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Der gewollte Soldat und sein Wandel Personelle Rüstung und Innere Führung in den Aufbaujahren der Bundeswehr 1956 bis 1964/65 von Nägler, Frank (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.12.2011
  • Verlag: De Gruyter Oldenbourg
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Der gewollte Soldat und sein Wandel

Das Projekt untersucht zunächst das bei Aufstellungsbeginn der Bundeswehr konzipierte Bild des Staatsbürgers in Uniform. Frank Nägler stellt hierbei konkurrierende Lesarten dieses Leitbildes vor und betrachtet sodann dessen Ausprägungen, wie sie in den einschlägigen Gesetzen, Vorschriften und Publikationen ihren Niederschlag gefunden haben. Schließlich wendet sich die Studie der bis 1964 vorgenommenen Aufstellung zu. Analysiert werden dabei die Folgen, welche die Rekrutierung und die damit einhergehenden Krisen für das Binnengefüge der Streitkräfte und für das Leitbild des Staatsbürgers in Uniform gehabt haben.

Produktinformationen

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Der gewollte Soldat und sein Wandel

I. Einleitung (S. 1)

1. Zur Fragestellung

Am 10. April 1965 wurde der NATO die 12. Panzerdivision unterstellt. Damit durfte die Aufstellung eines aus zwölf Divisionen bestehenden Heeres im Wesentlichen als abgeschlossen gelten. Gleichzeitig mit den Heeresverbänden war bis 1965 eine taktische Luftwaffe und eine auf den Einsatz in Ost- und Nordsee zugeschnittene Marine geschaffen worden.

Insgesamt war der Personalumfang der westdeutschen Streitkräfte, welche den eigentlich militärischen Teil der Bundeswehr neben der Bundeswehrverwaltung ausmachten, von Ende 1956: 66 100 Soldaten bis Ende 1965: 440 800 Soldaten stetig angewachsen.

Bis 1970 wurde bei nunmehr unstetigem Anstiegsverlauf der nicht mehr wesentlich über dieser Größe liegende Spitzenumfang von 462 700 Soldaten erreicht, von 1972 bis 1985 bei Umfangsdifferenzen von maximal 7100 die Friedensstärke von 495 000 Soldaten angenähert.

Vergleicht man diese Zahlen mit den entsprechenden Zielvorstellungen der "Himmeroder Denkschrift" von 1950 oder mit dem wenig später vereinbarten Umfang des westdeutschen Beitrages zur EVG, so drängt sich bereits im Hinblick auf den Stand von 1965 der Eindruck einer cum grano salis weitgehend bruchlosen Verwirklichung eines Anfang der 50er-Jahre ausgearbeiteten Programmes auf. Schließlich war schon damals die Rede von zwölf Divisionen, dazu von fliegenden Verbänden sowie einer Küstenvorfeldmarine und etwa einer halben Million Soldaten.

Was zunächst einmal als ein glatter Prozess erscheint, war indes mit zahlreichen Hindernissen und Verwerfungen belastet. Gerät die personelle Seite der westdeutschen Aufrüstung in den Blick, dann fallen Bedingungen auf, die in ihrer Verschränkung allesamt der Aufstellung westdeutscher Verbände im Wege standen.

Dies gilt nicht nur für die auf außenpolitischer Ebene und im parlamentarisch- politischen Raum geführte Auseinandersetzung um die Frage, ob und in welchem Maße die Bundesrepublik rüsten solle. Es gilt gleichermaßen auch für den sich anschließenden Prozess der von den Streitkräften betriebenen Rüstung, deren personelle Komponente (im Unterschied zum materiellen Anteil) Gegenstand des nachfolgenden Beitrages ist.

Dabei richtet sich das Augenmerk auf solche Aspekte der Rüstung, die in Anlehnung an eine von Michael Geyer gebrauchte Unterscheidung nicht der Zueignung, sondern der Aneignung von Rüstung zugeordnet werden können.

Die Zueignung von Rüstung, mithin die Bereitstellung von gesellschaftlichen Ressourcen für die Zwecke des Militärs, berührt das Verhältnis von Staat und Gesellschaft zum Militär. Man könnte dies auch die von der Bundesrepublik unternommene Rüstung nennen.

Die Ergebnisse dieser Rüstung, dass also z.B. eine bestimmte Anzahl von Menschen für die Erziehung und Ausbildung zum Soldaten bereitgestellt wird, gehen als Bedingung in die nachfolgende Rüstung der Streitkräfte, hier in einem streng genommen allerdings verkürzenden Verständnis: der Bundeswehr, zwar ein, sind aber von dem Vorgang der Aneignung, also besagter Erziehung und Ausbildung zum Soldaten, unterschieden.

Im Zuge der Aneignung soll der eben erst Rekrutierte im Regelfall der Ungediente, der bei Aufstellungsbeginn der westdeutschen Streitkräfte zumeist jedoch kriegsgedient war zu einem ebenso einsatzwilligen wie einsatzfähigen Soldaten herangebildet werden.

Wenigstens drei Bestimmungsgrößen scheinen für diesen Prozess maßgeblich zu sein: Zunächst das Kriegsbild, auf das der Einberufene vorbereitet werden soll, sodann Fähigkeiten und Einstellungen, mit denen er, aus der zivilen Gesellschaft kommend, dem Militär gegenübertritt, schließlich die rechtlichen und politischen Vorgaben und Wirkungsmöglichkeiten, die für den Soldaten in Staat und Gesellschaft vorgesehen sind.

Wendet man sich vor diesem Hintergrund den im Vorfeld der Aufstellung in der Bundesrepublik gegebenen Verhältnissen zu, ko

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