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WBG Deutsch-Französische Geschichte Bd. XI 1963 bis heute von Miard-Delacroix, Helene (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.03.2015
  • Verlag: wbg Academic
eBook (ePUB)
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WBG Deutsch-Französische Geschichte Bd. XI

Als Charles de Gaulle und Konrad Adenauer am 22. Januar 1963 in Paris den Élysée-Vertrag unterzeichnen, wird dieses Abkommen über die deutsch-französische Zusammenarbeit rasch zum Symbol einer seit 1945 allmählich aufgebauten Partnerschaft nach den Kriegen der vor-angegangenen anderthalb Jahrhunderte. Seitdem sind die beiden Nachbarn immer enger zu-sammengerückt und ihre Zusammenarbeit wurde zum wesentlichen Motor für die Einigung Europas. Zahllose Verträge, Staatsbesuche und inoffizielle Konsultationen, aber auch Kultur-austausch und Städtepartnerschaften haben diese Partnerschaft unverbrüchlich gemacht, die gleichwohl auch Konflikte und Spannungen kennt. Hélène Miard-Delacroix hat diese besondere Beziehung im Nachkriegseuropa klar und kenntnisreich nachgezeichnet. In gesonderten Kapiteln geht sie auch auf gemeinsame wie unterschiedliche Probleme der beiden Länder ein: etwa auf die heftigen Erschütterungen durch 1968, auf den Terrorismus der RAF und der Action Directeoder auf den Umbau der Industriegesellschaft und den unterschiedlichen Umgang mit wirtschaftlichen Krisen. Guido Braun, geb. 1970, forschte an den Deutschen Historischen Instituten in Rom und Paris, promovierte an der Sorbonne und lehrt seit 2007 Geschichte an der Universität Bonn. Claire Gantet, geb. 1967, ist Historikerin an der Université de Paris I - Panthéon Sorbonne und hat 2005/06 ein Förderstipendium des Historischen Kollegs, München.Bernhard Struck, geb. 1972, ist Historiker am Berliner Kolleg für Vergleichende Geschichte Europas. Rolf Große studierte Geschichte, Lateinische Philologie und Historische Hilfswissenschaften an der Universität zu Köln, wo er 1984 auch promoviert wurde. 2001 erfolgte seine Habilitation an der Universität Heidelberg. Große ist am DHIP Fachgebietsleiter für Mittelalter, Leiter der Gallia Pontificia, Redaktionsleiter der Francia sowie Redakteur der Studien und Dokumente zur Gallia Pontificia. Seine Forschungsschwerpunkte sind Westeuropa im Hochmittelalter, deutsch-französische Beziehungen, Landesgeschichte der Île-de-France, die Abtei Saint-Denis sowie die Diplomatik der älteren Papsturkunde. Jean-Marie Moeglin ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Université Paris XII (Val de Marne, École Pratique des Hautes Études). Seine Forschungsschwerpunkte sind neben der allgemeinen Geschichte des Mittelalters die Geschichte der politischen Strukturen und Mentalitäten, die Konstruktionen von Staat und Nation in Frankreich und in Deutschland sowie die Diplomatie- und Ritualgeschichte. Rainer Babel habilitierte sich 2001 in München und ist nach Lehraufträgen an den Universitäten Zürich und Saarbrücken Abteilungsleiter für den Bereich Frühe Neuzeit am DHI Paris. Nicolas Beaupré, geb. 1970, promovierte in Geschichte an der Universität Paris-X-Nanterre und hat sich auf die Zwischenkriegszeit und die Folgen des Ersten Weltkrieges auf Frankreich und Deutschland spezialisiert. Bernhard Struck ist Reader in Modern History an der University St. Andrews, Schottland. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen die neuere und neueste Geschichte Frankreichs, Deutschlands und Polens sowie die Felder der Reise- und Migrationsgeschichte, die Geschichte von Grenzen und die Geschichte transnationaler Expertennetzwerke. Ulrich Pfeil ist Professor für Deutschlandstudien an der Universität Paul Verlaine, Metz. Zuvor war er DAAD-Lektor an der Sorbonne Nouvelle (1996-2002), Forscher am Deutschen Historischen Institut Paris (2002-2009) und Professor für Deutschlandstudien an der Universität Jean Monnet, Saint-Étienne (2005-2009). Er ist Autor des Buches 'Die ?anderen? deutsch-französischen Beziehungen. Die DDR und Frankreich 1949-1990', Köln 2004. Corine Defrance ist Historikerin am Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS, Institut IRICE/Université de Paris 1-Panthéon-Sorbonne) und wissenschaftliche Mitarbeite-rin bei der Editionskommission der französischen diplomatischen Akten des fran

