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WBG Deutsch-französische Geschichte Bd. X 1945 bis 1963 von Pfeil, Ulrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2015
  • Verlag: wbg Academic
eBook (ePUB)
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WBG Deutsch-französische Geschichte Bd. X

Der knappe Zeitraum zwischen 1945 und 1963 erlebt einen fundamentalen Richtungswandel in der deutsch-französischen Geschichte. Am Anfang steht das besiegte und besetzte Deutschland, das seine staatliche Verfassung erst wiederfinden und vor allem auch das Vertrauen seines westlichen Nachbarn Frankreich wiedergewinnen muss. Am Ende der Periode steht der Élysée-Vertrag, den de Gaulle und Adenauer am 22. Januar 1963 unterschrieben. Dieser Freundschaftsvertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit hat die beiden Nachbarn in Europa nach langer 'Erbfeindschaft' und verlustreichen Kriegen seitdem immer mehr zusammengeführt. Welche Kraftanstrengung diese Aussöhnung bedeutete, welche inneren Verarbeitungs- und Aufbauleistungen auf beiden Seiten notwendig waren und welche Rolle der DDR in den deutsch-französischen Beziehungen zukommt - dies sind die Kernthemen, um die der zehnte Band der Deutsch-französischen Geschichte kreist. Ulrich Pfeil ist Professor für Deutschlandstudien an der Universität Paul Verlaine, Metz. Zuvor war er DAAD-Lektor an der Sorbonne Nouvelle (1996-2002), Forscher am Deutschen Historischen Institut Paris (2002-2009) und Professor für Deutschlandstudien an der Universität Jean Monnet, Saint-Étienne (2005-2009). Er ist Autor des Buches 'Die ?anderen? deutsch-französischen Beziehungen. Die DDR und Frankreich 1949-1990', Köln 2004.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 324
    Erscheinungsdatum: 01.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534720446
    Verlag: wbg Academic
    Größe: 1796 kBytes
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WBG Deutsch-französische Geschichte Bd. X

Einleitung

Als Folge des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung Frankreichs hatte der Hass der Franzosen auf den deutschen Nachbarn im Jahre 1945 einen neuerlichen Höhepunkt erreicht. Das in der Vergangenheit immer wieder bemühte Bild vom "Erbfeind" schien seine Bestätigung gefunden zu haben, der Antagonismus unüberbrückbar. Doch während militärische Auseinandersetzungen auf anderen Gebieten der Weltkugel auch nach dem Zweiten Weltkrieg zur Tagesordnung gehörten, gelang es Deutschen und Franzosen nach Kriegsende, ihre Beziehungen in einen Prozess der Verständigung, Annäherung, Aussöhnung, Kooperation und Partnerschaft zu überführen, der zugleich auf ganz (West-)Europa friedensstiftend wirkte. So kann es nicht überraschen, dass die Geschichtsschreibung zu den deutsch-französischen Beziehungen nach 1945 vor allem nach den Ursachen für diesen Wandel und den Wegen fragte, die Deutsche und Franzosen beschritten 1 , um aus der kriegerischen Spirale herauszufinden und einen neuen normativen bzw. moralischen Rahmen für die bilateralen Beziehungen zu schaffen 2 . Musste es für Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg gegenüber der übrigen Welt darum gehen, selbst verspieltes Vertrauen zurückzugewinnen 3 ,so galt es zwischen Deutschland und Frankreich ein Vertrauenspotenzial aufzubauen, das in den vorangegangenen Jahrzehnten nie existiert hatte 4 . Einen grundlegenden "aktiven politischen Prozess der Konflikttransformation" 5 mussten die verständigungsorientierten Frauen und Männer auf beiden Seiten des Rheins folglich leisten, um über den Weg der Handlung, Sprache, Kommunikation und Gestik neue deeskalierende und friedensstiftende Elemente im bilateralen Verhältnis zu verankern. Erinnert werden soll hier nur an die persönliche Einladung von de Gaulle an Adenauer, der als einziger ausländischer Staatsgast im September 1958 das Privileg besaß, im Rahmen seines Staatsbesuches auch im Privathaus des Generals in Colombey-les-deux-Églises zu nächtigen, wo dieser ihm die "Vertrauensfrage" 6 stellte.
Der Ost-West-Konflikt als Katalysator der deutsch-französischen Annäherung

Antworten auf die Frage nach den Faktoren für die Wandlungen zwischen Deutschland und Frankreich sind nicht alleine aus der Analyse des bilateralen Verhältnisses zu erwarten. Die deutsch-französischen Beziehungen nach 1945 waren Teil eines mehrdimensionalen Koordinatensystems, dessen Ausrichtung maßgeblich vom Ost-West-Konflikt und der ohne ihn nur schwerlich vorstellbaren europäischen Integration bestimmt war. Da sich beide in einem wechselseitigen Verhältnis zueinander befanden und bisweilen aufeinander angewiesen waren, verliefen entscheidende Schritte der europäischen Integration nicht zufällig parallel zu den heißen Phasen des Kalten Krieges.

Während die Traditionen des autonomen Nationalstaats in der Zwischenkriegszeit noch ungebrochen und die Mächte noch zu überzeugt von ihrem Großmachtstatus gewesen waren, um beim Ausgleich vitaler Interessen untereinander Eingriffe von außen zu akzeptieren, stellte sich die Situation nach Ende des Zweiten Weltkriegs anders dar. Der deutsche Nationalstaat hatte aufgehört zu existieren, Frankreich und Großbritannien waren zwar Siegermacht, doch durch die Auswirkungen des Krieges zu geschwächt, um ihren Großmachtstatus aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig zeigten sich die USA anders als nach 1918 schnell entschlossen, nicht in ihre splendid isolation zurückzukehren, um "ihre ökonomische und politische Macht zur Durchsetzung amerikanischer Interessen einzusetzen und einen Rückfall Europas in die Krisen und Probleme der Zwischenkriegszeit zu verhindern" 7 . Zu diesem Zweck unterstützten sie nicht alleine die westeuropäische Integration, sondern auch die Überwindung des deutsch-französischen Gegensatzes. Damit stellt sich die in diesem Band zu behandelnde

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