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Einführung in die antike Ikonographie von Schollmeyer, Patrick (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2014
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Einführung in die antike Ikonographie

Studierende der Archäologie müssen sich nicht nur mit Grabungstechniken, Chronologie und theoretischen Grundfragen ihres Faches vertraut machen. Sie lernen vielmehr eine Fülle von Kunstwerken kennen, die von Menschen einer vergangenen Epoche nach den künstlerischen Vorstellungen und Möglichkeiten ihrer Zeit geschaffen wurden. Diese antiken Bilderwelten beschreibt Patrick Schollmeyer in seiner Einführung in Ikonographie und Ikonologie der griechischen und römischen Kunst. Im Mittelpunkt stehen die Vermittlung methodischer Fertigkeiten bei der Beschreibung und Deutung von antiken Bildern sowie eine umfassende und systematische Darlegung ihrer vielfältigen Formen, Formate, Materialien, Funktionen und Themen. Dabei werden nicht nur die Bildmotive der klassischen Mythologie erklärt; auch die Darstellungen aus der Alltagswelt werden ausführlich behandelt. Die Einordnung in ihren zeitlichen Hintergrund soll schließlich den Blick der Studierenden schärfen und die Grabungsfunde zum Sprechen bringen. Patrick Schollmeyer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter sowie Betreuer der Original- und Abgusssammlung am Institut für Altertumswissenschaft, Arbeitsbereich Klassische Archäologie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Er ist ferner Kurator der sog. Schule des Sehens und seit 2016 Vorsitzender des Deutschen Archäologen-Verbands (DArV).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 144
    Erscheinungsdatum: 01.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534705719
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 5665 kBytes
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Einführung in die antike Ikonographie

II. Themen

1. Mythos versus Lebenswelt

Die antike Bildkunst kennt eine Vielzahl unterschiedlichster Bildthemen, die die ältere Forschung gemeinhin in Darstellungen aus dem Mythos und der Lebenswelt zu klassifizieren suchte. Diese Unterscheidung ist jedoch in vielen Fällen nur schwierig zu treffen, mithin oftmals hinfällig, da sich manche Bilder wie etwa Kampfdarstellungen nur selten eindeutig benennen lassen. Man muss sich generell fragen, inwiefern eine derartige Trennung überhaupt dem antiken Denken entsprach, wo der Mythos oftmals lebendige Geschichte war und die Taten von Helden wie Achilleus, Herakles oder Meleager vor allem als mythischer Spiegel und Vorbild real aristokratischer Lebens- respektive Verhaltensweisen verstanden wurden. Mythenerzählungen bilden daher einen sehr großen und variantenreichen Themenbereich innerhalb der Bilderwelt der griechischen und römischen Antike, der nahezu umfassend für die Vermittlung jedweder gesellschaftlicher Diskurse antiker Lebenswirklichkeit eingesetzt wurde. Die Mythen stellten hierbei eine gehobene Form des grundsätzlichen Sprechens und Erklärens menschlicher Verhaltensformen sowie von Naturphänomenen dar und erlaubten auf diese Weise Formulierungen von übergreifender Vorbildhaftigkeit. Mythenbilder zeigen in diesem Sinn die wichtigsten Rollen- und Verhaltensideale der antiken Gesellschaft und sind dergestalt ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis des mentalen Haushalts der Griechen und Römer.

Im Gegensatz zur älteren Forschung begreift die aktuelle Diskussion die zahlreichen mythischen Darstellungen in der antiken Bildkunst deshalb bewusst als eigenständige Gattung, deren Entwicklung nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit entsprechenden literarischen Schilderungen gesehen werden muss. Während früher verstärkt nach Vorbildern für bestimmte bildliche Fassungen antiker Mythenstoffe in der zeitgenössischen Literatur gesucht wurde, ist man sich heute im Klaren darüber, dass die Bilder häufig ohne konkretes literarisches Vorbild entstanden sind. Oftmals stehen die Mythenbilder in klarem, zum Teil sogar scharfem Kontrast zu den literarischen Gestaltungen der Mythen. Insofern waren diese Darstellungen in ihrem antiken Wirkungszusammenhang eben keine bloßen Illustrationen von letztlich wichtigeren Texten, sondern eigenständige visuelle Formulierungen, deren Bedeutung als wichtiges Medium gesellschaftlicher Kommunikation es vor dem sozio-kulturellen Hintergrund ihrer jeweiligen Entstehungszeit zu entschlüsseln gilt.

Moderne Diskussion

Die moderne Diskussion um die Bedeutung der Bilder orientiert sich daher bewusst nicht mehr primär an Fragen zu den narrativen Konzepten der jeweiligen Mythenstoffe oder der ikonographischen Entwicklung einzelner Figuren, sondern interessiert sich vor allem für die verschiedenen Formen ihrer medialen Instrumentalisierung im Kontext antiker Wertedebatten um ideale Geschlechterrollen und Verhaltensweisen. Grundsätzlich kann in diesem Zusammenhang davon ausgegangen werden, dass Mythenbilder in mehrfacher Weise dienlich waren. Die allgemeine Bekanntheit und anerkannte Vorbildhaftigkeit der mythischen Heroinnen und Heroen schuf insofern eine ideale Basis für die Vermittlung entsprechend komplexer Inhalte, als ihr Erscheinen von vorn herein nobilitierend wirkte. Im Kontext des Mythos waren darüber hinaus auch übertreibende Steigerungen inhaltlicher Aussagen möglich und es ließen sich ebenso völlig offene Vorstellungswelten wie Wunschträume formulieren. Im Zentrum dieses spezifischen medialen Diskurses um die Gestaltung der antiken Lebenswirklichkeit standen jedoch vornehmlich die Visualisierung von Rollenidealen, mithin die bildliche Beschreibung kanonisierter Geschlechterrollen von Frauen, Männern und Kindern, sowie die Kenntlichmachung von Ideal-, Gegen- und Traumwelten. Die Mythenbilder zeigten spezifische Formen der Normierung sozialen Agierens und trugen auf diese Weise zur Konstruktion gese

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