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Politik der Ehre Die Rehabilitierung der Berufssoldaten in der frühen Bundesrepublik von Manig, Bert-Oliver (eBook)

  • Verlag: Wallstein
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Politik der Ehre

Im Offizierskorps der Wehrmacht verbanden sich die deutschen Oberschichten besonders eng mit dem Nationalsozialismus. Bert-Oliver Manig geht der Frage nach, wie es gelang, diese durch den Zusammenbruch der Diktatur deklassierte Elite des Dritten Reiches in die westdeutsche Demokratie zu integrieren. Er beschreibt den politischen Prozeß ihrer gesellschaftlichen Rehabilitierung und seine Folgen für die politische Kultur der Bundesrepublik.Der politische Kampf der Berufssoldaten um die Anerkennung ihrer materiellen Ansprüche und ihrer sozialen Ehre war ein bisweilen spektakulärer Vorgang, der im In- und Ausland Wellen schlug. Der Autor zeigt, wie die weitreichende Rehabilitierung dieser Gruppe, die zu Beginn der Bundesrepublik über eine beachtliche Verhandlungsmacht verfügte, zunächst nationalistische Stimmungen nährte, letztlich aber das bürgerliche Lager stärkte, insbesondere die CDU. Paradoxerweise trug die Anerkennung der soldatischen Ehre wesentlich zur Berufung der bundesrepublikanischen Demokratie auf das Erbe des Widerstands gegen Hitler bei - eine kompensatorische Abgrenzung gegenüber dem rechten Nationalismus, die weniger dem antitotalitären Konsens der Nachkriegszeit oder der sozialdemokratischen Gegenmacht als vielmehr der Aufsicht durch die Besatzungsmächte zu verdanken ist, wie der Autor im Gegensatz zu einer verbreiteten Legende nachweist. Bert-Oliver Manigs Darstellung eines bislang vernachlässigten Themas ist ein Beitrag zu einer Erfahrungsgeschichte der deutschen Funktionseliten im Übergang vom Nationalsozialismus zur Bundesrepublik. Sie trägt wesentlich zum Verständnis der Entstehungsbedingungen der zweiten deutschen Demokratie und ihrer politischen Kultur bei.

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Politik der Ehre

5. Soldatische Ehre und politische Respektabilität. Die Rehabilitierung der Soldaten als Angebot bürgerlicher Integration 1952/53 (S. 449-450)

Im Dezember 1951 erfolgte eine Reihe von Weichenstellungen, die für die politische Integration der ehemaligen Berufssoldaten von weitreichender Bedeutung waren: die nach innen und außen gerichtete Botschaft der Bundesregierung, westdeutsche Streitkräfte nicht in der Tradition des preußisch-deutschen Modells aufzubauen, sondern deren "inneres Gefüge " den demokratischen Anforderungen anzupassen; damit eng verbunden die Ausrichtung am vermeintlichen Erbe des 20. Juli und dessen Instrumentalisierung als Prüfstein der politischen Zuverlässigkeit bei der Rekrutierung des höheren Offizierskorps; die stärkere Kontrolle der Soldatenverbände durch das Bundeskanzleramt und dessen Hilfsapparate; und die Aufmerksamkeit, die man seitdem im Auswärtigen Amt den Aktivitäten der alten Soldaten bis hinab auf die kommunale Ebene schenkte. In all diesen mittelbaren und unmittelbaren Auswirkungen der Frießner-Krise kam der Wille der Bundesregierung zum Ausdruck, die ehemaligen Soldaten effektiver als bisher an politische Vorgaben zu binden.

Diese strukturellen Veränderungen des Politikfeldes "Soldatenintegration" waren wohl noch bedeutsamer als die inhaltlichen Vorgaben selbst. Das Bekenntnis der Bundesregierung zum "20. Juli" oder zum Prinzip der Inneren Führung war zwar seit Ende 1951 nicht mehr reversibel, doch sollte seine konkrete Ausgestaltung noch Spielraum für manche Verwässerung lassen. Es gab selbst in diesen Fragen noch Mitsprachemöglichkeiten für die Soldatenvertreter.

Nur mussten sich diese auf die veränderten Bedingungen erst einstellen. Die Politik der Rehabilitierung der Soldaten erlebte nun einen tiefgreifenden Wandel. Der Primat der außenpolitischen Abschirmung der Aktivitäten auf diesem Feld machte allgegenwärtig seine beengende Macht geltend. Werbung in "nationalen" Milieus unter Beachtung der gesetzten Grenzen: dies war die Lehre, die man zumindest im Kanzleramt aus dem Desaster der VDS-Gründung zog. Hatte man dort bei der Auswahl der Bündnispartner bislang nur danach gefragt, ob jemand für oder gegen den Wehrbeitrag sei, so achtete man nun auch darauf, ob eine Einhaltung der gesetzten Grenzen gewährleistet war.

Hinzu trat eine einfache, aber wichtige Erkenntnis, die man im Umgang mit den Rechtsradikalen allmählich gewann: Die Integration der nationalistischen Milieus ließ sich nicht dadurch bewerkstelligen, dass man sich die Agenda von deren Repräsentanten vorgeben ließ. In der Kriegsverbrecherfrage oder der neuerdings heiß diskutierten Frage des Tragens der Kriegsauszeichnungen war für die Regierung wenig zu gewinnen, sie mussten möglichst neutralisiert werden.

Es kam vielmehr darauf an, die eigene politische Konzeption in den Kreisen ehemaliger Soldaten offensiv zu propagieren, die Themen der Auseinandersetzung mit den Rechtsradikalen also selbst zu setzen.1 Ein solcher "angebotsorientierter" Politikstil im Umgang mit den alten Soldaten wurde durch einige Bedingungen begünstigt, die außerhalb der Soldatenpolitik gesetzt wurden: durch die weiterhin einzukalkulierende, eben nicht preisgegebene alliierte Aufsicht über die deutsche Politik; durch die sich verändernde sicherheitspolitische Lage, welche das politische Gewicht Frankreichs und Großbritanniens ebenso stärkte wie sie Hoffnungen auf eine sehr rasche Wiederaufrüstung enttäuschte.

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