text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Im Strom unserer Zeit Lehrjahre, Wanderjahre & Meisterjahre von Eyth, Max (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.04.2016
  • Verlag: e-artnow
eBook (ePUB)
0,49 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Im Strom unserer Zeit

Dieses eBook: 'Im Strom unserer Zeit' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Max von Eyth (1836-1906) war ein deutscher Ingenieur und Schriftsteller. 1862 trat er bei der englischen Dampfpflugfabrik Fowler in Leeds ein und übernahm die Auslandsvertretung für Dampfpflüge. Auf vielen Reisen und langjährigen Auslandsaufenthalten, u. a. nach Ägypten und in die USA, warb er für die Einführung von dampfmaschinengetriebenen Pflügen in der Landwirtschaft. Eyth war auch bei der Errichtung der Seilschifffahrt auf dem Rhein maßgeblich beteiligt. In der Zeit des Amerikanischen Bürgerkriegs reiste er nach Ägypten. Der Nilstaat bemühte sich zu dieser Zeit, Hauptproduzent von Baumwolle für Europa zu werden. Drei Jahre war Eyth Chefingenieur des ägyptischen Prinzen Said Halim Pascha. Die Erlebnisse dieser Zeit beschrieb er in seinem Roman Hinter Pflug und Schraubstock. 1882 kehrte Eyth nach Deutschland zurück. Er gründete gemeinsam mit dem Landwirt und Politiker Adolf Kiepert im Jahre 1885 die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) und blieb bis 1896 deren geschäftsführender Direktor. Seine restlichen Jahre verbrachte er, ledig geblieben, hauptsächlich mit schriftstellerischer Tätigkeit bei seiner Mutter in Ulm. So verarbeitete er beispielsweise den Eisenbahnunfall auf der Firth-of-Tay-Brücke in seiner 1899 erschienenen Erzählung Die Brücke über die Ennobucht. Max Eyth hat außer seinem literarischen auch ein umfangreiches zeichnerisches Werk hinterlassen. Seine Zeichnungen entstanden oftmals auf seinen geschäftlichen Reisen und haben meist naturalistische Darstellungen von Bauwerken, Straßen- und Hafenszenen zum Inhalt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 370
    Erscheinungsdatum: 17.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026853404
    Verlag: e-artnow
    Größe: 1557 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Im Strom unserer Zeit

64.

Inhaltsverzeichnis

Schubra, den 31. September 1864.

Es ist nur recht und billig, daß auch ich dem alten Rah, dem Sonnengott Ägyptens, um diese Zeit des Jahres meine Opfer bringe.

Ich war ein paar Tage lang krank und finde, daß das sein Gutes haben kann. Man vereinsamt und vertrocknet zu sehr in dem unablässigen Geschäftstrubel. Ihr in dem stillen Kloster mit Sophokles und Homer und einer Anzahl strebsamer Jungen, ich in Schubra und Kassr-Schech mit Dampfmaschinen und Baumwollenfabriken und einem Haufen Halbwilder - wer ist wohl weniger in der großen Welt? Man mag laufen, so weit man will, man sieht überall nur seinen eignen Horizont. Und bei meiner Art von Beschäftigung, die Körper und Geist Tag und Nacht umtreibt, ist's leichter und gefährlicher, sich unter den Dornen zu verlieren. Da kommt denn ein Unwohlsein. Das eiserne Mühlwerk, das ohne Erbarmen alte gute Erinnerungen zermalt und zerreibt, steht auf ein paar Tage still. Und man merkt in dieser Stille plötzlich, daß man eigentlich doch auch ein Mensch war, und steht mit halbvergessener Wehmut, wohin man treibt, 's ist ein wahrer Segen. -

Äußerlich ist allerdings ein Unwohlsein in Ägypten kein Vergnügen. Den Abend, an dem ich mir mit großer Gewandtheit selbst acht Blutegel ansetzte und schließlich, da ich mit dem Stillen des Blutes nicht zustande kommen konnte, meine Stirne mit Schreinerleim verklebte, benutzte mein Koch, um mit einem Teil meiner Habe durchzubrennen, so daß ich zunächst ohne Nachtessen und Frühstück zu vegetieren hatte. Wer weiß, wie es gegangen wäre, wenn nicht mein fauler Dragoman eine ungewohnte Anwandlung empfunden hätte, nach seinem verschwundenen Herrn zu sehen.

Doch Tier und Menschen beginnen jetzt wieder aufzuatmen; die welkgebrannten Blätter, die halbverdorrten Felder färben sich um den schwellenden Nil in unbeschreiblicher Herrlichkeit; die Abende und Morgen mit der frischen, reinen Luft, die Nächte mit ihrer wundervollen Sternenpracht und ihrem tausendfachen Gezirpe, Gequack und Gesang (Singvögel im deutschen Sinne gibt es freilich nicht) sind nahezu paradiesisch, und Schubra ist vielleicht der beste Ort, dies alles zu genießen. Aber allerdings, wenn man, wie eine kleine Vorsehung, das Wasser, das diese Welt so grün macht, selbst pumpen muß, nimmt sich alles etwas anders aus. Wie muß es der großen Vorsehung oft zumut sein, wenn sie ihre Welt betrachtet, in die sie liebevoll so viel Wasser pumpt, oft genug ohne Erfolg!

Nun möget Ihr einmal heruntersteigen von den Geisteshöhen, auf denen Ihr zu Hause seid und mich bei einem Fuhrmannsgeschäft begleiten, bei dem ich mich zu Hause fühlen muß, ob mir's behagt oder nicht. Das größte Stück meiner neuen Reparaturwerkstätte lag schon seit Monaten in Bulak, der Hafenstadt Kairos, etwa fünf Viertelstunden von Schubra. Es ist eine Stoßmaschine, im wesentlichen ein einziger Klotz von Gußeisen, zehn Fuß lang, etliche acht Fuß hoch, drei Fuß breit, der zehntausend Kilogramm wiegt. An sein Heranschaffen mit Gespannen war gar nicht zu denken; denn sobald ein ägyptischer Ochse merkt, daß etwas auf dem Wagen liegt, den er zu ziehen hat, so gibt er sich nur noch den Schein, dies zu tun. Spannt man aber ein paar Dutzend vor, so bringt keine Erdenmacht die Untiere dazu, auch nur meiner Richtung zu stehen. Die Hälfte mindestens streckt die schwarzen Köpfe dem Wagen zu. - Gut; ich wartete also, bis das Dampfpflügen vorüber war und fuhr sodann mit einer meiner Maschinen nach Bulak, zuerst die Sykomorenallee hinauf, mit dem gewöhnlichen Schweif jubelnder Kinder Sems und Hams, jung und alt, durch die Vorstadt Kairos, dann vorbei an staubbedeckten Moscheen und durch die verzweifelt engen Gassen von Bulak selbst, wo mein Maschinenwärter zum erstenmal - wir hatten die Straße früher schon öfter mit Glück passiert - einen kleinen Kaufladen umfuhr, endlich in den Hof des vizeköniglichen Arsenals, woselbst das plumpe Sorgenkind lag.

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen