text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Ich werde nicht zerbrechen Eine Frau auf dem Weg zum Tahrirplatz. Wie ich nach der Ermordung meines Mannes weiterkämpfte von Maklad, Shahinda (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.05.2012
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Ich werde nicht zerbrechen

Nachdem Shahindas Ehemann Salah von politischen Gegnern umgebracht wurde, führt die mutige junge Ägypterin dessen Kampf für die Rechte der Bauern weiter. Sie wird immer wieder verhaftet und verhört. Doch viel schlimmer ist, dass auch ihre Kinder bedroht werden. Als die jungen Leute in Kairo gegen das korrupte Mubarak-Regime auf den Tahrir-Platz ziehen, ist Shahinda Maklad vom ersten Tag an bis zum Rücktritt des Präsidenten dabei.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 18.05.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838716022
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 10200 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Ich werde nicht zerbrechen

Kapitel 1
Wie ich von der Not der Bauern erfuhr ...

D er Besucher sah neben meinem Vater erbärmlich aus. Zumindest auf den ersten Blick, den ich als verwöhnte neunjährige Tochter eines hohen Polizeioffiziers auf ihn werfen konnte. Der alte Mann war klein, sehr mager und trug die schlichte Galabeya eines Fellachen. Mein Vater hingegen war ein gut aussehender mittelgroßer Mann. Wenn er in seiner Uniform durch die unterägyptische Stadt Tanta lief, in der er damals der Polizeichef war, schielte so manches Mädchen nach ihm. Unserem Besucher passierte das sicher nicht, aber er glich die armselige äußere Erscheinung durch einen wachen Blick aus und durch das freundliche Lachen, mit dem er mich begrüßte. Dennoch war nicht zu übersehen, dass er sich offenbar in einer verzweifelten Situation befand. Er sprach leise und hektisch auf meinen Vater ein, der ihn höflich in den Salon bat und ihm dabei beruhigend auf die Schulter klopfte. Mich hingegen schickte er in die Küche, wo ich mithelfen sollte, unserem Gast ein Mittagsmahl zuzubereiten. Das tat er sonst nie. Schließlich hatten wir einen Koch, der das viel besser konnte. Mir war klar, dass mein Vater sich mit diesem Mann im Salon unseres Hauses allein unterhalten wollte. Das war nichts Ungewöhnliches, denn er diskutierte dort oft mit diesen oder jenen Besuchern über irgendwelche politischen Dinge. Mein Vater sympathisierte mit der Wafd-Partei, der stärksten gesellschaftlichen Kraft im damaligen Ägypten. Jeder seiner Gesprächspartner war ein Effendi, also ein Herr. Sie waren Rechtsanwälte, Offiziere oder Ärzte. Da verstand es sich von selbst, dass sie mich nicht dabeihaben wollten. Dieser Mann aber war ein Fellache, ein Bauer. Was hatte mein Vater mit ihm zu besprechen? Eine vage Antwort darauf gab er mir am Abend, als mir meine Neugier keine Ruhe gelassen und ich nachgefragt hatte: "Das war Sheikh Abdel Latif Abou Laban, ein tapferer Mann aus Kamshish."

Ich kannte Kamshish, es war ein altes Dorf, ein sehr altes sogar, denn es wurde in der Liste der pharaonischen Dörfer geführt. Mein Vater war dort aufgewachsen, wo auch vor 3000 Jahren schon Bauern die Felder bestellten. Hier stand sein Elternhaus. Ich aber wurde im November 1938 im benachbarten Shebin El-Kom, bei meinen Großeltern mütterlicherseits, geboren. Noch heute ist es in den ländlichen Gebieten Ägyptens üblich, dass das erstgeborene Kind im Elternhaus der Mutter zur Welt kommt. Meine frühe Kindheit habe ich an den wechselnden Standorten meines Vaters verbracht. Nun also lebten wir in Tanta. Diese Stadt ist nicht allzu weit von Kamshish entfernt, aber um die Ecke lag Tanta auch nicht gerade. Was also mochte Sheikh Abdel Latif Abou Laban zu uns geführt haben?

"Warum ist dieser Mann tapfer?", fragte ich und erhoffte mir in meiner kindlichen Naivität eine heldenhafte Geschichte.

Mein Vater sah mich eine kleine Weile nachdenklich an, ehe er mir erklärte: "Der Großgrundbesitzer Ahmed El-Feki wollte ihn zwingen, sein Land zu verkaufen, so wie er es auch bei anderen Familien getan hat. Aber Sheikh Abdel Latif Abou Laban weigerte sich und sagte, dass er es nicht für eine Million hergeben würde. Wer Land verkaufe, das die eigene Familie seit vielen Generationen bestellt, sei jemand, der seine Ehre verrät."

"Ist das tapfer? Er hat nein gesagt - na und? Das ist sein Recht!", erwiderte ich enttäuscht.

"Natürlich ist das sein Recht. Aber in Kamshish ist das schon tapfer, denn mit einer solchen Antwort gibt sich Ahmed El-Feki nicht zufrieden. Dort gibt es freie Bauern wie Sheikh Abdel Latif Abou Laban und viele unfreie Landarbeiter, von denen einige früher auch mal freie Bauern waren, die nun aber für den Großgrundbesitzer Ahmed El-Feki arbeiten müssen. Und wenn es nach dem ginge, wäre auch Sheikh Abdel Latif Abou Laban ein solcher unfreier Lohnarbeiter. Doch weil er sich weigerte, hat Ahmed El-Feki seine Felder angezündet und auch das Haus abbrennen las

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen