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Denken wie ein Neandertaler von Wynn, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.05.2014
  • Verlag: Philipp von Zabern
eBook (ePUB)
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Denken wie ein Neandertaler

Thomas Wynn und Frederick L. Coolidge geben einen faszinierenden Einblick in das wahre Leben und die Kultur des Neandertalers. Sie zeichnen ein bemerkenswertes Porträt des Neandertalers und zeigen auf, wie wir heute noch in Geist und Kultur mit ihm verbunden sind. Thomas Wynn ist Professor für Anthropologie an der Universität von Colorado mit Schwerpunkt Paläolithische Archäologie und Kognitive Evolution.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 288
    Erscheinungsdatum: 01.05.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783805346610
    Verlag: Philipp von Zabern
    Größe: 2079 kBytes
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Denken wie ein Neandertaler

1
Echte Kerle

Wer waren die Neandertaler?

Die Neandertaler waren ein prähistorisches Volk in Europa, das seine kulturellen Blüte vor etwa 200.000 bis 30.000 Jahren hatte. Dieser Satz mag ganz unschuldig klingen, aber schon sind wir mittendrin in der Kontroverse: Die Neandertaler als Volk zu bezeichnen, ist ziemlich riskant. Einige Anthropologen und Psychologen benutzen den Begriff Volk und vor allem den Begriff Mensch ausschließlich für Individuen und Gruppen, die sich in keiner Hinsicht von den heute lebenden Menschen unterscheiden, zumindest biologisch. Sie würden es vorziehen, dass wir Hominini oder Hominiden sagen; das sind Begriffe, die uns heutige Menschen sowie unsere Vorfahren und eine Reihe auf zwei Beinen gehender Verwandter miteinschließen, bis zurück zu unserer evolutionären Abspaltung vom Menschenaffen vor etwa acht Millionen Jahren. Diese Wissenschaftler haben nicht ganz unrecht: Die Begriffe Mensch und Volk sind natürlich voller Implikationen über Verhalten und Kognition. Und das ist genau der Punkt, warum wir sie verwenden möchten. Die Neandertaler waren uns anatomisch und genetisch so ähnlich, dass wir glauben, dass unsere Ausgangsposition in der Diskussion (die Nullhypothese, für Leser, die mit wissenschaftlicher Methodik vertraut sind) sein sollte, dass die Neandertaler sich von uns nicht unterschieden. Von hier ausgehend müssen wir stichhaltige Argumente für etwaige Unterschiede präsentieren.

Unser allererster Satz birgt aber noch einen zweiten Streitpunkt: "Neandertal" oder "Neanderthal"? Als der Neandertaler in den 1850er Jahren entdeckt und beschrieben wurde, da schrieb man das deutsche Wort "Tal" noch mit "th"; somit war der Fundort das Neanderthal und der Fund der Neanderthaler. Anfang des 20. Jahrhunderts änderte man die deutsche Rechtschreibung, fortan hieß es "Tal". Gemäß der Linnéschen Regeln zur biologischen Benennung bleiben manche Forscher lieber bei der Original-Schreibweise. Diejenigen, die die Meinung vertreten, dass die Neandertaler eine eigene Spezies sind, schließen sich dieser Haltung oft an, denn die formale Bezeichnung für die Neandertaler als eigene Spezies lautet Homo neanderthalensis, eine Bezeichnung, die im 19. Jahrhundert eingeführt wurde. Andere halten dagegen, dass "Neandertaler" keine formalwissenschaftliche Bezeichnung ist und dass wir dem aktuellen deutschen Sprachgebrauch folgen sollten. Entscheiden Sie sich, wie Sie möchten.

Die Neandertaler entwickelten sich in Europa aus einem früheren Hominiden, den man als Homo heidelbergensis kennt. Wir "modernen" Menschen sind ebenfalls Nachfahren des Homo heidelbergensis, haben uns aber in Afrika entwickelt. Fossile und genetische Beweise zeigen, dass sich diese beiden Gruppen vor etwa einer halben Million Jahren voneinander trennten. Das ist lange genug, dass sich Unterschiede entwickeln konnten, aber vielleicht doch nicht lange genug dafür, sie in verschiedene Spezies zu unterteilen, was verlangen würde, dass sie nicht in der Lage gewesen wären, sich miteinander fortzupflanzen und zeugungsfähige Nachkommen zur Welt zu bringen. Zunächst lebten die Vorfahren der Neandertaler nur auf dem europäischen Kontinent, doch zur Zeit, als der Neandertaler auf den Plan trat, vor etwa 200.000 Jahren, hatten sie begonnen, sich in Richtung Westasien auszubreiten. Schließlich zogen sie bis ganz nach Usbekistan (nördlich von Afghanistan) und besiedelten weite Teile des Nahen Ostens.

Die letzten Neandertaler lebten offenbar ausschließlich auf der Iberischen Halbinsel, wo sie vor etwa 30.000 Jahren ausstarben. Der moderne Mensch, der sich in Afrika entwickelt hatte, zog vor etwa 60.000 Jahren nach Westasien und kam vor 40.000 Jahren nach Europa. Die meisten Paläoanthropologen glauben, dass der moderne Mensch irgendwie in das Verschwinden der Neandertaler verwickelt war, aber wie genau das passiert sein soll, ist unklar, und auch hier gibt es wiederum manche Kontroverse.

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