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 404
    Erscheinungsdatum: 01.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534724727
    Verlag: wbg Academic
    Größe: 1906 kBytes
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WBG Deutsch-Französische Geschichte Bd. XI

1. Zeitläufe im Vergleich:
asynchrone und synchrone Prozesse

Vom Anfang der 1960er-Jahre bis etwa 2010 veränderten sich die deutsche und die französische Gesellschaft parallel zueinander. Langfristig gesehen entwickelten sich beide ab dem 19. Jahrhundert zu postindustriellen Gesellschaften, in denen der Konsum von Industrieprodukten nach und nach alle sozialen Schichten und sämtliche Lebensbereiche erreichte, die zunehmend von Technik und Kommunikation bestimmt werden. Der Dienstleistungssektor erlebte in beiden Ländern einen massiven Aufschwung, Kultur und Bildung nahmen einen immer höheren Stellenwert ein, aber auch die Grenzen des Wirtschaftswachstums wurden beiderseits des Rheins gleichermaßen spürbar. Konfrontiert mit Überalterung und hoher Arbeitslosigkeit, machten beide Gesellschaften einen tiefgreifenden Wandel und eine Identitätskrise durch, während zum Kult gewordener materieller Wohlstand und globale Kommunikation immer mehr in den Vordergrund traten. Trotz des anhaltenden Friedens sorgte die tiefe Verunsicherung durch die Zäsur Anfang der 1970er-Jahre in beiden Ländern für eine Verlagerung der alten kollektiven Ängste auf die Ebene des Individuums, massiv verstärkt durch den Übergang von der industriellen Klassengesellschaft in ein Gefüge durchlässiger sozialer Schichten und den Rollenwandel in Sexualität, Paarbeziehung und Familie.

Im Rahmen dieses parallel und gemeinsam erlebten, von der Individuation der Wertvorstellungen begleiteten Übergangs zur Massenkonsumgesellschaft hat man sich in beiden Ländern angewöhnt, die Zeit in Phasen einzuteilen, die exakt den Jahrzehnten entsprechen und üblicherweise mit den Etiketten "lang" oder "kurz" versehen werden. Diese Notlösung beruht in erster Linie darauf, dass seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs Leitdaten vergleichbar mit 1918, 1933 oder 1945 fehlen. Die Unterteilung etwa in die Fünfziger-, Sechziger- oder Siebzigerjahre ist dennoch nützlich und wirklichkeitsnah. Gestützt wird sie durch mindestens zwei Aspekte: zum einen das Zeitempfinden der Menschen, die sich heute bei der Frage nach ihrem Platz in der Abfolge der Generationen vielfach mit den Jahrgängen ihrer Geburt oder Sozialisation identifizieren, und zum anderen das Phänomen, dass bei der rückblickenden Perspektive der Geschichtsschreibung Höhepunkte bestimmter Abläufe isoliert und oft symbolisch in "Verdichtungszeiten" eingebettet werden.

Trotz dieser umfassenden Veränderungen, die in beiden Ländern ähnlich abliefen und sicherlich die Einheitlichkeit dieses Zeitraums bedingen, verlief die Entwicklung in diesen vier Jahrzehnten weder homogen und gleichmäßig noch beiderseits des Rheins im selben Rhythmus. Selbst abgesehen vom einschneidenden Ereignis des Endes der DDR, das auch in der Perspektive der deutsch-französischen Geschichte diese Periode in zwei Phasen unterteilte und die zunächst drei Geschichtsläufe auf zwei reduzierte, verliefen Brüche und Wechsel in Frankreich und Deutschland eindeutig asynchron und bedingten bei allen tendenziellen Übereinstimmungen doch gewisse Zeitverschiebungen. Zwangsläufig muss deshalb die Periodisierung für jede der beiden Nationen separat erfolgen, ohne die Konkordanzen aus dem Auge zu verlieren. Die Unterteilung beider Geschichten in Phasen und Wendepunkte darf (jedoch) weder die Parallelen noch die auf den ersten Blick nicht sichtbaren Überschneidungen verdecken. Mit diesem Ansatz lässt sich die gemeinsame Geschichte entschlüsseln, wobei die Periodisierung zunächst durch Übereinanderlegen der parallelen Geschichtsstränge erfolgt, denn die jeweilige politische Geschichte, die Zeitgenossen und auch viele Historiker für den bequemsten Zugang zur Vergangenheit halten, ist dabei zu Anfang unumgänglich. Sie ergibt jedoch eine befangene, lückenhafte Unterteilung, innerhalb derer wir andere Rhythmen, Phasen und Zäsuren sichtbar machen werden 1 . Die Einteilung nach politischen Ereigni

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