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Israel von Brenner, Michael (eBook)

  • Erschienen: 28.01.2016
  • Verlag: Beck
eBook (ePUB)
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Israel

Juden waren über Jahrhunderte verfolgte Außenseiter. Die Gründung des Staates Israel sollte endlich eine ganz normale Heimat für sie schaffen. Doch heute sieht sich der jüdische Staat selbst in der Rolle des misstrauisch beobachteten Außenseiters. Michael Brenner erklärt, wie es dazu kommen konnte. Er verwebt auf meisterhafte Weise die politische und gesellschaftliche Entwicklung Israels mit der Geschichte seiner Selbstentwürfe, Träume und Traumata. Nur wer diese Tiefendimension kennt, kann das große kleine Land, das immer wieder die Welt in Atem hält, wirklich verstehen.

Michael Brenner ist Inhaber des Lehrstuhls für Jüdische Geschichte und Kultur an der Universität München und Direktor des Center for Israel Studies an der American University in Washington, DC. Daneben nimmt er viele weitere Funktionen wahr, u.a. als Internationaler Präsident des Leo Baeck Instituts und ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Bei C.H.Beck erschienen von ihm u.a. 'Kleine jüdische Geschichte' (2008) und 'Geschichte der Juden in Deutschland. Von 1945 bis zur Gegenwart' (Hg., 2012).

Produktinformationen

    Größe: 7325kBytes
    Herausgeber: Beck
    Untertitel: Traum und Wirklichkeit des jüdischen Staates
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 288
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783406688232
    Erschienen: 28.01.2016
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Israel

Die Sehnsucht nach Normalität

"'Wie ist es in Palästina?' 'Anders, meine Lieben!' antwortete ich. 'Ganz anders wie in allen anderen Ländern unserer Erdteile ... Denn Palästina ist nicht von dieser Welt! '"

Else Lasker-Schüler[ 1 ]
Ein Staat wie jeder andere?

Der in Oxford lehrende Philosoph Isaiah Berlin erzählte gerne davon, wie Chaim Weizmann einmal in den dreißiger Jahren auf einer Party von einer britischen Lady, die den führenden Zionisten und späteren ersten Staatspräsidenten Israels bewunderte, gefragt wurde: "Dr. Weizmann, ich verstehe Sie nicht. Sie gehören dem kultiviertesten, zivilisiertesten, klügsten und kosmopolitischsten Volk an, und Sie wollen das alles aufgeben, um so zu werden wie - Albanien?" Weizmann, so berichtete Berlin weiter, grübelte langsam und bedächtig über diese Frage, dann leuchtete sein Gesicht auf, und er rief begeistert aus: "Ja! Albanien! Albanien!"[ 2 ]

Berlin selbst wurde einige Jahre später von dem russisch-französischen Philosophen Alexandre Kojève eine ähnliche Frage gestellt: "Die Juden mit ihrer reichhaltigen und außerordentlichen Geschichte, wundersame Überlebende der klassischen Epoche unserer Zivilisation - dieses faszinierende Volk sollte seine Einzigartigkeit aufgeben? Wofür? Um ein anderes Albanien zu werden! Wie können sie das nur wollen?" Berlins Antwort war scharf: "Wie auch immer es für die Welt im Allgemeinen erscheinen mag; die Auster dafür zu verdammen, dass sie das Leiden vermeiden möchte, das zu einer Krankheit führt, die in manchen Fällen eine Perle entstehen lässt, ist weder vernünftig noch gerecht. Die Auster möchte das Leben einer Auster führen, sich als Auster verwirklichen und nicht nur das unglückliche Medium sein, das die Welt um den Preis des eigenen Leidens mit Meisterwerken der Kunst oder Philosophie oder Religion beglückt."[ 3 ]

Die Geschichte Israels ist zum einen der Versuch, nicht mehr der ewige Andere zu sein. Der am Ende des neunzehnten Jahrhunderts entstandene Zionismus bot eine Antwort auf das, was damals als "Judenfrage" in aller Munde war. Er wollte die Juden zu einem ganz normalen Volk mit einem ganz normalen Staat machen. Ein ganz normaler Staat - genau dafür stand das kleine, 1912 unabhängig gewordene Albanien symbolhaft.[ 4 ] Die Zionisten wollten aus der klassischen Rolle der Juden als die Außenseiter, als die "Anderen" in der Geschichte fliehen. Der deutsch-jüdische Philosoph - und Antizionist - Hermann Cohen brachte es einmal auf den Punkt, als er - halb abwertend und halb anerkennend - auf die Frage antwortete, was die Zionisten denn eigentlich wollen: "Die Kerle wollen glücklich sein."[ 5 ] Der Wunsch, die mit viel historischer Tragik bekleidete Außenseiterrolle abzulegen, ist in die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel aus dem Jahre 1948 eingegangen, in der es heißt: "Es ist das natürliche Recht des jüdischen Volkes, ein Leben wie jedes andere Volk in einem eigenen souveränen Staat zu führen." Dieser Drang, so zu sein "wie alle anderen", war in der langen jüdischen Geschichte nicht gerade neu. Der Wunsch nach Normalität findet seinen Ausdruck schon in der Hebräischen Bibel. Das 1. Buch Samuel berichtet davon, wie die Ältesten des Volkes Israel vom greisen Richter Samuel verlangen: "Gib uns einen König, der uns richte wie alle anderen Völker." (8:5) Auch wenn Samuel sich anfangs weigerte und Gott das Königtum nicht guthieß, bestand das Volk doch darauf, so zu sein "wie alle anderen Völker".

Doch die Geschichte des Staates Israel entspringt nicht nur dem Wunsch, so zu sein wie die anderen, sondern ist gleichzeitig aus der Idee heraus geboren, anders zu sein und ein Vorbild für den Rest der Welt darzustellen. Auch die Vorstellung vom "auserwählten V

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