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Die NATO-Expansion Deutsche Einheit und Ost-Erweiterung von Brinkmann, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.03.2016
  • Verlag: edition ost
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Die NATO-Expansion

Die NATO steht heute an Russlands Grenze. Gorbatschow sagt: Der Westen habe ihn getäuscht. Gorbatschows Kritiker hingegen werfen ihm vor, er habe sich kaufen lassen. Und die Zyniker meinen, dass er den Preis fu?r die deutsche Vereinigung weitaus höher hätte ansetzen mu?ssen. Der Westen allerdings behauptet, man habe sich an alles gehalten, was vereinbart worden sei. Was stimmt? Tatsache ist, dass die NATO nach Osten expandierte, nachdem die DDR aufgegeben worden war. Die deutsche Einheit und die Osterweiterung stehen in einem kausalen Zusammenhang. Peter Brinkmann hat alle Gespräche, Pressekonferenzen, Verhandlungen und Vereinbarungen von 1989/90 akribisch untersucht. Erstmals wird hier dokumentarisch nachgewiesen, was damals wirklich hinter den Kulissen gespielt wurde. Und man entdeckt, was die Ursachen fu?r den neuen Ost-West-Konflikt sind.

Peter Brinkmann, geboren 1945 in Cloppenburg, studierte Jura, Volkswirtschaft und Politik. Danach war er als Journalist bei der "Welt" in Bonn und als Wirtschaftsredakteur bei "Bild" in Hamburg tätig. Im Herbst 1989 akkreditierte er als erster Korrespondent der "Bild" in der DDR-Hauptstadt. Später war Brinkmann Chefkorrespondent beim "Berliner Kurier" und Moderator bei TV Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 22.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360510365
    Verlag: edition ost
    Größe: 1712 kBytes
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Die NATO-Expansion

Washington stellt unterdes die Weichen

Am Abend des 11. November lud Marlin Fitzwater ins Oval Office des Weißen Hauses. Der glatzköpfige, stämmige Endvierziger diente schon Präsident Reagan als Pressesprecher, Nachfolger Bush beließ ihn in der Funktion des White House Press Secretary . Die Journalisten und Fernsehreporter erlebten einen sichtlich um Gelassenheit bemühten Präsidenten, doch die aufmerksamen Beobachter registrierten durchaus, dass George Bush ziemlich nervös an seinem Füllfederhalter drehte.

Der ehemalige CIA-Direktor Bush hatte sich bereits Vorwürfe anhören müssen. Wieso habe er sich nicht unverzüglich nach Berlin begeben, der Präsident müsse Flagge zeigen und die Lücken in der Mauer persönlich in Augenschein nehmen. Bush reagierte besonnen wie Kennedy 1961 bei der Errichtung der Mauer. Der hatte sich auch nicht zu einem demonstrativen Auftritt überreden lassen und war erst zwei Jahre später nach Westberlin geflogen. Bush dachte zudem strategisch: Er wollte in dieser Situation die Russen nicht verärgern und sie ihre Niederlage durch eine Demonstration des Triumphes spüren lassen. Bush brauchte Gorbatschow - auch für den denkbaren Fall, dass die Falken im Kreml versuchten, das Rad der Geschichte zurückzudrehen.

Also musste er wohl oder übel die Vorhaltungen und Forderungen aus dem westlichen Lager und im eigenen Hause aus- und also stillhalten. Wiederholt erklärte er öffentlich wie auch im privaten Kreis: "Ich werde nicht auf der Mauer tanzen." Keine Frage: Auch Washington war sich nicht sicher, dass die Prozesse bereits unumkehrbar waren. Sicherheitsberater Brent Scowcroft versteckte sich hinter der Erklärung, die von der DDR gewährte Freizügigkeit sei noch längst kein Grund anzunehmen, dass Moskau oder Ostberlin "das ostdeutsche Volk seinen eigenen Weg und damit den Staat zum Teufel gehen" ließen. Entweder konnte Bushs Berater sich nicht vorstellen, dass Gorbatschow die DDR aus dem Warschauer Pakt entlassen würde ("Nichts hat sich an der grundlegenden Tatsache, dass Ostdeutschland ein kommunistischer Staat im sowjetischen Machtbereich ist, geändert, und aller Wahrscheinlichkeit nach wird es auch immer so bleiben"), oder Scowroft sagte so etwas aus taktischem Kalkül. Oder um im Bild zu bleiben: Er pokerte mit.

Auf diplomatischen Kanälen allerdings, so ließ der sowjetische Botschafter Kotschemassow Staats- und Parteichef Krenz am Abend des 12. November wissen, machten die Amerikaner Druck: Sie wünschten, dass die Mauer am Brandenburger Tor geöffnet werde. Ohne es explizit zu sagen, ahnten Kotschemassow und Krenz, was der Grund für diese "Bitte" war. US-Präsident Reagan hatte bei seinem Besuch am 12. Juni 1987 in Westberlin, mit dem Brandenburger Tor im Rücken, den Satz ausgerufen: "Mr. Gorbachev, tear down this wall!".

Diese symbolträchtige "Berlin Wall Speech" sollte sich nun erfüllen. Auf einen Grenzübergang mehr oder weniger kam es jetzt gewiss nicht mehr an. Also auf damit!

Egon Krenz reagierte auf dieses Ansinnen sowohl mit dem Hinweis, dass diese Frage aus Sicherheitsgründen in Moskau entschieden werden müsse, schließlich befände sich unweit des Tores die sowjetische Botschaft, als auch mit einem Zitat des Bundespräsidenten. Richard von Weizsäcker. Der hatte einmal gesagt: "Die deutsche Frage ist so lange offen, wie das Brandenburger Tor geschlossen ist."

Womit Egon Krenz deutlich machen wollte, dass die deutsche Zweistaatlichkeit nicht zur Disposition stehe und er darum dagegen sei.

Diese Bemerkung des Bundespräsidenten hatte übrigens auch Reagan 1987 in seine Rede vom Brandenburger Tor eingebaut und pathetisch fortgeführt: "Es ist nicht die deutsche Frage allein, die offen bleibt, sondern die Frage der Freiheit für die gesamte Menschheit." 18

Wenn sich Ostberlin und Moskau dessen erinnert hätt

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