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Grüezi und Willkommen Die Schweiz - Ein Länderporträt von Sitzler, Susann (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.09.2013
  • Verlag: Ch. Links Verlag
eBook (ePUB)
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Grüezi und Willkommen

Es heißt 'Grü-ezi' und nicht 'Grüzzi'. Damit fängt es an. Aber es gibt noch viel mehr, was die Deutschen von den Schweizern nicht wissen. Eigenwillig können diese sein und überraschend dickköpfig. Auch die 'Grundharmlosigkeit' wird sich bei näherer Betrachtung als ein Irrtum herausstellen. Nicht umsonst ist die Schweiz immer noch das reichste Land Europas. Susann Sitzlers Buch zeigt, woher die schweizerischen Vorurteile den Deutschen gegenüber kommen. Viele Verhaltens- und Umgangsweisen der Schweizer begreifen die Nachbarn nicht oder ignorieren sie einfach. Das steht mancher Freundschaft im Wege. 'Grüezi und Willkommen' bietet eine fundierte Betrachtung der gegenwärtigen Schweiz und gibt Aufschluss über Wesen und Gefühlslage der Eidgenossen. Der Leser lernt die Parallelwelten des Landes kennen, die Konventionen am Arbeitsplatz und im Privatleben, aber er erfährt auch, wie es die Schweizer mit der Liebe halten und wozu ihr hochtrainiertes Namensgedächtnis gut ist. Und wer das Land lieben gelernt hat, findet heraus, was er tun muss, um für immer zu bleiben. Jahrgang 1970; Studium der Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte in Basel; journalistische Arbeit seit 1993; lebt seit 1996 als freie Printjournalistin und Radioautorin in Berlin; Reportagen und Porträts für Printmedien, publizistische Beiträge in Anthologien, Features und Reportagen für DeutschlandRadio Berlin, Schweizer Radio DRS u.a.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 06.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862842322
    Verlag: Ch. Links Verlag
    Größe: 1093 kBytes
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Grüezi und Willkommen

Grüezi und Willkommen in der Schweiz,
du Sauschwoob! - Von einem Abgrund,
den man nicht sehen kann

"Sie mögen uns. Aber wir mögen sie nicht."

Unbekannte Schweizerin

Sie sehen gleich aus, aber sie verhalten sich anders. Das ist in etwa der Grundkonflikt des Alltags zwischen den Schweizern und den Deutschen. Die einen nehmen sich das Recht, etwas lauter, etwas selbstbewusster, etwas weniger unauffällig zu sein. Es sind nicht die Schweizer. Da beginnt das Problem. Für die Deutschen ist die Schweiz meistens wunderschön. Kaum über der Grenze, setzen Wiedererkennungseffekte ein, die sonst nur New York bietet: Alles sieht genau so aus, wie man es schon hundertmal auf Bildern oder im Film gesehen hat. An besonders guten Tagen scheinen die Farben hinter der Grenze sogar plötzlich stärker, leuchtet der Himmel blauer und die Wiesen satter. Selbst die Menschen wirken auf einen Schlag besser angezogen. Und die Einheimischen sagen tatsächlich "Grüezi" in dieser niedlichen Sprache: putzige Kehllaute und ein netter, bedächtiger Tonfall. Alles suggeriert diese Grundharmlosigkeit, für die man die Eidgenossen so mag. Willkommen in der Schweiz! Lassen Sie sich nicht täuschen. Ein Schweizer ist nicht harmlos. Und eigentlich ist er auch nicht freundlich gesonnen. Vor allem nicht, wenn ein Deutscher auf ihn zukommt.

In der Schweiz ein Deutscher zu sein bedeutet ein Manko. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird ein Einheimischer ihn zunächst in die Schublade "Sauschwoob" einsortieren, was soviel wie "Sauschwabe" heißt. Es spielt dabei keine Rolle, ob der Besucher aus dem Bayerischen Wald oder aus Ostfriesland kommt. Das kann ein Schweizer ohnehin nicht unterscheiden. Bemerken wird der Deutsche davon zunächst nichts. Denn in seiner Gegenwart wird der Schweizer sich noch zuvorkommender als sonst verhalten. Und er wird sofort in die Hochsprache wechseln. Nicht weil er dem Gast das Verständnis erleichtern möchte. Sondern weil er davon ausgeht, dass der Sauschwoob a) sowieso keine Fremdsprachen kann oder wenn, dann nur mit katastrophalem Akzent. Und b) will er sich auf keinen Fall anschließend ärgern müssen, dass der Deutsche ihn automatisch in Schriftdeutsch anspricht, weil er voraussetzt, dass man bereit ist, auf ihn einzugehen. Jüngere, städtische Schweizer werden das von sich weisen. Und gleich darauf relativieren, "dass es in letzter Zeit schon ziemlich viele geworden sind". Seit 2005 machen die Deutschen die größte Zuwanderungsgruppe der Schweiz aus. Ungefähr eintausend Deutsche ziehen jeden Monat allein nach Zürich. Im Februar 2007 lancierte die Schweizer Boulevardzeitung "Blick" eine Kampagne mit dem Titel "Wie viele Deutsche erträgt die Schweiz?" Es lässt sich nicht leugnen, dass die Schweizer schon immer ziemlich schwere Vorurteile gegen die Deutschen hatten. Und dass neue dazugekommen sind.

Mit dem Zug fahre ich von Basel nach Zürich. An jedem Fenster klebt ein großes Schild. Mit Worten und Bild macht es deutlich, dass hier drin I-pod und Natel (Handy) unerwünscht sind. Ich habe ein "Ruheabteil" erwischt, das es in vielen Schweizer Zügen gibt. Man hört nur das Blättern der anderen Reisenden in ihren Zeitschriften. Nach zehn Minuten kommt ein gut angezogener Mann mit einem ledernen Aktenköfferchen herein. Er hängt seinen Mantel auf, kramt im Köfferchen und beginnt laut zu telefonieren. Ein Deutscher. Ich lebe schon lange in Deutschland und die Deutschen sind mir vertraut. Das fällt in diesem Moment von mir ab. "Du verdammter Sauschwoob", denke ich, "meinst wieder einmal, für dich gelten andere Regeln?" Ich starre ihn böse an. Er ignoriert mich. Die anderen Reisenden drehen auch schon die Köpfe und schauen demonstrativ zu ihm hin. Er wendet sich dem Fenster zu, wo das Schild klebt, und redet weiter. In Deutschland habe ich gelernt, jetzt aufzustehen und ihm zu sagen, er möchte bitte draußen telefonieren,

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