Merkmale, durch die sich eine 'Zivilisation' auszeichnet" (Anthony 2009 a: 29). Was wir gestern noch der Vorgeschichte zurechneten, gehört tatsächlich der geschichtlichen Periode an.

Die Anfänge des kulturellen Aufschwungs in Alteuropa liegen in einer Periode ökologischer Umwälzungen. Die Hypothese von einer Großen Flut, in der die Wassermassen des Mittelmeers die bis dahin bestehende Landbrücke am Bosporus durchbrachen, ist heute gut gefestigt. Es ist davon auszugehen, dass über diese Landverbindung Menschen aus Anatolien nach Westen migrierten, die bereits Ackerbau und Viehhaltung kannten. Als Folge der Flut entstand um 6700 v. Chr. das Schwarze Meer, die Küstenlandschaften verwandelten sich nachhaltig. Die drastische Veränderung der Lebensverhältnisse setzte einen Prozess in Gang, in dessen Verlauf es zur Akkulturation der einheimischen (alteuropäischen) Bevölkerung an agrarische Lebensweisen kam, zu kleinräumigen Binnenmigrationen, zu sozioökonomischen Neuerungen und technologischen Innovationen. Dies ist der Prozess des Übergangs von der mittleren zur jüngeren Steinzeit in Europa. Der spätere Klimasturz um 6200 v. Chr. - inzwischen gut erforscht - wirkte sich zunächst hemmend auf die kulturelle Entwicklung aus, hatte aber langfristig deren Beschleunigung zur Folge.

In den letzten Jahren wurden eine Reihe von erstaunlichen Entdeckungen zum Leben der frühen Ackerbauern im Tal der Donau, ihrer Nebenflüsse und in den Einzugsgebieten der Wasserstraßen gemacht: Es gab hier bereits ein rudimentäres Schriftsystem, lange bevor die Schrift in Mesopo

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