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Kandinsky von Haldemann, Matthias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.10.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Kandinsky

Wassily Kandinsky (1866 – 1944) hat die Entwicklung der modernen Malerei wie kaum ein anderer geprägt. Sein Leben zwischen Ost und West, in den Wirren von Revolutionen und Weltkriegen, war ein Leben zwischen Extremen. Auch seine Kunst bewegte sich zwischen verschiedenen Polen: Abstraktion und Figürlichkeit, Ordnung und Chaos, Intuition und Rationalität, Wissenschaft und Religion. So sehr er als Pionier der Moderne wirkte, ging es ihm zugleich darum, an Geschichte und Tradition anzuknüpfen. Matthias Haldemann gibt in diesem Band einen konzisen und erhellenden Überblick über Kandinskys Leben, seine berühmten Schriften und vor allem sein vielgestaltiges künstlerisches Werk. Matthias Haldemann ist Direktor des Kunsthauses Zug und einer der besten Kenner von Kandinskys Leben und Werk.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 135
    Erscheinungsdatum: 27.10.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406698743
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 5089 kBytes
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Kandinsky

2. München/Murnau 1908-1914

Revolution in Murnau

Im Sommer 1908 kehren Kandinsky und Münter nach München zurück. In Murnau, einem alten Ort am Staffelsee im bayerischen Alpenvorland, beziehen sie Quartier in einem Gasthaus. Mit ihren russischen Künstlerfreunden Alexej Jawlensky und Marianne von Werefkin malen sie die folgenden Herbstwochen in dem pittoresken Dorf und seiner voralpinen Umgebung. Dann lassen sie sich in München-Schwabing nieder und verbringen künftig das Frühjahr und den Sommer in Murnau (bis 1914). Am Ortsrand erwirbt Münter eine kleine Villa mit Blick auf den Kirchhügel und das Murnauer Moos. Im "Russen Haus" wird später auch das Buch Der Blaue Reiter erarbeitet (1911/12).

Kandinskys Auseinandersetzung mit der bayerischen Landschaft führt zu einer radikalen Wende. In kurzer Zeit entwickelt er seine eigene Bildsprache und löst die Farbe und später auch die Form vom Bezug auf ein Motiv. Das Ziel der Abstraktion wird nun umgesetzt, und fünf Jahre später markiert die Komposition VII (1913) den Höhepunkt und Abschluss dieses bahnbrechenden Prozesses. Darin interagieren Farbe, Form und Linie als autonome Grundelemente (Abb. 24).

Kandinskys für die Entwicklung der modernen Malerei höchst bedeutende Periode von 1908 bis 1914 umfasst rund 750 bildnerische Arbeiten (Gemälde, Papierarbeiten, Druckgrafik), viele Gedichte und einige Libretti für unrealisierte Bühnenstücke. Parallel organisiert er mehrere Gruppenausstellungen für die Neue Künstlervereinigung München und den Blauen Reiter, verfasst Aufsätze und Essays, publiziert die Bücher Über das Geistige in der Kunst , Der Blaue Reiter , Klänge sowie Kandinsky 1901-1913 und bewältigt obendrein eine umfangreiche Korrespondenz und ein großes Lektürepensum.

Seine radikalen Bilder bringen ihm harsche Kritik ein, er wird sogar diffamiert. Dennoch gelingt ihm der Durchbruch, und er erhält zahlreiche Ausstellungsmöglichkeiten, sogar in Japan und den USA. Dann stoppt der Weltkrieg diese enorm produktive Phase und seine rasante Karriere. Als Angehöriger einer feindlichen Nation muss Kandinsky im August 1914 mit seiner geschiedenen Frau das Land kurzzeitig verlassen, reist in die Schweiz und wird von Münter begleitet. In einem seiner letzten Gemälde vor der Emigration, Improvisation Klamm (1914), ist im Durcheinander von Farbe und Form ein winziges Paar in bayerischer Tracht erkennbar (Abb. 25) - vermutlich das Künstlerpaar, hat Kandinsky damals in Murnau doch häufig bayerische Tracht getragen. Das Paar schaut in einen übergroßen Farbwirbel mit zwei angedeuteten Himmelsleitern. Aus dem impressionistischen Farbenparadies ist die dramatische Bildvision von Untergang und Neubeginn geworden.

Nach Moskau kehrt Kandinsky allein zurück, während Münter den Krieg in Schweden und Dänemark übersteht. Ein letztes Mal verbringen sie 1916 in Stockholm einige Monate zusammen und bestreiten gemeinsam mehrere Ausstellungen. In Moskau malt Kandinsky das Trachtenpaar dann noch einmal, jetzt im halbabstrakten Wirbel der Metropole zwischen Sonnenstrahlen und Gewitterschlund (RB 605). Kurz darauf verliebt er sich in die junge Offizierstochter Nina Nikolajewna Andrejewskaja, die er 1917 heiratet. Die Beziehung mit Gabriele Münter war schon seit Jahren belastet. Obwohl er 1922 wieder in Deutschland lebt, kommt es zu keinem Wiedersehen mit ihr, zumal sie seine zurückgelassenen Werke und Dokumente gegen seinen Willen behalten hat; später spricht er sie ihr zum großen Teil zu. Im Murnauer Haus wird sie dann alles vor den Nazis verbergen und zuletzt der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, München, übergeben (1957).
Innere Notwendigkeit

Was war der Auslöser für Kandinskys abrupte künstlerische Wende? Rück

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