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Unterhaltung als Eigensinn Eine ostdeutsche Mediengeschichte von Mühl-Benninghaus, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.09.2012
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Unterhaltung als Eigensinn

Unterhaltung wurde in Deutschland bereits seit der Aufklärung als Gegenteil von Bildung und Kultur und damit als minderwertig angesehen. Auch in der DDR verlangte das Regime von den Medien politische - und systemkonforme - Bildung statt purer Unterhaltung. Wolfgang Mühl-Benninghaus beschreibt in seiner ostdeutschen Mediengeschichte das Ringen zwischen Staat, Kulturschaffenden und Konsumenten. Zwar versuchten Funktionäre, Form und Inhalt der Angebote in Funk, Fernsehen und Theater zu diktieren. Es zeigt sich jedoch, dass dies misslang. Auch die Unterhaltung in der DDR blieb subjektiv und eigensinnig, denn insbesondere die jungen Generationen ließen sich ihren Geschmack nicht vorschreiben. Unterhaltung diente letztlich auch im Arbeiter- und Bauernstaat vornehmlich der Entspannung. Wolfgang Mühl-Benninghaus ist Professor für Theorie und Geschichte des Films an der Humboldt-Universität Berlin.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 370
    Erscheinungsdatum: 10.09.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593418414
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 21472 kBytes
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Unterhaltung als Eigensinn

Seit dem 19. Jahrhundert erschien eine unübersehbare Vielfalt von Publikationen zur deutschen Kulturgeschichte. So unterschiedlich ihre Aussagen und Schwerpunksetzungen im Einzelnen auch waren und sind, so eint sie doch die fast ausschließlich ablehnende Haltung bzw. deren weitgehende Ignoranz gegenüber historischen Unterhaltungsangeboten. Diese wurden, anders sind die Defizite nicht erklärbar, von den jeweiligen Autoren nicht als Bestandteil deutscher Kultur betrachtet.

Die wenigen Bücher, die von diesem Prinzip abwichen, konzentrieren sich ausschließlich auf die medialen Angebote, die jedoch oft unter Verzicht auf die Darstellung der konkreten Gegebenheiten analysiert wurden. Deshalb werfen diese Darstellungen teilweise mehr Fragen auf, als sie beantworten. Beispielhaft für diese Behauptung steht die umfangreiche Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland von Jost Hermand. Der Autor nähert sich seinem Thema mit einem sehr breiten Kulturverständnis. Es ermöglicht ihm, innerhalb des konstatierten 'kulturellen Pluralismus' der 'massenverbreiteten Kunst' bzw. den 'Unterhaltungs- und Zerstreuungsmedien' einen breiten Raum zu geben. In Ansätzen verfolgt er auch die Verflechtungen zwischen den einzelnen Medien, um so dem Phänomen des zunehmenden Medienverbunds gerecht zu werden. Die ideologischen Perspektiven jedoch stehen für Hermand dabei fest: 'Die bundesrepublikanischen Massenmedien' erwiesen sich spätestens seit Ende der fünfziger Jahre als 'die effektivsten Manipulationsorgane, die es je gegeben hat und die in Wirkung selbst die Opiumfunktion älterer Religionen weit übertrafen'. Im Folgenden verschwinden beim Autor fast alle Differenzierungen. Selbst die Programme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stehen für ihn seit der zweiten Hälfte der 1950er Jahre für den zunehmenden Kulturverfall der gesamten Gesellschaft:

'Wenn man mehrere Jahrgänge der Zeitschrift ?Hör zu? aus den fünfziger Jahren durchblättert, ist man überrascht, welches hohe Kulturbewusstsein diese Sender anfangs vertraten. [...] Doch je größer die Hörbeteiligung wurde, je schärfer der Rundfunk mit anderen Massenmedien wie den Illustrierten, der Heftchenliteratur und dann dem Fernsehen konkurrieren musste, je weiter die Erfahrung der Kriegs- und Nachkriegszeit abrückte, desto größer wurde der Anteil der reinen Unterhaltungsprogramme [...] Während zu Anfang selbst die anspruchsvolle Musik, ob nun in Form neuer Funkopern oder schönbergisierender Orchesterstücke, eine lebhafte Unterstützung erfuhr, wurden die Musikprogramme der ARD-Stationen schon in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre, zum Teil aus Konkurrenz mit Radio Luxemburg und dem us-amerikanischen Soldatensender AFN, die vorwiegend Pop-, Rock- und Jazzmusik brachten, immer anspruchsloser und wandten sich vor allem an jene Bevölkerungsschichten, die vom Radio lediglich ein beschwingt-dudelndes Hintergrundgeräusch erwarteten.'

Diese Einstellungen sind nicht nur, wie die vorliegende Monographie nachweisen kann, mehr als 200 Jahre alten, spezifisch deutschen Denktraditionen geschuldet. Es fehlen darüber bis heute auch Forschungen im deutschen Sprachraum, die sich mit den verschiedenen Facetten von Unterhaltungsangeboten beschäftigen, sie zusammenführen und in größere Zusammenhänge einbetten. Diese Behauptung stützt sich nicht nur auf die Kulturgeschichtsschreibung, sondern ist auch durch andere historische Ansätze wie etwa Studien zur Geschichte von Jugendkulturen zu belegen. Befunde wie die Feststellung, die 'Musikkultur der 80er Jahre erweist sich als allgemeinstes Mittel jugendlicher Selbstdarstellung' sind zwar eindeutig, aber es fehlen weitergehende historische Dimensionen. So sucht man etwa vergeblich nach Darstellungen jener Elemente, gegen die sich die erwähnten Formen von Selbstpräsentation wenden. Gleichzeitig fehlen Beschreibungen der konkreten musikalischen Inhalte, weil sich die Aufmerksamkeit der Autoren auf die Rezipientenseite b

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