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Traumakinder Warum der Krieg immer noch in unseren Seelen wirkt von Wüstel, Jens-Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2017
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
15,99 €
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Traumakinder

Albträume, Bindungsängste oder Erschöpfungsgefühle - jeder Dritte leidet heute unter einer seelischen Erkrankung. Was nur wenige wissen: Ursache können die unverarbeiteten Kriegserlebnisse unserer Eltern und Großeltern sein. Anhand von wissenschaftlich fundierten Fallgeschichten zeigt der Psychotherapeut Jens-Michael Wüstel, wie wir unser Erinnerungserbe als Aufgabe verstehen und Schuldverstrickungen innerlich auflösen. Denn wer nicht bereit ist, aus der Geschichte zu lernen, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 16.02.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732540167
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 438 kBytes
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Traumakinder

EINE ENTDECKUNGSREISE INS ICH

W ir werden sie nicht mehr fragen können. Die Mehrzahl der Angehörigen der Kriegsgeneration ist heute mindestens neunzig Jahre alt. Nur wenige dieser Menschen werden in der Lage sein, noch zu berichten, was sie erlebt und empfunden haben in der Zeit um 1945. Und wir würden es ihnen auch nicht zumuten wollen, sich den Erinnerungen in vollem Ausmaß nochmals zu stellen. So bleibt nur die indirekte Annäherung an dieses Thema.

Nun mag man einwenden: Warum sollen wir uns überhaupt noch mit dieser leidvollen Zeit beschäftigen? Können wir die Vergangenheit nicht ruhen lassen? Die Antwort lautet: Nein, wir können nicht. Denn die Ereignisse von damals wirken in vielen Kriegskindern und Kriegsenkeln fort. Die Vergangenheit wirkt noch heute, sie ruht eben nicht. Viele von uns tragen ein schweres Erbe in sich. Und dabei ist besonders tragisch, dass die meisten davon nichts wissen. Unklare Gefühlszustände, Ahnungen, Albträume, Ängste, innere Leere und Erschöpfungsgefühle sind die seelischen Plagen unserer Zeit, deren Ursachen die unverarbeiteten Nöte unserer Eltern und Großeltern sein können. Wie können wir uns ihnen annähern, sie verstehen und - hoffentlich - doch noch verarbeiten?

Es heißt: Wer nicht bereit ist, aus der Geschichte zu lernen, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. Zu Recht kann man hier einwenden, dass uns jedes Ereignis verändert. So wird sich nie ein Geschehen exakt wiederholen können. Dennoch macht es einen großen Unterschied, ob wir uns den Gefühlen stellen, sie verarbeiten. Oder ob wir sie leugnen und verdrängen. Nur im ersten Fall können wir im besten Sinne unsere Lehre aus der Geschichte ziehen. Dabei entsteht Geschichte immer durch Geschichten. Auch die große Weltgeschichte ist letztlich die Aneinanderreihung von Milliarden kleiner Einzelgeschichten. Jeder kann versuchen, die eigene Geschichte kennenzulernen. Auch heute noch werden Familiengeschichten erzählt, Erinnerungen - vielleicht nur bruchstückhaft - wachgehalten. Mancher mag der Meinung sein, dies sei wenig wissenschaftlich. Erzählungen sind immer subjektiv gefärbt, Passendes wird ausgeschmückt, Unpassendes weggelassen. Kommt man so der Wahrheit auf die Spur? Nun, Wahrheit an sich ist eine höchst subjektive Angelegenheit. Nur der Erzähler kennt eine Wahrheit, nämlich seine eigene. Der Zuhörer formt über Bewertungen und Urteile bereits eine zweite, wieder sehr subjektive Wahrheit. Es ist in diesem Zusammenhang wichtig, auf die Zwischentöne zu achten. Wie reagiere ich als Zuhörer? Was lösen die Geschichten in mir aus? Welche Gefühle werden in mir wach? Wir haben so die Möglichkeit, unser Erleben und Verhalten intuitiv besser zu verstehen, ohne unbedingt alle Fakten kennen zu müssen. Indem wir Gefühlsarbeit leisten, können wir uns vom Verstand ein Stück weit lösen.

Wir werden sie also doch noch fragen können, unsere Mütter, Großmütter, Urgroßmütter. Unsere Väter, Großväter und Urgroßväter. Denn deren Nöte und Ängste, ihre Kraft und ihr Wille, ihre - noch so tief verschüttete - Liebe wirken als Gefühlserbe in uns weiter. Wir tragen als Nachkommen dieses Erbe der Erinnerung. Um mit Gefühlen umzugehen, um sie deuten und annehmen zu können, brauchen wir keine exakten biografischen Daten. Wir müssen nicht wissen, wann genau eine Flucht stattfand, wann die Bomben fielen oder ob es tatsächlich zu einer Vergewaltigung kam. Vielmehr müssen wir für diese Generation eine Integrationsarbeit leisten, die sie selbst damals nicht bewältigen konnte. Unklare, nebulöse Gefühle und Seins-Zustände müssen benannt und verstanden werden. Sie sind wie freie Seelenanteile, die kein Zuhause gefunden haben. Sie flattern als Geister - und manchmal als Dämonen - in unserem Unterbewusstsein umher. Und rauben uns unseren inneren Frieden. Dabei dürfen wir sie nicht bekämpfen, denn das wäre ein Kampf mit dem eigenen Schatten. Vielmehr sollte man sich ihnen

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