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Bei abnehmendem Mond Aufzeichnungen aus dem Lugala-Krankenhaus in Tansania von Pönnighaus, Jörg M. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.11.2014
  • Verlag: Athena Verlag
eBook (PDF)
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Bei abnehmendem Mond

In tagebuchartigen Erzählungen berichtet Pönnighaus aus seinem Alltag als Arzt in Tansania. Seine Aufzeichnungen scheinen auf den ersten Blick sachlich, distanziert, ohne Bewertungen und Gefühlsbeschreibungen, aber gerade durch diese scheinbare Emotionslosigkeit und Distanz gehen uns seine Erlebnisse so unter die Haut. Zutiefst berührend sind die Geschichten seiner Patienten, die teilweise in ausweglosen Situationen stecken, weit hergereist sind, allein gelassen von der Familie, weil wertlos geworden aufgrund ihrer Krankheit, manchmal trotz ärztlichen Bemühens dem Tode geweiht. Die humanitäre Arbeit erschwerend und oft schockierend sind auch die äußeren Umstände: teils unselbständig arbeitendes Krankenhauspersonal, das Anweisungen nicht befolgt - nicht böswillig, aber aufgrund einer vollkommen anderen Mentalität -, bürokratische Hürden, die Zeit und Kraft kosten, Sorge um finanzielle Unterstützung. Da stellt sich oft genug die Frage, wie ein Mensch das alles ertragen kann, ohne zu verzweifeln und den Glauben und die Hoffnung zu verlieren. Aber man spürt sehr deutlich zwischen den Zeilen die Wärme und Menschlichkeit und auch die Verantwortlichkeit, die Pönnighaus fühlt und seinen Patienten entgegenbringt. Und so freut man sich mit ihm über jede gelungene Operation oder Behandlung, die ein wenig Licht und Hoffnung ins Dunkel bringt. "Bei abnehmendem Mond" ist keine gefällige Unterhaltung, aber fesselnde, bewegende Lektüre, die ein Plädoyer für Menschlichkeit hält. Jörg M. Pönnighaus, geboren 1947 in Ostwestfalen. Studium der Medizin in Gießen. 25 Jahre seines Lebens verbrachte er als Arzt und Krankenhausleiter in Afrika (Sambia, Malawi, Tansania). Nach seiner Rückkehr arbeitete er am Vogtlandklinikum in Plauen.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 205
    Erscheinungsdatum: 03.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783898967624
    Verlag: Athena Verlag
    Größe: 1617 kBytes
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Bei abnehmendem Mond

Nyemele

[7. Januar 2007]

Nyemele ist unsere Oberschwester. Sie war schon die Oberschwester, als wir 2002 hierher nach Lugala kamen. Sie ist 53 Jahre alt. Unverheiratet. Und soweit ich wusste, hatte sie auch nie einen Mann gehabt. Eine alte Jungfer eben, die sonntags fleißig in die Kirche geht. Sie war aus Ilembula, wo wohl noch ihre alte Mutter und eine Schwester wohnen. Nach ihrer Ausbildung in Ilembula war sie nach Lugala versetzt worden. Damals, vor 27 Jahren, gehörte das Lugala Krankenhaus noch zur Njombe Diözese. Sie hatte dann wohl zunächst viele Jahre im OP gearbeitet und war dann langsam zur Oberschwester aufgerückt. Die Arbeit als Oberschwester tat sie mehr recht als schlecht (oder auch umgekehrt), jedenfalls besser als der Oberpfleger, Kilangali, den ich dann eines Tages absetzte und durch Mama Chogo ersetzte.

Na ja, ich war einigermaßen zufrieden mit Nyemele, ich durfte sie halt nicht überfordern.

Nun, Anfang Dezember fuhr ich zu einer Tagung nach Moshi. An einem Sonntag, um am Montag in Moshi zu sein. Nyemele begann zur gleichen Zeit ihren Jahresurlaub, wollte aber nicht mit mir fahren, weil sie erst noch ein paar Dinge in Lugala erledigen müsse. Sie wollte am Montag mit dem Bus nach Ilembula, nach Hause, fahren.

Ich kam am Freitag von Moshi zurück und hörte, dass Nyemele immer noch in Lugala war, weil es ihr nicht so gut ginge. Sie habe sich nicht auf dem Damm gefühlt für die lange Busfahrt.

Am Montag, das war wohl der 11. Dezember, sagte Mama Chogo dann zu mir, ich müsse unbedingt Nyemele aufsuchen, ihr ginge es wirklich nicht gut. Ich ging am Nachmittag zusammen mit Dr. Marcel zu ihr, der für eine Woche gekommen war, um uns bei der Behandlung von AIDS-Patienten zu helfen.

Sie war daheim. Dünn. Abgemagert? Nein, ihr sei nicht aufgefallen, dass sie Gewicht abgenommen habe.

"Und was ist Ihr Hauptproblem?"

"Appetitlosigkeit. Mir schmeckt das Essen einfach nicht mehr."

Wir fragten noch hin und her, aber mehr bekamen wir nicht aus Nyemele heraus an Symptomen.

Sie schwitzte wie irre.

Magenkrebs war natürlich eine Möglichkeit.

Ich schlug Nyemele vor, einen HIV Test machen zu lassen. Und wenn der negativ war, würden wir sie vielleicht nach Ifakara für eine Magenspiegelung weiterschicken. Aber natürlich nur, wenn der Test negativ war.

Nyemele war einverstanden.

Am Dienstagmorgen schickte ich Bumija, unseren Laborleiter, zu Nyemele, um ihr Blut für einen HIV Test abzunehmen.

Der Capillus Test und der Determine Test waren positiv.

Und Nyemele hatte nur noch 47 CD4 Zellen. Das war übel. Ich ging zu Nyemele und sagte ihr, wie es stand. Marcel kam wieder mit mir.

"Sind Sie überrascht, dass Sie infiziert sind?", fragte er sie.

"Ja", antwortete Nyemele.

Ich schlug vor, sie stationär aufzunehmen. Gleich am nächsten Tag. Zu Hause würde das nichts. Ich könne nicht jeden Tag zu ihr nach Hause kommen, um nach ihr zu schauen.

Ich hatte erwartet, dass Nyemele sich sträuben würde. Aber sie war sofort einverstanden. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass sie erleichtert war, dass nun Klarheit herrschte. Und dass nun alles gut werde würde.

Ich bat Mama Chogo, ein Zimmer für Nyemele fertig zu machen.

Marcel meinte, ich sollte die Behandlung mit Combivir (Zidovudin und Lamivudin) und Efavirenz einleiten. Die Kombination sei ja doch irgendwie verträglicher als Trimune (Lamivudin, Stavudin und Nevirapin). Ich widersprach ihm natürlich nicht. Er behandelt schon über 300 Patienten in Ifakara und ich behandle erst knapp 80 hier in Lugala.

Wir machten die üblichen Aufnahmeuntersuchungen einschließlich einer Lungenaufnahme, dann begannen wir mit der Behandlung. Es würde alles seinen Gang gehen, nahm ich an. Auch wenn sie nur noch 47 CD4 Zellen hatte. Und nur noch 38,5 Kilogramm wog. Aber ihr Hb war noch 10,1. Das war ja eher ein gutes Zeichen.

Ich ging am Mittwoc

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