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Geschichte digital Historische Welten neu vermessen von Koller, Guido (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.04.2016
  • Verlag: Kohlhammer Verlag
eBook (ePUB)
22,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Geschichte digital

Die digitale Kommunikation prägt inzwischen das Berufsbild der Historiker entscheidend. Heute ist Norm, was vor 20 Jahren noch Ausnahme war: Historische Welten werden digital vermessen und analog interpretiert. Wie Historiker denken, lehren, schreiben ändert sich durch die Digitalisierung schon heute und wirkt auf das Schreiben von Geschichte zurück: Mit Algorithmen verarbeiten Forscher heute große Datenmengen, die völlig neue Perspektiven und Herangehensweisen an die historischen Quellen ermöglichen. Das Buch beschreibt den Stand des digitalen Wandels für die Geschichte als Teil der Geisteswissenschaften und diskutiert die Perspektiven über die Zukunft des Big Data in den historischen Wissenschaften. Ein Serviceteil, in dem Infrastrukturen, Portale, Tools, Standards und Blogs vorgestellt werden, ergänzt dieses Buch. Guido Koller ist Historiker und arbeitet im Schweizerischen Bundesarchiv.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 157
    Erscheinungsdatum: 20.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783170289314
    Verlag: Kohlhammer Verlag
    Originaltitel: Digital History
    Größe: 3242 kBytes
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Geschichte digital

1

Die stille Revolution: Algorithmen, Daten und Netze

Wir sind uns oft gar nicht bewusst, wie rasch digitale Innovationen die Welt verändern. Google zum Beispiel hat als ein von der amerikanischen Forschungsbehörde subventioniertes Projekt begonnen und nur kurze Zeit später unsere Medien- und Wissenswelt mit seiner mächtigen Suchmaschine (und anderen Angeboten) komplett verändert. Das gilt auch, um ein zweites Beispiel zu nennen, für Stats Monkey , ein von Studenten in den USA entwickeltes Schreib-Programm, das nun selbstständig zum Beispiel einfache Sportberichte erstellt. Die aus Agenturmeldungen halbautomatisch generierten Inhalte für Medien sollen es ermöglichen, durch Preissenkungen Leserinnen und Leser zurückzugewinnen, welche Zeitungen im Zuge der Digitalisierung an das Internet verloren haben. Kurz: Algorithmen erlauben es, Kulturtechniken zu automatisieren. Damit verliert der Mensch eine bis dahin ihm vorbehaltene Domäne an die Maschine.

Für die Historiographie stellt sich die Frage, ob die neuen digitalen Medien "geschichtsmächtig" sind. Sie verwandeln Raum und Zeit in fließende Kategorien, deren Grenzen zu verschwimmen scheinen. Digitale Medien besitzen eine Tiefendimension, die wir noch gar nicht vollständig ausgelotet haben. Arbeiten vernetzen sich, werden im Internet öffentlich zugänglich, der Zugang zu den Quellen beschleunigt sich und die Vermittlung von Forschungsresultaten erfolgt immer häufiger im Internet. Es findet eine Öffnung statt, welche die Grenzen zwischen den Produzenten und den Konsumenten von historischem Wissen verwischt. Immer mehr Nutzerinnen und Nutzer sind bereit, in Wertschöpfungsketten Arbeiten zu übernehmen, die zuvor Produzenten erledigt haben. Diese Verlagerung führt zu einer massiven Erweiterung des Kreises von Personen, die sich beteiligen. Kurz: Das Potenzial des digitalen Wandels für geisteswissenschaftliche Innovationen ist ohne Zweifel groß.

Für die Geschichtswissenschaft ist essentiell, dass sie der Offenheit des Web Standards für die Qualität von Inhalten gegenüber stellt. Das Netz verändert die Beziehungen zwischen Individuum, Kollektiv und Wissen: Dem Verlust von individueller Autorität in Bezug auf Wissen steht der Gewinn von Bedeutung in der kollektiven historischen Sinnbildung gegenüber. Um das organisatorisch zu bewältigen, braucht es neue Forschungsinfrastrukturen. Die Summe all dieser Faktoren ergibt dann eine neue "digitale Geschichtswissenschaft", sagt Wolfgang Schmale. 18 Auch das Massachusetts Institute of Technology (MIT) schätzt das geisteswissenschaftliche Potenzial des digitalen Wandels als hoch ein:

"The Digital Humanities will revitalize the liberal arts tradition in the electronically inflected, design-driven, multimedia language of the twenty-first century" ,

fassen die Autoren und Autorinnen diesen Wandel einleitend zusammen. 19 Es geht dabei nicht allein um den Aufbau von digitalen Speichern und das Schaffen von Konventionen für den Zugang, die Nutzung und Publikation digitaler Verzeichnisse, Quellen und Textprodukte, sondern um viel mehr: Der Wechsel von analogen zu digitalen Medien und moderne Web-Technologien ziehen zahlreiche Möglichkeiten wie auch Zwänge nach sich. Dies erfordert ein experimentelles Denken und ein Wirken über die digitale beziehungsweise analoge Spaltung hinweg.

Die Geschichtswissenschaft benötigt Innovationen, einen Weg, um Wissen mit neuen Kompetenz-Sets wie Data-Mining, Inhaltsmodellierung und Design zu produzieren. Benötigt werden eigene Programmiersprachen und neue, nicht ausschließlich quantitative Techniken, wie wir sie heute schon kennen: Interpretatives Mapping, Visualisierung und andere Methoden könnten dann unseren Analysen historischer Welten Formen verleihen, die kulturell und medial unseren hybriden Lebenswelten

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