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Macht euch von unserem Acker Westdeutsche auf Reisen im Osten von Allertz, Robert (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.08.2012
  • Verlag: Spotless
eBook (ePUB)
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Macht euch von unserem Acker

Pointierte Berichte über westdeutsche Reisegruppen und deren Kommentare bei Besichtigungen von Einrichtungen im Osten. (Die Kirche riecht aber muffig. - Kein Wunder, schließlich war sie bei den Kommunisten 40 Jahre zugemauert.) Es handelt sich ausnahmslos um authentische Begebenheiten, die Reiseführer bei Recherchen in Ostdeutschland dem Autor berichtet haben und von ihm notiert wurden. Die meisten Besucher kommen nicht, um sich zu informieren, sondern um ihre Vorurteile und ihr Un- und Halbwissen bestätigt zu bekommen. Etwa, ob 'ihr Geld' gut angelegt sei (womit sie ihren Soli-Beitrag meinen).

Robert Allertz, geboren 1951, Spezialglasfacharbeiter, Diplomjournalist, Oberleutnant zur See d. R., Autor verschiedener Publikationen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 120
    Erscheinungsdatum: 10.08.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783360510082
    Verlag: Spotless
    Serie: Spotless
    Größe: 2903 kBytes
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Macht euch von unserem Acker

"Preise wie auf Sylt. Eine Unverschämtheit!"

"Du nimmst die Reisegruppe aus Hessen?"

Katharina ist sauer über die Zuteilung, doch ihr Widerstand mäßig. Meckern ist schlecht fürs Geschäft. Beim nächsten Mal bekäme sie nicht mal mehr Hessen zugeteilt.

Touristen aus Hessen stehen auf der Beliebtheitsskala ganz unten. Sie gelten mehrheitlich als geizig, anmaßend und auf Krawall gebürstet. Selten, dass Ärger ausbleibt, wenn man mit ihnen unterwegs ist. Es gibt Klagen von Einheimischen, Dienstleistern und Kooperationspartnern des Reiseunternehmens. Nimmt man die Häufigkeit ihres Widerspruchs zu den Ausführungen des Reiseführers als Kriterium, gehören die Hessen zu den klügsten Deutschen überhaupt. Nichts, was sie nicht besser wüssten. Natürlich haben die Russen damals Deutschland überfallen, einen Teil des Landes besetzt und den Kommunisten in der Sowjetzone die Macht übertragen. Danach haben sie die Ostdeutschen eingemauert, die Oppositionellen ins Gefängnis geworfen, und jene, die nicht einsaßen, hat die Stasi bespitzelt. Auf Druck des Westens und Gorbatschows mussten die Kommunisten 1989 aber die Mauer öffnen, und danach hat Kohl die deutsche Einheit hergestellt. Dann wurde viel Geld in den Osten gepumpt, welches jetzt im Westen fehlt. Doch statt dankbar zu sein, wählten die Ossis wieder die Kommunisten, die doch gerade erst aus ihren Ämtern vertrieben worden waren. Verstehe das, wer will ...

Ja, sie wussten alles ganz genau, konnten alles erklären, nur eben das nicht: Warum wählten die Zonendödels PDS? Aber bekanntlich folgt der Wahnsinn keinen Regeln. Die Ossis waren eben unvernünftig und verhielten sich irrational, basta. Sie verursachten nur Kopfschütteln bei den Hessen. Und deshalb: keinen zusätzlichen Cent für dieses Irrenhaus und deren Insassen.

Katharina weiß, was sie erwartet, wenn sie mit einer Hessen-Gruppe unterwegs ist.

Als sie zusteigt und den Blick über die Reihen gleiten lässt, findet sie optisch ihre Erwartungen bestätigt. Durchschnittsalter um die 70, keiner der Reisenden unter 50. Vielen stehen Ablehnung und Desinteresse ins Gesicht geschrieben, die Mundwinkel hängen wie bei Frau Merkel tief nach unten. Warum, fragt sich Katharina, verreisen solche Menschen überhaupt? Was veranlasst die älteren Herrschaften, im Reisebüro eine mehrtägige Reise nach Meckpomm zu buchen? Der Erholung wegen wohl kaum: Busreisen mit Programm sind anstrengend, insbesondere in diesem Alter. Ist es menschliche Neugier? Aber worauf? Auffällig interessiert ist selten einer. Ist es eine Art Erinnerungstourismus? Sie haben den Kalten Krieg erlebt, sucht man nach dessen Spuren im Osten? In den 50er Jahren haben sie Kerzen ins Fenster gestellt, um den "Brüdern und Schwestern in der Zone" zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind. Sie haben in den 60er Jahren Pakete mit Puddingpulver und Trockenerbsen "nach drüben" geschickt und alles von der Steuer abgesetzt. In den 70ern besuchten sie die Verwandten, um deren bewundernde Blicke für das chromblitzende Auto - egal, ob es gemietet oder gekauft war - selbstgefällig zu registrieren. Und in den 80er Jahren heuchelten sie Mitgefühl für die "unabhängige Friedensbewegung" in der DDR, die Schwerter zu Pflugscharen schmiedete, obgleich es gewiss ausreichend Gründe gegeben hätte, dies auch im Westen zu tun.

Wollten sie nun sehen, was vom Kalten Krieg und ihrem Einsatz damals geblieben ist?

Katharina trägt das Tagesprogramm vor: Ahrenshoop, Prerow, Zingst - die Halbinsel Fischland-Darß. Sie rühmt die weiten Strände und das Naturschutzgebiet im Hinterland. In Prerow werde man Mittagspause machen und danach noch einen Abstecher in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.

Das Fahrzeug setzt sich in Bewegung. Der Bus gleitet über glatten Asphalt und durch saubere Dörfer sanft dahin. Die weißen Streifen s

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