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Wandel durch Tourismus Spanien als Strand Europas, 1950-1983 von Glaser, Moritz (eBook)

  • Verlag: UVK Verlagsgesellschaft mbH
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Wandel durch Tourismus

Sonne, Strand und Sangría sind Assoziationen, die Spanien bei vielen Deutschen weckt. Dass das Land zu ihrem beliebtesten Urlaubsziel werden konnte, hat historische Gründe. In den 1950er-Jahren begann das diktatorische Regime Francos, den internationalen Tourismus zu fördern, um an Devisen zu gelangen, die Wirtschaft zu modernisieren und so das eigene Überleben zu sichern. Welche Ursachen und Folgen dieser Prozess für die Urlaubsregionen mit sich brachte, ist das Thema von Moritz Glasers Studie. Er stellt dar, wie große Landstriche der spanischen Mittelmeerküste oder die Ferieninsel Mallorca zu attraktiven Zielen für ausländische Urlauber aus Westeuropa wurden. Detailliert untersucht er den Ausbau der Infrastruktur sowie die landschaftlichen, soziostrukturellen und kulturellen Veränderungen bei der Entwicklung der Fischerdörfer zu Urlaubsorten. Er geht dabei der Frage nach, wie kulturelle Selbstentwürfe trotz Tourismus weiterbestehen konnten. Die ökologisch motivierte Kritik am Tourismus ist, so zeigt sein Buch, zudem keine Erscheinung unserer Gegenwart, sondern hat auch in Spanien ihre Geschichte, die bis in die frühen 1970er-Jahre zurückreicht. Die Studie leistet nicht nur einen Beitrag zur Tourismusgeschichte Spaniens, sondern auch zur Geschichte grenzüberschreitender Verflechtungen. Moritz Glaser ist Historiker. Er studierte Geschichtswissenschaft, Germanistik und Hispanistik für das Lehramt an Gymnasien in Bamberg. 2016 wurde er mit der vorliegenden Arbeit an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel promoviert.

Produktinformationen

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Wandel durch Tourismus

2.Kontext und Rahmenbedingungen für die Entstehung des Urlaubslandes Spanien

2.1Außenpolitik im Wandel

2.1.1Spaniens Weg aus der Isolation

Nach dem Bürgerkrieg (1936 -1939) bzw. in der franquistischen Zone noch während des Krieges etablierte Franco eine diktatorische Herrschaft mit faschistischen Zügen. Die politische Ökonomie des sogenannten Ersten Franquismus beruhte dabei auf dem Konzept der Autarkie. Ziel der franquistischen Wirtschaftspolitik war es, mittels einer Strategie der Importsubstitution Spanien vom Weltmarkt unabhängiger zu machen und eine forcierte Industrialisierung zu fördern. 124 Das Konzept der Autarkie war dabei nicht fest ausgeformt, 125 da es nicht zuletzt durch die spezielle Stellung Spaniens während des Zweiten Weltkrieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit bedingt war. Obwohl Spanien nicht selber direkt am Weltkrieg teilnahm und 1943 offiziell seine Neutralität erklärte, auch wenn Francos Regime im Bürgerkrieg sowohl von den Nationalsozialisten als auch von den italienischen Faschisten unterstützt worden war, wurde das Regime von den westlichen Alliierten als Kooperationspartner Hitlers eingestuft. 126 Dies hing neben der ideologischen Nähe zwischen den Regimen auch mit der Tatsache zusammen, dass die sogenannte "blaue Division" bis 1943 zur Unterstützung der Achsenmächte an der Ostfront gekämpft hatte und Spanien unter anderem bis 1944 den wichtigen Rohstoff Wolfram an das Deutsche Reich geliefert hatte. 127 Bis zum Ende der 1940er-Jahre blieb Spanien folglich außenpolitisch weitgehend isoliert, was zusammen mit den Folgen des Bürgerkriegs zu einer desolaten wirtschaftlichen Lage im Land führte. 128

Dass Spanien in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der beliebtesten Urlaubsländer Europas werden konnte, hängt in nicht geringem Maße mit einer Änderung der franquistischen Außenpolitik und der 'westlichen' Politik gegenüber Spanien zusammen. Kurz gesagt wandelte sich Spanien zu einem Verbündeten der USA und der NATO im "Kampf gegen den Kommunismus".

In dem Maße, in dem sich der Schwerpunkt der Außenpolitik der USA von der Bekämpfung des Faschismus hin zum "roll back" gegenüber dem Kommunismus veränderte, geriet Spanien in den Blickpunkt der Militärstrategen im beginnenden Kalten Krieg. War das franquistische Regime zuvor als faschistische Herrschaft stigmatisiert worden, rückte nun dessen antikommunistischer Charakter in den Fokus. Francos antikommunistische Haltung, die er im Bürgerkrieg mehr als deutlich demonstriert hatte und die ihre Fortsetzung in den 1940er-Jahren noch immer in Verfolgungen und Internierungen spanischer Linker fand, wurde nun zum außenpolitischen Kapital, mit dem das Regime Teil der internationalen Allianz gegen den Kommunismus werden konnte. Spanien wurde damit zu einem Mitglied der 'westlichen' und 'freien Welt' 129 , das im Kampf gegen den Kommunismus auf der Seite der USA stehen sollte.

Die erste Folge dieser Neuorientierung der mentalen Karten und der damit einhergehenden politischen und militärstrategischen Konzepte war die Aufhebung der offiziell verkündeten politischen Isolation Spaniens durch die Vereinten Nationen. 130 Insbesondere der Korea-Krieg wirkte als Katalysator für die Re-Integration Spaniens in die außenpolitische Arena. Für die Vereinigten Staaten sollte Spanien "an der Südflanke des Nordatlantik Militärbasen zur Verfügung stellen" 131 und somit die militärische Präsenz der USA in diesem Gebiet sichern. Das 1953 geschlossene Abkommen über militärische Zusammenarbeit mit den USA brachte für Spanien zudem wirtschaftliche Vorteile, da als Gegenleistung für die Möglichkeit zur Errichtung der US-Militärbasen dringend benötigte Devisen ins Land flössen. 132 1955 folgte die Aufnahme Spaniens in die UNO. 133

Die Integration ins 'westliche Lager' ging auch mit einer verstärkten Annährung an die übrigen westeuropäischen Länder

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