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Interpretation. Friedrich Hebbel: Maria Magdalena Reclam Interpretation von Häntzschel, Günter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.01.2009
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (PDF)
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Interpretation. Friedrich Hebbel: Maria Magdalena

Reclams Einzelinterpretationen erschließen wichtige Werke der deutschen Literatur. Sie sind von Fachwissenschaftlern verfasst und eignen sich zur Vorbereitung von Referaten und Hausarbeiten. Sie enthalten eine Werkinterpretation und Literaturhinweise zur weiterführenden Lektüre.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 24
    Erscheinungsdatum: 01.01.2009
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159500331
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 201 kBytes
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Interpretation. Friedrich Hebbel: Maria Magdalena

Skepsis gegenüber der neuen Zeit charakterisiert nicht nur die Mutter, sondern konturiert auch die Figur des Meister Anton. Bleibt die Mutter aber bei eher resignierenden Äußerungen - "Die Welt wird immer klüger, vielleicht kommt noch einmal die Zeit, wo Einer sich schämen muß, wenn er nicht auf dem Seil tanzen kann!" (I,3) - und sucht Generationskonflikte mit dem Sohn Karl durch Liebe auszugleichen, so reagiert Meister Anton um vieles verbitterter, verletzt-verletzend, bis ins Zynische gesteigert: "Ja, wir Alten sind dem Tod vielen Dank schuldig, daß er uns so lange unter Euch Jungen herumlaufen läßt, und uns Gelegenheit giebt, uns zu bilden." (I,5)

Diese Äußerung bezieht sich auf Karl, trifft aber auch sein Verhältnis zu Leonhard und bildet eine der vielen Passagen, in denen der grundsätzliche Gegensatz zwischen dem starren Festhalten an einer alten Ordnung und der gänzlichen Lösung von ihr thematisiert ist. Für den Handlungsverlauf und das Schicksal Klaras ist zunächst das Spannungsverhältnis zwischen Meister Anton und Leonhard von Bedeutung. Nicht nur hat Meister Anton, der weder schreiben noch lesen kann, einen Schwiegersohn zu erwarten, der sich als Schreiber und mit Lesen sein Geld verdient, die Gegensätze erstrecken sich ins Fundamentale: Der Handwerksmeister lebt noch ganz in ständischen Ordnungsvorstellungen, fühlt sich als "Unterthan" des Königs (II,1), sieht in den Gerichtsdienern in anachronistischer Weise unehrliche Leute und distanziert sich von den unteren Schichten ebenso stark wie von den oberen, wenn er zum Beispiel Kegelspielen für sich als unstandesgemäß verabscheut und nur als "Zeitvertreib" für "vornehme Herren" (I,6) gelten lässt.

In ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen, von früh an zu harter Arbeit gezwungen, gönnt er sich keine Muße und empfindet sich in christlicher Vorstellung als "Sünder" (I,5), der, "was er mit schwerer Mühe im Schweiß seines Angesichts erwirbt, ehren, es hoch und werth halten, wenn er nicht an sich selbst irre werden, wenn er nicht sein ganzes Thun und Treiben verächtlich finden soll" (I,6). Leonhard verkörpert den strikten Gegensatz: Religiöser Bindung nicht mehr verpflichtet - zweimal legt er biblische Grundsätze in sophistischer Weise zu seinem eigenen Vorteil aus - und ebenso gelöst von ständischem Denken, beruflichem Ethos und moralischer Verantwortung, empfindet er keine Skrupel, seinen besser qualifizierten Mitbewerber um das Amt des Kassierers zu hintergehen, der einflussreichen Nichte des Bürgermeisters eine Liebschaft vorzutäuschen und, als sozialer Aufsteiger nur auf seine Karriere bedacht, Klara der erwarteten Mitgift wegen heiraten zu wollen, sie durch Verführung an sich zu binden, um sie rücksichtslos sitzen zu lassen, als er erfährt, dass diese Mitgift nicht mehr vorhanden ist.

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